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Angst vor dem Blackout

Versorgungswirtschaft in Schleswig-Holstein Angst vor dem Blackout

Ausgeschlossen werden konnte ein großräumiger Stromausfall in Schleswig-Holstein noch nie, die Energiewende hat ein solches Szenario sogar noch ein Stück wahrscheinlicher gemacht. Der Wirtschaft und ausgerechnet den schwächsten Teilen der Gesellschaft käme dies teuer zu stehen.

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New York weiß, was ein Blackout bedeutet: Nur wenige Notbeleuchtungen funktionierten in der heißen Sommernacht am 14.7.1977, als ein gigantischer Stromausfall die Lichter in der US-Metropole ausgehen ließ. Zehn Millionen Menschen, hieß es damals, seien betroffen gewesen.

Quelle: dpa

Schwentinental/Kiel. Das – und dass es mit Vorsorge eher mau aussieht – ist das Fazit des 17. Symposiums zur Versorgungswirtschaft in Schleswig-Holstein. Master-Studierende der Technischen Betriebswirtschaftslehre an der Fachhochschule Kiel setzten sich in der Schwentinentaler Vater ESN-Akademie mit Ursachen und Folgen eines Blackouts auseinander und kamen zu wenig beruhigenden Befunden: Auf sage und schreibe 219 Millionen Euro am Tag oder 1,4 Milliarden in der Woche würde sich demnach bei einem flächendeckenden Blackout allein der Produktionsausfall in den schleswig-holsteinischen Betrieben belaufen.

Noch gar nicht mitgerechnet sind weitere Schäden durch Plünderungen oder Vandalismus. Auch im privaten Bereich würde das Malheur betriebswirtschaftlich gerechnet erschreckende Dimensionen erreichen. Die Studierenden aus den Arbeitsgruppen von Prof. Eberhard Hoffmann-Berling kamen auf 889 Millionen Euro in einer Woche ausschließlich durch Mehraufwand. Dabei geht es von Lebensmitteln, die im Kühlschrank verderben, bis zu Goldfischen, die im Aquarium verenden würden.

 Richtig ist zwar der Einwand, dass gleich eine ganze Woche Blackout sehr unwahrscheinlich ist, doch bereits eine Stunde schlägt nach Rechnung der angehenden Betriebswirte mit satten 14 Millionen Euro Schaden in der Wirtschaft zu Buche. Zudem gibt es Industriebetriebe wie zum Beispiel Papierfabriken, wo die allererste Sekunde mal eben 500 000 Euro kostet.

 Noch dramatischer könnten die Konsequenzen im persönlichen Bereich sein. Eine Pflicht, Notstromaggregate zu betreiben, haben nur Krankenhäuser, nicht aber Dialysezentren oder Ärztehäuser. Schon nach wenigen Stunden könnte es deshalb in vielen Fällen um Leben und Tod gehen, befanden die Referenten. Nicht ganz so dramatisch ist es in anderen Bereichen, doch Tankstellen oder Geldautomaten würden in aller Regel ebenfalls unverzüglich ihre Dienste verweigern. Gerhard Brüggemann, Leiter des Referats Feuerwehrwesen und Katastrophenschutz im Kieler Innenministerium, bestätigte die Einschätzungen des FH-Nachwuchses rundweg. Hausaufgaben machen muss auch noch das Land Schleswig-Holstein. Ein Leitfaden zum Thema Stromausfall in Schleswig-Holstein ist derzeit erst in Arbeit und hat noch eine aufwendige Abstimmungsphase vor sich.

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