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Hatlapa muss massiv sparen

Uetersen Hatlapa muss massiv sparen

Der Schiffbauzulieferer Hatlapa steht möglicherweise vor großen Einschnitten. Das Unternehmen mit seinen insgesamt 560 Mitarbeitern, davon 380 in Uetersen, leidet massiv unter der internationalen Schiffbaukrise, die sich durch den niedrigen Ölpreis noch einmal verschärft hat.

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Ankerwinden von Hatlapa sind weltweit auf vielen Schiffen im Einsatz, hier auf einem bei Lindenau in Kiel gebauten Tanker. Das Unternehmen ist bis 2009 stark gewachsen.

Quelle: Frank Behling

Uetersen. Hatlapa stellt unter anderem Ankerwinden, Kompressoren und Rudermaschinen her. Die Firma war nach einer Phase starken Wachstums (von 2004 bis 2009) wie so viele andere in der Branche und die Schifffahrt insgesamt von den Folgen der Finanzkrise getroffen worden. Der Umsatz hatte sich in den fünf Jahren auf 138 Millionen Euro verdoppelt, war danach aber wieder deutlich gesunken. Das Unternehmen war daher 2010 davon ausgegangen, dass er sich stabil auf ein „Normalmaß“ von 90 bis 100 Millionen Euro einpendeln werde.

 2013 hatte sich das Geschäft jedoch wieder erholt, der Umsatz lag bei 120 Millionen Euro. Im selben Jahr übernahm der finnische Konzern Cargotec das Familienunternehmen und integrierte es in seine Schiffbauzuliefer-Sparte (Mc Gregor). Für die Mitarbeiter ergebe sich eine größere Sicherheit, wenn sie Teil einer starken Gruppe seien, hatte Geschäftsführer und Miteigentümer Alexander Nürnberg damals gesagt. Cargotec sehe für den Standort Uetersen hervorragende Perspektiven und Wachstumschancen.

 Der positive Trend hielt zunächst auch 2014 noch an. Doch aufgrund der aktuell niedrigen Ölpreise und der nach wie vor schwierigen Ertragslage in der Schifffahrt halten sich Reedereien mit Aufträgen zurück. Solange Schiffstreibstoff billig ist, lohnt sich ein Weiterbetrieb von älteren Schiffen, Investitionen in Sprit sparende Motorentechnik bleiben aus. Zudem hat der niedrige Ölpreis dazu geführt, dass die relativ teure Ölförderung auf See (Offshore) deutlich zurückgefahren wurde. Offshore ist aber neben dem Schiffbau ein zweiter wichtiger Absatzmarkt für die Hatlapa-Produkte.

 Wie aus Kreisen der IG Metall zu erfahren ist, verlangt der finnische Eigentümer nun ein Sparkonzept von Hatlapa, der gesamte Standort in Uetersen stehe auf dem Prüfstand, heißt es. Die Mitarbeiter wurden darüber informiert, und die Geschäftsleitung um Alexander Nürnberg will nun bis Ende Juli ein Konzept vorlegen, um den Standort zu sichern. Das aber dürfte eine große Herausforderung werden. „Unser Marktumfeld ist zurzeit katastrophal. Wir haben noch nie eine so schlechte Auftragslage gehabt“, zitiert das „Hamburger Abendblatt“ den Geschäftsführer. Die Geschäftsleitung will unter anderem vom Tarifvertrag abweichen und die Arbeitszeit von 35 auf 40 Stunden erhöhen. Darüber sollen die IG-Metall-Mitglieder Ende des Monats abstimmen.

 Der Ingenieur Max Hatlapa hatte das Unternehmen direkt nach dem ersten Weltkrieg 1919 gegründet. In Uetersen wurden von Beginn an Produkte für die Werften gefertigt: neben Lade-, Ruder- und Ankerwinden stellte die Maschinenfabrik aber zunächst auch kleinere Diesellokomotiven her, doch kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Lokfertigung eingestellt. Hans-Heinrich Hatlapa (1920 bis 2009), der Sohn des Gründers, führte das Unternehmen weiter und richtete es zunehmend auf internationale Märkte und Export aus. Der passionierte Jäger und Naturschützer gründete aber auch den Wildpark Eekholt, den er zu einer Umweltbildungsstätte ausbauen ließ. Zum Zeitpunkt des Verkaufs hielt Gründer-Enkel Hubertus Hatlapa die Mehrheit an dem Unternehmen.

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