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Unternehmen fühlen sich vernachlässigt

Umfrage zur Kieler Politik Unternehmen fühlen sich vernachlässigt

Im Westen wenig Neues: Schleswig-Holsteins Unternehmer fühlen sich von der Kieler Politik vernachlässigt und erneuern ihre Forderung nach Infrastrukturmaßnahmen für den Unterelberaum und die Nordseeküste.

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Die Unternehmer fordern einen zügigen Ausbau der A20.

Quelle: hfr

Tönning. Die Unternehmen im Westen Schleswig-Holsteins sind durch die neue Regierungskoalition stark verunsichert. „Wir fühlen uns von der Kieler Politik vernachlässigt“, sagte der Geschäftsführer des Unternehmensverbandes Unterelbe-Westküste, Heinrich Ritscher, am Donnerstag im nordfriesischen Tönning. Der Koalitionsvertrag sei nicht eindeutig, sondern gebe Interpretationen freien Raum. „Wir wissen nicht, wofür die neue Regierung einsteht und was sie durchsetzen will“, sagte Ritscher mit Blick auf wichtige Infrastrukturprojekte.

So habe eine Umfrage des Unternehmensverbandes bei den Mitgliedern ergeben, dass Versprechungen und Ankündigungen einzelner Regierungsmitglieder als „wenig bestandsfähig wahrgenommen werden, da durch ein Mitglied dieser Koalition die zukünftige Entwicklung der Westküste und des Unterelberaums deutlich behindert wird“, sagte Ritscher. Er bezog sich damit auf die Landtagsfraktion der Grünen. Nur jedes zehnte befragte Unternehmen (neun Prozent) habe Vertrauen in die Gestaltungsfähigkeit der neuen Landesregierung bei Infrastrukturmaßnahmen und Haushaltskonsolidierung. Knapp zwei Drittel (64 Prozent) der Betriebe seien sogar pessimistisch.

In diesem Zusammenhang kritisierte der Unternehmensverband auch den von der Landesregierung angekündigten integrierten Entwicklungsplan für die Westküste. „Wir brauchen keinen neuen Westküsten-Entwicklungsplan: Uns ist geholfen, wenn die bisherigen Pläne endlich angegangen und umgesetzt werden“, sagte Ritscher. Dazu gehörten unter anderem der Weiterbau der A20 mit fester Elbquerung, der Ausbau der B5 zwischen Itzehoe und Brunsbüttel sowie zwischen Tönning und Husum, die Ortsumgehungen von Hattstedt, Struckum, Breklum und Bredstedt. Auch der Ausbau der Eisenbahnstrecke zwischen Elmshorn und Hamburg und der Bau eines durchgehenden zweiten Gleis von Niebüll bis Westerland seien wichtige Projekte. Der Verbandsgeschäftsführer erinnerte daran, dass bereits seit mehr als 50 Jahren über den Ausbau der Bundesstraße 5 diskutiert werde.

Unter dem Strich zeige sich die norddeutsche Wirtschaft jedoch weiterhin zuversichtlich bei gedämpfteren Erwartungen, lautete das Fazit der Umfrage. Aus ihr geht zugleich hervor, dass im Westen Schleswig-Holsteins die Facharbeiter knapp werden. Danach litten zwei Drittel der rückmeldenden Firmen (66 Prozent) bereits jetzt unter einem Fachkräftemangel, jedes fünfte Unternehmen (20 Prozent) sogar massiv. Die Zahl der Ausbildungsplätze stieg an. In den Betrieben können in diesem Jahr 494 junge Menschen einen Ausbildungsplatz bekommen. Im vergangenen Jahr betrug die Zahl der Lehrstellen 480.

Der Unternehmensverband befragte rund 180 Firmen mit etwa 18 000 Beschäftigten in den Kreisen Dithmarschen, Nordfriesland, Steinburg und Pinneberg sowie der Region Norderstedt.

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