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Untreueverdacht gegen TASH-Chefin

Ermittlungsverfahren Untreueverdacht gegen TASH-Chefin

Die Staatsanwaltschaft hat ein Ermittlungsverfahren gegen die Geschäftsführerin der Tourismus-Agentur Schleswig-Holstein (TASH) wegen Verdachts der Untreue eingeleitet. Es besteht der Verdacht, dass die Geschäftsführerin die Agentur-Kreditkarte nutzte, „um private Ausgaben im unteren vierstelligen Bereich zu begleichen“, teilte die Staatsanwaltschaft mit.

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Die Staatsanwaltschaft hat ein Ermittlungsverfahren gegen Andrea Gastager, Geschäftsführerin der TASH, eingeleitet.

Kiel. Schlimmer Verdacht gegen die Top-Verkäuferin des Urlaubslandes Schleswig-Holstein: Andrea Gastager, Leiterin der Tourismus-Agentur, soll ihre dienstliche Kreditkarte auch privat genutzt haben. Die Staatsanwaltschaft Kiel hat deshalb ein Ermittlungsverfahren gegen die Marketingexpertin (Glückswachstumsgebiet Schleswig-Holstein) wegen des Verdachts der Untreue eingeleitet. Im Zuge einer Durchsuchungsaktion bei der Tash wurden gestern Unterlagen beschlagnahmt.

Die Tash bat am Abend um Verständnis dafür, dass Frau Gastager sich zur Zeit nicht äußere. „Sie ist auf Dienstreise, und zwar auf einem Kongress in Stuttgart“, sagte ein Sprecher. Die Tourismus-Agentur kooperiere mit den Ermittlern, habe alle gewünschten Unterlagen herausgegeben.

Rückendeckung erhielt Gastager vom Vorsitzenden des Tash-Aufsichtsrats, Peter Bartsch. „Es gilt die Unschuldsvermutung“, sagte der Ehrenpräsident des Hotel- und Gaststättenverbandes. Die Vorwurf der Untreue würden „überhaupt nicht“ zu der erfolgreichen Managerin passen. Bartsch hält es für möglich, das Gastager ihre Kreditkarten schlicht verwechselt haben könnte. „Ich habe auch mehrere Kreditkarten und schon mal eine private aus Versehen geschäftlich genutzt.“

Die Staatsanwaltschaft schließt so einen Irrtum offenbar aus und stützt sich dabei auf Unterlagen aus dem Wirtschaftsministerium. Das Ressort überprüft regelmäßig Verwendungsnachweise der vom Land mitfinanzierten Einrichtungen und war über die Kreditkartenabrechnung Gastagers gestolpert. Dem Vernehmen nach soll die Managerin 2014 über ihre Dienstkarte rund 3000 Euro privat ausgegeben haben. Nach Informationen aus dem Landeshaus soll Gastager die strittige Summe aber erstattet haben. Das Ministerium schaltete gleichwohl die Staatsanwaltschaft ein und verwies gestern auf die laufenden Ermittlungen.

Hinter den Kulissen läuft das Krisenmanagement. Bartsch berichtete, dass er heute einen Termin im Wirtschaftsministerium hat und dort das weitere Vorgehen mit dem für die Tash so heiklen Fall besprochen werden soll. „Ich gehe davon aus, dass wir eine außerordentliche Aufsichtsratssitzung einberufen müssen“, sagte Bartsch. Auf dieser Sitzung dürfte sich entscheiden, ob Gastager ihre erfolgreiche Arbeit für das Tourismusland Schleswig-Holstein fortsetzen kann. Im Landeshaus ist man skeptisch. Begründung: Gastagers Image sei beschädigt, auch wenn die Vorwürfe juristisch nicht so schwer wiegen. Vergleichbare Verfahren wurden schon gegen eine Geldstrafe eingestellt.

In der Tourismusbranche hat Gastager bisher einen guten Ruf. Die selbstbewusste Managerin hatte die Geschäfte der Tash im Juni 2014 übernommen, galt damals als Wunschkandidatin der Landesregierung. Zuvor hatte die Touristikfachwirtin aus Bad Reichenhall die Werbetrommel für Lübeck samt Travemünde gerührt. Der Aufstieg zur Werbefee für Schleswig-Holstein wurde Gastager versüßt. Ihr Jahresgehalt wird auf rund 100000 Euro geschätzt.

Seit ihrem Amtsantritt konnte die Tash einige Erfolge feiern. Die Gästezahlen stiegen in Schleswig-Holstein überdurchschnittlich. Aktuell hatte Gastager sich vorgenommen, insbesondere mehr Gäste aus dem Ausland, etwa aus Skandinavien, in den „echten Norden“ zu locken.

Unabhängig davon will die Regierung die Tourismuswerbung neu organisieren. Wie Bartsch berichtete, gibt es „eine Absichtserklärung“ des Landes, die Anteile der mehr als zehn Tash-Gesellschafter und damit die Regie über das millionenschwere Werbegeschäft zu übernehmen. Von dieser Aktion erhofft sich das Land offenbar eine klarere Werbelinie. Hintergrund: Unter den Tash-Eignern gibt es eine natürliche regionale Konkurrenz. Gesellschafter sind unter anderem der Nordsee-Tourismus-Service, der Ostsee-Holstein-Tourismus, die Marketingkooperation Städte Schleswig-Holstein, das Jugendherbergswerk und der Verband der Campingunternehmer in Schleswig-Holstein.

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Ein Artikel von
Ulf B. Christen
Landeshaus-Korrespondent

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