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UKSH will 2017 schwarze Zahlen schreiben

Schleswig-Holstein UKSH will 2017 schwarze Zahlen schreiben

Wird aus dem Sorgenkind ein Vorzeigeunternehmen? Am Uniklinikum weichen marode Gebäude hochmodernen Bauten. Und auch bei den Finanzen soll es besser werden.

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Das UKSH will 2017 schwarze Zahlen schreiben.

Quelle: Frank Peter

Kiel. Das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) wird weniger Stellen abbauen als geplant. Das kündigte der Vorstandsvorsitzende Prof. Jens Scholz am Donnerstag mit Blick auf steigende Patientenzahlen an. Die Gewerkschaft Verdi begrüßte die Ansage. Scholz präsentierte gleich zwei weitere gute Nachrichten: Das Uniklinikum könnte 2017 wie erhofft erstmals schwarze Zahlen schreiben und die Großsanierung der Kliniken in Kiel und Lübeck läuft wie geplant.

„Das UKSH wird über das geplante Maß wachsen“, sagte Scholz. Trotz des laufenden Umbaus der Kliniken steige die Zahl der Patienten, und das stärker als einst prognostiziert. Folge: Der Plan, im Zuge der Modernisierung des UKSH 450 der gut 7300 Vollzeitstellen an beiden Klinikstandorten einzusparen, ist vom Tisch. „Wir werden nicht alle Stellen abbauen“, bekräftigte Scholz. Das gelte insbesondere für den medizinischen Bereich. Dort sollten 25 Ärzte und 257 Pflegekräfte eingespart werden. Weniger Hoffnung machte Scholz 130 Mitarbeitern, die etwa Laborproben quer über das Klinikgelände transportieren. Ihre Jobs werden künftig von einem Rohrpost-System erledigt.

Verdi bezeichnete die Abkehr vom Stellenabbauplan als „gute Nachricht“. Das könne aber nur ein erster Schritt sein, ergänzte Fachbereichsleiter Steffen Kühhirt. Am UKSH dürfe keine einzige Stelle gestrichen werden. „Mehr Patienten heißt auch mehr Arbeit.“ Gerade im Pflegebereich zog Scholz eine positive Bilanz. Ein Grund: Nach der umstrittenen Kündigung der Verträge mit den DRK-Schwesternschaften seien viele Rotkreuzlerinnen beim UKSH geblieben und hätten teils gar ihre Stundenzahl aufgestockt. Ihre Arbeitszeit läge insgesamt jetzt bei 111 Prozent, sagte Scholz und wies nebenbei daraufhin, dass das UKSH als einer der Top-Arbeitgeber (Platz 33) in der deutschen Gesundheitsbranche ausgezeichnet wurde.

Zufrieden äußerte sich der Manager auch über die finanzielle Lage des Klinikums. Der bisher defizitäre UKSH-Konzern (mit Tochtergesellschaften) werde 2017 ein Plus von gut sechs Millionen Euro erwirtschaften, versprach Scholz. Bereits im laufenden Jahr soll das Defizit auf 3,1 Millionen Euro sinken. Im vergangenen Jahr schrieb der Konzern noch tiefrote Zahlen (minus 16,8 Millionen Euro). Die schnelle Gesundung erklärte der Vorstandschef mit unzähligen auch kleineren Sparaktionen. Beispiel: In die Kliniken wird jetzt nur noch Essen für rund 92 Prozent der Patienten geliefert, weil einige etwa im OP oder auf der Intensivstation liegen. „Bisher wurden Mahlzeiten für 105 Prozent bestellt.“ Ziel ist eine Essensquote von 88 Prozent wie in der Charité in Berlin, der größten Uniklinik in Deutschland.

Verdi sieht die Finanzlage kritischer. Klar ist, dass sich die von Scholz angestrebte „schwarze Null“ nur auf das operative Geschäft bezieht, also auf den Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen. Ausgeklammert sind zudem Sonderlasten aus der Großsanierung des UKSH. Diese Mehrkosten dürften sich allein in diesem Jahr auf 30 Millionen Euro belaufen. In einem Punkt greift das Land seinem Maximalversorger allerdings kräftig unter die Arme. Bis 2020 übernimmt das Land einen Teil der UKSH-Altschulden (100 von knapp 300 Millionen Euro). Ein Nachschlag ist möglich.

Der Erfolg steht oder fällt mit der Grundsanierung des UKSH (520 Millionen Euro), die in Kiel seit Frühjahr läuft und 2021 abgeschlossen werden soll. „Wir liegen im Zeitplan“, betonte Scholz. Als erster „harter Meilenstein“ gilt das neue Hämatologische-Onkologische Zentrum in Kiel. Es soll im September fertig sein. Offen ließ Scholz, wie es um eine Verlängerung seines 2018 auslaufenden Chefvertrages steht. „Das ist Sache des Aufsichtsrats.“ Im Landeshaus wird erwartet, dass Scholz auf der Kommandobrücke bleiben will, angesichts der Erfolgsdaten aber möglicherweise auf eine bessere Bezahlung drängt. Der UKSH-Chef dürfte schon heute zu den Landesbediensteten zählen, die mehr verdienen als Ministerpräsident Torsten Albig (SPD).

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Ein Artikel von
Ulf B. Christen
Landeshaus-Korrespondent

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