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Die Industrie schwächelt

Umsätze im Norden Die Industrie schwächelt

Es ist eine kalte Dusche für den Industriestandort Schleswig-Holstein: Die Umsätze im verarbeitenden Gewerbe des Landes gehen weiter zurück – und zwar deutlich.

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Die Raffinerie Heide zählt zu den industriellen Schwergewichten Schleswig-Holstein. Der Ölpreisverfall hat die Geschäfte erheblich beeinträchtigt.

Quelle: Sarah Thiers

Kiel. Bereits im vergangen Jahr waren die Industrieerlöse auf Talfahrt (minus 6,6 Prozent), hatten sich jedoch im vierten Quartal stabilisiert. Nun jedoch hat sich die Hoffnung auf eine Erholung zerschlagen: Die Gesamterlöse der 532 größeren Industrie-Betriebe stürzten im ersten Halbjahr um weitere sechs Prozent auf 14,9 Milliarden Euro ab. Grund seien vor allem die Auswirkungen von Rußlandembargo und niedrigem Ölpreis, der besonders einem wirtschaftlichen Schwergewicht, der Raffinerie Heide, Erlöse kostet. Das zumindest sagt das Wirtschaftsministerium in Kiel, das auch auf Verzerrungen durch die Abrechnung von Großaufträgen im Maschinenbau hinweist. Die FDP im Landtag hingegen sieht die Zahlen als weiteren Beleg für den „industriepolitischen Tiefschlaf“ der Landesregierung.

 Wie das Statistikamt Nord am Montag berichtete, fiel das Minus bei der Inlandsnachfrage mit acht Prozent auf 8,5 Milliarden Euro noch stärker als der Rückgang des Auslandsabsatzes. Dieser sank den Angaben zufolge um vier Prozent auf 6,3 Milliarden Euro. Ein Schlag ins Kontor ist vor allem der Einbruch beim Maschinenbau. Die mit 2,9 Milliarden Euro umsatzstärkste Branche im Land verbuchte einen Erlös-Rückgang um elf Prozent. Auch die Hersteller von Nahrungs- und Futtermitteln (minus zehn Prozent auf 2,3 Milliarden Euro) sowie die Chemieproduktion (minus sieben Prozent auf 1,2 Milliarden Euro) registrierten negative Umsatzentwicklungen. Die Mineralölverarbeitung brach preis- und nachfragebedingt um 39 Prozent auf 0,9 Milliarden Euro ein. Dagegen legte die Pharma-Industrie um vier Prozent auf 1,2 Milliarden Euro zu. Trotz des Umsatzrückganges bleibt die Beschäftigung stabil: Im Monatsdurchschnitt des ersten Halbjahres arbeiteten nach Angaben der Statistiker rund 102500 Menschen in Industriebetrieben mit mindestens 50 Beschäftigten und damit ein Prozent mehr als im ersten Halbjahr 2015.

 Für die Opposition ist das kein Trost: „Die Zahlen zeigen, wie schlecht es um unseren Wirtschaftsstandort unter Rot-Grün-Blau bestellt ist“, sagte der wirtschaftspolitische Sprecher der FDP-Landtagsfraktion, Christopher Vogt. Es stelle sich die Frage, wann eigentlich die industriepolitische Strategie endlich starten soll, die diese Landesregierung nach „jahrelangem Tiefschlaf großspurig angekündigt hatte“. Schleswig-Holstein sei zwar kein klassisches Industrieland, aber die De-Industrialisierung, so Vogt, schreite hier noch schneller voran als im Bundesdurchschnitt.

 Auch die Vereinigung der Unternehmensverbände (UV Nord) wertet den Umsatzrückgang als Alarmsignal: „Die aktuellen Zahlen belegen einmal mehr, dass der Industrie in Schleswig-Holstein in den vergangenen Jahren zu wenig Beachtung geschenkt wurde.“ Nun gelte es nach den Ankündigungen und der Auftaktveranstaltung für ein Industriekonzept, dieses mit Leben zu füllen.

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Ein Artikel von
Ulrich Metschies
Wirtschaftsredaktion

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