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Machtkampf um Aldi-Stiftung

Verwaltungsgericht Machtkampf um Aldi-Stiftung

In einem seit Jahren schwelenden Streit um den Einfluss bei der von Berthold Albrecht gegründeten Jakobus-Stiftung haben die Töchter des 2012 verstorbenen Enkels von Aldi-Gründer Karl den Kreis Rendsburg-Eckernförde vor Gericht gezogen. Denn Aldi Nord hat seinen Sitz in Nortorf.

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Aldi Nord hat seinen Sitz in Nortorf.

Quelle: Jan Torben Budde (Archiv)

Schleswig/Nortorf. Manchmal können auch erfahrene Richter noch einiges lernen. „Bis vor wenigen Wochen wussten wir gar nicht, dass Aldi Nord in Nortorf sitzt“, sagt Hartwig Martensen, Präsident des Schleswig-Holsteinischen Verwaltungsgerichts und an diesem Donnerstag als Vorsitzender der sechsten Kammer verantwortlich für gleich drei Verfahren von öffentlichen Interesse: In einem seit Jahren schwelenden Streit um den Einfluss bei der von Berthold Albrecht gegründeten Jakobus-Stiftung haben die Töchter des 2012 verstorbenen Enkels von Aldi-Gründer Karl den Kreis Rendsburg-Eckernförde vor Gericht gezogen.

Dieser hatte Ende 2010 als zuständige Aufsicht eine Satzungsänderung genehmigt, die die Machtverhältnisse im Stiftungsvorstand verschoben hatte: zulasten der Berthold-Kinder und zugunsten des Aldi-Verwaltungsrates sowie des Bruders von Berthold, Theo Albrecht junior. Diese Satzungsänderung hätten die fünf Kinder Bertholds, von denen zwei Töchter als Begünstigte („Destinäre“) auch Vorstandsmitglieder sind, nur allzu gerne aus der Welt.

 Dass Aldi Nord in Nortorf sitzt, ist so nicht ganz richtig. Unternehmerisch geführt wird Aldi Nord mit seinen mehr als 2400 Filialen, gut 28000 Mitarbeitern und zwölf Milliarden Euro Deutschland-Umsatz von 35 Regionalgesellschaften – und von denen hat eine ihren Sitz im Timmasper Weg 28 im 6000-Einwohner-Ort Nortorf. Genau das jedoch ist auch die Adresse der drei Stiftungen, denen das Unternehmensvermögen gehört. Die zentrale Verwaltung ist in Essen beheimatet, dort wo Unternehmensgründer Karl Albrecht senior 1913 mit einem Tante-Emma-Laden den Grundstein für den späteren Erfolg von Aldi legte. Bereits 1961 teilten die beiden Söhne die Aldi-Welt entlang der Ruhr in zwei Reiche: Süd (Karl) und Nord (Theo). Und nur um den Norden geht es in diesem delikaten Rechtsstreit.

 Wie so vieles im Umkreis von Aldi ist auch über die Stiftungen wenig bekannt. Was man weiß, ist, dass Theo Albrecht 1973 – zwei Jahre nach seiner Entführung – die Markus-Stiftung gründet. Ihr Zweck ist, wie es in der Stiftungsdatenbank des Innenministeriums in Kiel heißt, zum einen „Zuwendungen an die Destinäre auszuschütten“, zum anderen „die von den Stiftern aufgebaute Unternehmensgruppe zu erhalten, zu fördern und auszubauen“.

 Bis zum überraschenden Tod von Berthold Albrecht ist die Nortorfer Stiftungswelt bestens geregelt. Schließlich kann er als Vorsitzender auf Lebenszeit in seiner Jakobus-Stiftung Vorstandsmitglieder nach Belieben entlassen und berufen. Doch bereits nach dem Tod von Vater Theo deuteten sich familiäre Konflikte an – auch zwischen Berthold und seinen Kindern. Am 23. Dezember 2010 beschließt der Stiftungsvorstand eine Satzungsänderung, die einem Vertreter des Essener Aldi-Verwaltungsrates sowie dem langjährigen Familienanwalt Emil Huber, Vertrauter von Onkel Theo, den Weg in den Vorstand ebnet. Huber ist für die Berthold-Kinder ein rotes Tuch – auch wegen angeblich hoher finanzieller Forderungen für die Testamentsabwicklung.

 Vom Kreis verlangen die Kinder nun nicht nur Einsicht in Akten der dominierenden Markus-Stiftung, sondern auch, die Genehmigung der Satzungsänderung bei der Jakobus-Stiftung zurückzunehmen. Begründung: Stifter Berthold Albrecht hatte im Dezember 2010 für ein erkranktes Vorstandsmitglied mit unterschrieben. Diese Vertretungsregelung sei unzulässig, so der Anwalt der Berthold-Kinder, Andreas Urban. Ein Urteil will das Gericht heute verkünden. Vieles spricht dafür, dass es für die Erben gut ausgeht. Von denen ist zwar niemand gekommen, doch nach vier Stunden Verhandlung zeigt sich Anwalt Huber kämpferisch: „Wir werden auf keinen Fall aufgeben.“

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Ein Artikel von
Ulrich Metschies
Wirtschaftsredaktion

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Aldi-Familienstreit
In Nortorf ist nicht nur ein Zentrallager von Aldi Nord, hier haben auch alle drei beteiligten Stiftungen ihren Sitz.

Im seit Jahren schwelenden Familienstreit bei Aldi Nord hat das Schleswig-Holsteinische Verwaltungsgericht die Position der fünf Kinder sowie der Witwe des 2012 im Alter von 58 Jahren verstorbenen Berthold Albrecht gegen dessen Bruder Theo klar gestützt.

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