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Zuviel Shopping muss nicht sein

Verkaufsoffener Sonntag Zuviel Shopping muss nicht sein

Online einkaufen, das geht sieben Tage die Woche. Ladentüren bleiben dagegen sonntags meist geschlossen. Nun nimmt der Handel einen neuen Anlauf, das zu ändern. Die Forderung nach zehn offenen Sonntagen stößt bei Gewerkschaften und Landesregierung von Schleswig-Holstein auf Kritik. 

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Einkaufen macht Spaß. Mehr offene Sonntage wollen viele im Norden aber gar nicht.

Quelle: Julian Stratenschulte/dpa

Kiel.  Nach dem Willen des Einzelhandels sollen Kunden bundesweit an zehn Sonntagen im Jahr einkaufen können, von 13 bis 18 Uhr, und zwar ohne dass es dafür – anders als bislang – einen besonderen Anlass geben muss. Mit dieser Forderung hat Josef Sanktjohanser, Präsident des Handelsverbandes Deutschland (HDE) einmal mehr die Debatte um den heiligen Sonntag angeheizt.

 Das Grundgesetz spricht eigentlich eine klare Sprache: „Der Sonntag und die staatlich anerkannten Feiertage bleiben als Tage der Arbeitsruhe und der seelischen Erhebung gesetzlich geschützt.“ Doch das, was unter Bezug auf den „Kirchenartikel“ der Weimarer Reichsverfassung von 1919 in unserem Recht so felsenfest verankert scheint, gilt seit Jahren nur noch eingeschränkt. Denn ob und wie oft Geschäfte sonntags öffnen dürfen, entscheiden seit 2006 die Bundesländer. Und die halten es recht unterschiedlich mit dem Shoppen am Sonntag: Die Spanne reicht von vier verkaufsoffenen Sonntagen wie in Schleswig-Holstein bis zu acht in Berlin.

 Nun soll Schluss sein mit dem Flickenteppich: „Notwendig ist eine bundeseinheitliche Regelung, um Standortnachteile zu vermeiden“, fordert Verbandsfunktionär Sanktjohanser. Der stationäre Handel will aber auch länger öffnen, um mit der immer stärker werdenden Online-Konkurrenz mitzuhalten, die ihre Waren rund um die Uhr feil bietet. „Wir wollen unbedingt die Wettbewerbsgleichheit in allen Kanälen haben“, sagte Sanktjohanser am Mittwoch beim Deutschen Handelskongress in Berlin.

 Wie kaum anders zu erwarten, lässt die Arbeitnehmerseite den Handel mit diesem Vorstoß abblitzen: „Als wichtiger Zeitanker für die Beschäftigten und ihre Familien muss der arbeitsfreie Sonntag erhalten bleiben“, sagt Uwe Polkaehn, Vorsitzender des DGB Nord. Der Vorschlag, zehn verkaufsoffene Sonntage ohne Anlass zu gestatten, sei indiskutabel. „Es gibt an sechs Tagen in der Woche genug Zeit, um einzukaufen.“ Vielfach fehlten dazu leider Einkommen und Kaufkraft: „Die Arbeitgeber sollten aufhören, immer nur ungesunde Pläne auf Kosten der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zu machen – schon jetzt muten sie ihnen immer öfter nur Minijobs, Befristungen und Arbeit auf Abruf zu.“ Auch das zuständige Wirtschaftsministerium in Kiel zeigt dem HDE-Mann die kalte Schulter: „Wir haben in Schleswig-Holstein eine sorgfältig mit den Kirchen ausgehandelte Regelung gefunden, die sich aus unserer Sicht bewährt hat“, sagte ein Sprecher. Darum sehe man „keinerlei Nachbesserungsbedarf“. Dahinter steht nach dem mühsamen Kompromiss zur Bäderregelung sicher auch die Angst vor einer Klagewelle. Aus Sicht des Handelsverbandes Nord jedoch geht der Vorstoß des HDE-Präsidenten in die richtige Richtung. Allerdings hält Hauptgeschäftsführer Dierk Böckenholt die Abschaffung der sogenannten Anlassbezogenheit für wichtiger als eine Ausweitung der Anzahl offener Sonntage. Nach geltendem Recht dürfen Händler sonntags nur dann öffnen, wenn es ein Ereignis gibt, das für genügend Publikumsverkehr sorgt.

 Was aber ist so ein Anlass? Bei einem Volksfest wie der Kieler Woche ist die Sache klar. Aber reichen auch die Feier zum Geschäftsjubiläum oder andere Marketingaktionen? Durch zahlreiche Klagen haben die Gewerkschaften nach Angaben Böckenholts etliche verkaufsoffene Sonntage ausgehebelt, und das zum Teil „recht hinterhältig“. Entsprechend groß sei die Verunsicherung vieler Händler.

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Ein Artikel von
Ulrich Metschies
Wirtschaftsredaktion

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