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Elektroautos sind im Norden kaum gefragt

Trotz Kaufprämie Elektroautos sind im Norden kaum gefragt

Die Anfang Juli eingeführte Kaufprämie für Elektroautos findet in Schleswig-Holstein bislang nur wenige Abnehmer: Lediglich 77 reine E-Fahrzeuge und 48 Hybrid-Pkw wurden damit bis Ende September angeschafft.

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Ohne Ladestation läuft nichts: Elektroautos sind noch rar.

Quelle: Jan Woitas/dpa

Kiel. Das ergab eine kleine Anfrage der Piratenfraktion an die Landesregierung. „Die Kaufprämie ist ein Flop“, sagte Uli König, verkehrspolitischer Sprecher der Piraten. Die vom Bund bereitgestellten Fördermittel von insgesamt 600 Millionen Euro müssten vielmehr in die völlig unzureichende Ladesäulen-Infrastruktur auch im Norden investiert werden.

 Nach Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) in Flensburg waren am 1. Januar bundesweit 25502 Elektroautos zugelassen, davon in Schleswig-Holstein 740. Bis 2020 sollen, so das Ziel der Bundesregierung, bundesweit ein halbe Million dieser Fahrzeuge rollen. Hochgerechnet für den Norden bedeute dies einen Fahrzeugbestand von etwa 19000 Elektro-Pkw, sagte Jan-Nikolas Sontag. Der Geschäftsführer des Kfz-Gewerbeverbandes Schleswig-Holstein, der etwa 1500 Mitgliedsunternehmen vertritt, erkennt in den jüngsten Zulassungszahlen – im September waren es 33 – dennoch „einen leichten Schub“ für seine Branche. „Die Kaufprämie ist zielführend und hilft uns sicherlich weiter, wenn auch derzeit nur auf niedrigem Niveau.“

 Für Hans-Jörn Arp, Verkehrspolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, führt die Kaufprämie dagegen lediglich zu „Mitnahmeeffekten, die Innovationen stoppen“. Stattdessen müsste die Landesregierung verstärkt in Forschung und Entwicklung investieren, um den im Norden erzeugten Windstrom in neuen Technologien einsetzen zu können. „Wir müssen den Strom besser zum Beispiel für Elektromobilität nutzen, anstatt Millionen für Phantomstrom auszugeben.“ Schleswig-Holstein könne hier in Zukunft eine Vorreiterrolle einnehmen, dies würde auch die Akzeptanz der Menschen für Windkraftanlagen verbessern. Die im September verabschiedete Empfehlung des Bundesrats, ab 2030 keine Autos mit Benzin- oder Dieselmotoren mehr neu zuzulassen, hält Arp für nicht sinnvoll: „Dazu fehlt es bislang einfach an der Lade-Infrastruktur und an Elektroautos mit hoher Reichweite.“

 Energiewendeminister Robert Habeck (Grüne) sieht Schleswig-Holstein dagegen auf einem guten Weg: „Der Ausbau der Ladesäuleninfrastruktur kommt gut voran.“ Über das Ladesäulenprogramm der Landesregierung würden 65 neue Säulen errichtet, hinzu kämen eine Vielzahl privater Säulen. „Eine flächendeckende und öffentlich zugängliche Ladeinfrastruktur ist der Schlüssel für den Erfolg der Verkehrswende“, sagte der Minister.

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Ein Artikel von
Jan von Schmidt-Phiseldeck
Wirtschaftsredaktion

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