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Vermittlung privater Unterkünfte Im Trend: Wohnraum teilen

Die Wohnung ist hell, modern ausgestattet und mit dezentem Mobiliar eingerichtet. Die Gastgeberin, eine gebürtige Kielerin, ist freundlich und natürlich. Und Neuem aufgeschlossen: Sie nutzt AirBnB, das ist die weltweit größte Plattform zur Vermittlung privater Unterkünfte.

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Sabine Detlefsen nutzt die Onlineplattform AirBnB, um ihre Fremdenzimmer zu vermieten.

Quelle: fFrank Peter

Eckernförde/Kiel. Die Plattform ist eine Erfolgsgeschichte der sogenannten Sharing Economy, die das online vermittelte Teilen zum Prinzip macht. Sabine Wilkens-Detlefsen vermietet seit sechs Jahren die Wohnung im ersten und zweiten Geschoss ihres Hauses an Feriengäste. An AirBnB schätzt sie die Benutzerfreundlichkeit und Seriosität und freut sich über die interessanten internationalen Gäste. Es seien eher junge Leute, die oft reisten und spannende Dinge zu erzählen hätten.

 13 dieser ehemaligen Gäste geben „Sabine“ fünf von fünf Sternen und empfehlen die Wohnung in warmen Worten weiter. Bereits ohne eingeloggt zu sein, sind Fotos und Vornamen der meisten Gäste sichtbar. Per Mausklick gelangt man zu einer Profilansicht, auf der die Gäste wiederum von ihren Gastgebern bewertet werden können.

 Durch Netzwerkbildung, gegenseitige Bewertung und Zahlungsabwicklung über AirBnB soll Gast wie Vermieter hohe Sicherheit garantieren. AirBnB ist – wie andere Sharing Economy-Plattformen – ein riesiges Sammelbecken: vertreten ist alles zwischen idealistischem Weltenbummler und cleverem Geschäftsmenschen.

 Die Plattform selbst wirbt primär dafür, das eigene Zuhause ganz (etwa während eines Urlaubs) oder teilweise zu vermieten – „Millionen von Reisebegeisterten die eigene Wohnung zu präsentieren und so mit ungenutztem Wohnraum Geld zu verdienen“, heißt es in der Selbstdarstellung. AirBnB verdient mit, indem für die Vermittlung Gebühren erhoben werden.

 In Berlin gab es zuletzt hingegen Proteste. „No more Rollkoffer!“ forderten Anwohner, die eine weitere Verknappung des Wohnraumangebots durch kommerzielle AirBnB-Nutzung fürchten. Julian Trautwein, Sprecher von AirBnB für den deutschsprachigen Raum, sieht bei seiner Firma keine Schuld am heißlaufenden Immobilienmarkt: „Die Ferienwohnungen sind nicht das Problem“, sagt er, „das Problem sind vor allem fehlender Neubau sowie Leerstand und Spekulation“.

 15000 Inserate hat sein Portal in Berlin, aber das seien bei weitem nicht alles professionelle Ferienwohnungen. 90 Prozent der Vermieter böten nur eine Wohnung an, 88 Prozent seien nicht mehr als 120 Tage im Jahr vermietet. Fazit einer AirBnB-Studie: „Die zeitweise Vermietung von Wohnungen und Zimmern trägt damit dazu bei, der sozialen Entmischung in besonders begehrten Quartieren entgegenzuwirken.“ Doch die Gäste, die bei AirBnB mieten, sind eben Touristen und nicht Berliner auf der Suche nach Wohnraum. Dem Berliner Mieterverein ist AirBnB schon lange ein Dorn im Auge.

 Stefan Scholtis, Hauptgeschäftsführer des deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (DEHOGA) Schleswig-Holstein, sieht die Politik in der Verantwortung, Graubereiche abzuschaffen, in denen private Vermieter unversteuert Gäste unterbringen: „Niemand freut sich über Konkurrenz – aber sie muss fair im Sinne des Wettbewerbs agieren. Das heißt: Gleiche Grundvoraussetzungen für alle.“

 Nicht alle AirBnB-Reisenden sind durch die oft günstigeren Preise motiviert. Die 58-jährige Petra Paulsen aus Felde schwärmt von ihrem außergewöhnlichen Urlaub in Florida, den sie mit ihrem Sohn auf einer Jacht im Hafen Miamis verbracht hat: „Wir wollten nicht einfach ein Hotel buchen und faul am Strand rumliegen“. Der Vermieter wohnte nebenan in seinem anderen Boot, so seien sie schnell mit allen Nachbarn in Kontakt gekommen. Auch Helmut Knüpp hat AirBnB als Alternative zu „Pauschalreisen“ entdeckt. Der Vorstandsvorsitzende der Wankendorfer Baugenossenschaft wird im Sommer mit seiner Frau nach Florenz reisen und erzählt von der Buchung: „Die Anmeldeprozedur ist extrem anspruchsvoll. Wer zum Beispiel keinen Facebook-Account hat, muss ein Video von sich drehen und zum Profil hochladen.“ Habe man diese Prozedur aber überstanden, biete die Plattform hohe Sicherheit und sehr guten Service: „Der Kontakt zum Vermieter war von Anfang an sehr persönlich, ohne zu persönlich zu werden.“ Er findet das breite Angebot „toll“ und freut sich auf den Sommer.

 Von Mona Kemnitz

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