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Der Regierungschef verdient nur halb so viel

Transparenzgesetz Der Regierungschef verdient nur halb so viel

Vorstandsmitglieder von Sparkassen verdienen in Schleswig-Holstein in der Regel deutlich mehr als der Ministerpräsident. Nach einer Liste, die der Sparkassen- und Giroverband am Freitag veröffentlichte, erhält allein Verbandspräsident Reinhard Boll erfolgsunabhängige Bezüge von jährlich 355000 Euro.

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Das Sparkassen-Zeichen kennt jeder, die Gehälter waren bisher ein Geheimnis. Jetzt haben die Sparkassen in Schleswig-Holstein erstmals die Bezüge ihrer Vorstände offengelegt.

Quelle: Sven Janssen

Kiel. Das ist mehr als doppelt so viel, wie Torsten Albig bekommt. Darüber hinaus stellt die Förde Sparkasse jedes Jahr 566000 Euro für Bolls Pension zurück, so dass bei seinem Ausscheiden ins Seniorenleben ein Barwert von mehr als 2,5 Millionen Euro zusammenkommt. Als Pensionär werden dem Vorstandsvorsitzenden jedes Jahr 249000 Euro ausgezahlt.

 Zum Vergleich: Ministerpräsident Torsten Albig hat ein Jahresgehalt von knapp 162000 Euro. Innenminister Stefan Studt geht laut Landeshaushalt mit 147500 Euro nach Hause, ähnlich verhält es sich bei seinen Kollegen, und dem Kieler Oberbürgermeister Ulf Kämpfer stehen laut kommunaler Besoldungsverordnung rund 124000 Euro zu.

 „Uns ist bewusst, dass wir mit unseren Gehältern, gemessen an der Politik und am öffentlichen Leben, am oberen Ende liegen“, sagte Boll am Freitag. Er verwies aber auf die Vielzahl an Mitarbeitern und ein Geschäftsvolumen von 37,5 Milliarden Euro, für das die Vorstände Verantwortung tragen müssten. „Wenn man die Besten haben will, sind sie so zu bezahlen, wie es der Konkurrenzsituation entspricht. Sonst laufen sie einem weg.“ Die Sparkassen wollten mit den Volks-und Raiffeisenbanken, aber auch den kleinen und Regionalbanken mithalten. Boll: „Ich spreche über Markt, nicht über Moral.“

 Ob er es nicht verstehen könne, wenn sich mancher über die Gehaltsunterschiede zwischen Bankmanagern und anderen wundert? „Doch“, sagte der 59-Jährige, „als Privatperson, als Mensch kann ich das verstehen.“ Es gehe aber um ein austariertes System, das regelmäßig mit den Verwaltungsräten abgestimmt werde. „Ich mache mir keine Gedanken, wie viel mehr ein Vorstand im Vergleich zum Ministerpräsidenten verdient. Da gucke ich nicht nach links und rechts, das ist nicht mein Fokus.“

 Hintergrund für die Offenlegung ist das neue Transparenzgesetz. Es verpflichtet Landes- und Kommunalunternehmen ab 2016, die Vergütung ihrer Spitzenmanager im Internet zu veröffentlichen. Der Sparkassen- und Giroverband ist die erste öffentlich-rechtliche Unternehmensgruppe, die dieser Aufforderung jetzt folgt. Dort hatte man sich lange gegen die Novelle gesträubt, weil es die Möglichkeiten schmälere, ausgezeichnete Manager zu bekommen.

 Insgesamt zahlen die Sparkassen ihren Vorständen 9,5 Millionen Euro Bezüge und Leistungen aus. Die Sparkassen Lübeck, Bordesholm und Mittelholstein in Rendsburg werden als AGs geführt und fallen nicht unter die gesetzliche Pflicht. Die Politik im Landeshaus hielt sich mit einer Bewertung zurück. „Es geht hier nicht um eine Neiddebatte“, betonte Beate Raudies (SPD). Aber die Bezüge des Führungspersonals öffentlicher Unternehmen dürften nicht länger ein Geheimnis sein. Rasmus Andresen (Grüne) freute sich über eine „offene Debatte“ über angemessene Vergütungen. Auch die FDP begrüßte die Offenlegung. „Nun ist es für jeden möglich, sich ein Bild zu machen“, sagte Heiner Garg. Der CDU-Finanzpolitiker Tobias Koch bezeichnete die Sparkassen-Gehälter als branchenüblich.

 Dagegen forderte Patrick Breyer (Piraten) eine Gerechtigkeitsdebatte. „Nicht nur verdienen mehrere Manager regionaler Sparkassen das Zehnfache von Sparkassenangestellten. Fast das Doppelte des Gehalts wird zum Teil zusätzlich für die Pension zurückgestellt.“ In Zeiten von Personalabbau und Filialschließungen seien „Luxuspensionen“ nicht zu rechtfertigen.

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Ein Artikel von
Christian Hiersemenzel
Landeshaus-Korrespondent

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Kommentar

Da ist etwas kräftig aus den Fugen geraten. Wenn schon ein Sparkassen-Vorstandsvorsitzender aus Hohenwestedt mehr Geld verdient als der Regierungschef, dann stimmt etwas im System nicht. Wobei die Zahlen, mit denen der Sparkassen- und Giroverband am Freitag mutig als Erster an die Öffentlichkeit trat, erst der Anfang sind.

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