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Kinder oder Karriere?

Väter im Zwiespalt Kinder oder Karriere?

Das Problem der Vereinbarkeit von Familie und Beruf betrifft längst nicht mehr nur Mütter. Vor allem jüngere Arbeitnehmer wollen das Vatersein nicht nur auf das Wochenende beschränken. Eine familienfreundliche und väterorientierte Personalpolitik entwickelt sich daher für Unternehmen immer stärker zum Wettbewerbsvorteil.

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Papa und Businessmann: Der Druck auf Väter wächst, weil sie mehr als der Ernährer der Familie sein wollen. Männer, die sich bei der Betreuung ihrer Kinder engagieren möchten, wünschen sich eine familienfreundliche Unternehmenspolitik.

Quelle: obs/Bugaboo International

Kiel. „Unternehmen, die das Thema vernachlässigen, verlieren als Arbeitgeber an Attraktivität“, sagt Hans Joachim Beckers von der IHK zu Kiel, die gestern zum Thema „Vereinbarkeit von Familie und Beruf – ein Thema auch für Väter“ eingeladen hatte. Beckers betonte, dass sich die Wirtschaft mit Blick auf den Fachkräftemangel auf den Wertewandel einstellen müsse. „Wenn die Betriebe nicht ihr Bewusstsein ändern, werden viele interessante Bewerber an ihnen vorbeigehen.“

 Die Altersgruppe der 20- bis 35-Jährigen möchte sich nicht zwischen Kindern und Beruf entscheiden, sondern beides. „Väter wollen 100 Prozent für ihr Kind da sein und 100 Prozent ein guter Mitarbeiter sein“, sagt Volker Baisch von der Väter gGmbH, einer Beratungsfirma mit Spezialisierung auf väterfreundliche Unternehmenskultur. „Aber 200 Prozent – das kann nicht lange gut gehen.“ Männern fehlten flexible Lösungen im Job, zum Beispiel die Möglichkeit mehr im Homeoffice zu arbeiten.

 Studien zufolge wünschen sich 60 Prozent der Eltern in Deutschland ein Modell, in dem sich beide Partner gleichmäßig die Familien- und Erwerbsarbeit aufteilen. Nur 16 Prozent der Paare setzen das bislang aber um. Denn obwohl sich viele Männer mehr Zeit für ihre Familie wünschen, wollen sie laut einer Forsa-Umfrage trotzdem lieber Vollzeit arbeiten. Grund sei die Furcht vor einem Karriere-Knick: „Teilzeit ist für Männer unattraktiv. Sie wollen nicht auf dem Abstellgleis landen: Keine spannenden Projekte mehr, keine Karriere“, sagt Baisch. Hinzu komme der Druck für den Lebensunterhalt sorgen zu müssen, viele Männer seien nach wie vor die Versorger der Familie. Deswegen sei das von Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) geforderte Recht auf Rückkehr in Vollzeit nach der Babypause ein wichtiger Punkt für Väter.

 Bei ThyssenKrupp Marine Systems (TKMS) und der HSH Nordbank gibt es noch keine Erfahrungswerte, wie sich eine längere Familienauszeit auf die Karriere der männlichen Mitarbeiter auswirkt. „Aber die Angst davor, dass dadurch Nachteile entstehen ist groß“, sagt Christine Tunnat von der TKMS-Personalbetreuung. Mehr als zwei bis drei Monate Elternzeit nähmen sich die Väter bislang selten.

 „Ich glaube, dass Väter das in Zukunft stärker einfordern werden“, so Christine Schulze-Seegert, Work-Life-Balance Expertin der HSH-Nordbank. „Dann müssen sich die Unternehmen bewegen.“ Familienfreundlichkeit müsse in der Unternehmenskultur verankert sein. „Es darf nicht davon abhängen, ob ein wohlgesonnener oder ein rückständiger Vorgesetzter darüber entscheidet, ob ein Vater sich Zeit für die Familie nehmen kann.“

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Ein Artikel von
Anne Holbach
Wirtschaftsredaktion

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