25 ° / 16 ° Regenschauer

Navigation:
Gründer meiden den Norden bislang

„Kiel, be innovative!“ Gründer meiden den Norden bislang

Die Zahlen des aktuellen „Deutschen Start-up-Monitors“ sprechen eine deutliche Sprache: Während sich junge Firmen zunehmend auch außerhalb der Hotspots Berlin oder München ansiedeln, schlagen nur 1,9 Prozent der Gründer ihre Zelte in Schleswig-Holstein auf.

Voriger Artikel
Flixbus: Berlin und Hamburg im 20-Minuten-Takt verbinden
Nächster Artikel
Schul-Ski-Freizeit hätte teuer werden können

Während der Diskussion über das Kieler Gründerökosystem zeichnete Künstlerin Tina Nispel das Gehörte auf auf eine Pinnwand. Diese Technik wird auch als Graphic Recording (visuelle Dokumentation) bezeichnet.

Quelle: Benjamin Diedering

Kiel. Warum der Norden für Start-ups wenig attraktiv zu sein scheint, brachte am Donnerstag eine politische Bestandsaufnahme im Klaus-Murmann-Hörsaal der Uni Kiel zutage: Es fehlen frische Strukturen, um Gründer nachhaltig zu binden.

Zum Auftakt der insgesamt siebenteiligen Vortragsreihe mit dem Titel „Kiel, be innovative!“, die unter anderem vom 2014 gegründeten Zentrum für Entrepreneurship der Uni Kiel, der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit und dem Verein Kiel-Starting-City organisiert wird, kündigte Uni-Vizepräsidentin Karin Schwarz an: „Wir steigen da als Uni in den Ring. Die Idee des Gründer- und Unternehmertums soll hier künftig verstärkt während des Studiums gepflanzt werden.“

Für Christopher Vogt, stellvertretender Vorsitzender der FDP-Landtagsfraktion, ging dieser Ansatz nicht weit genug: „Bereits in den Schulen sollte vermittelt werden, welche Chancen und Risiken das Unternehmertum bietet.“ Schleswig-Holstein habe zwar enormes Potenzial für Gründer, „unsere Wirtschaftspolitik muss da aber mehr Ehrgeiz entwickeln, da ist noch ganz viel Luft nach oben“.

Auch Grüne fordern mehr Möglichkeiten

Das unterstrich auch Rasmus Andresen von den Grünen. Die bestehenden Fördermöglichkeiten für junge Unternehmer sollten auf den Prüfstand, forderte der stellvertretende Fraktionsvorsitzende. „Es müssen auch Ideen gefördert werden, die nicht jedes bisher definierte Kriterium erfüllen.“ Dazu brauche es eine aufgeschlossene politische Kultur, die jungen Gründern mehr Freiräume einräume. Eine bessere „Willkommenskultur“ für Gründer mahnte Johannes Callsen, wirtschaftspolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, an: „Die Rahmenbedingungen für Existenzgründer scheinen nicht zu stimmen.“

Gründe nannte Kai Dolgner, netzpolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion: „Die Bedürfnisse der Gründer haben sich geändert.“ Dabei gehe es nicht nur um finanzielle Förderung, sondern speziell um Orte, wo Start-ups ihre kreativen Ideen austauschen und weiterentwickeln könnten. „Wenn Gründerzentren an Orten wie Hohenwestedt gebaut werden, wo es gar keine Gründer gibt, ist es auch kein Wunder, wenn solche Investitionen ins Leere zielen.“

Bündelung und Vernetzung

Der derzeit „freundlichen Arbeitsmarktlage“ sei es allerdings auch geschuldet, dass viele Hochschulabsolventen einen festen Arbeitsplatz einer risikoreicheren Gründung vorziehen würden, betonte FDP-Mann Vogt. Zudem sei die Zahl der Ansprechpartner für potenzielle Jungunternehmer im Norden zu unübersichtlich: „Das müsste bei einem Dienstleister gebündelt werden.“ Wer Gründer motivieren möchte, im Norden zu bleiben, müsse die Vernetzung vorantreiben: „Entscheidend ist der Geist, der dahintersteht. Und da ist Schleswig-Holstein noch Entwicklungsland.“ Kai Dolgner regte an, verstärkt auf Mentoren und sogenannte Business Angel zu setzen: „Die Gründer wollen von Praktikern beraten werden und daraus lernen. Wer die Chancen und Risiken einer Gründung nicht genau kennt, geht diese oftmals gar nicht ein“, sagte der SPD-Politiker.

Diskussion

Ob das Gründerland USA als Vorbild für Schleswig-Holstein herhalten kann, soll am Donnerstag, 3. November, 18 Uhr, im Audimax der Uni Kiel diskutiert werden. Weitere Infos unter bit.ly/Kielinnovative

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Jan von Schmidt-Phiseldeck
Wirtschaftsredaktion

Veranstaltung in...

Aktuelle
Veranstaltungen
und Tagestipps!

Sagen Sie es uns!

Vorschläge oder Kritik?
Schreiben Sie
der Redaktion!

Anzeige
Mehr aus Nachrichten: Wirtschaft 2/3