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Kontrolle unter Hochspannung

Mit Video Kontrolle unter Hochspannung

Die Mitarbeiter von SH Netz überprüfen per Hubschrauber eine Woche lang die Stromleitungen auf Schäden. Wir haben Sie mit der Kamera begleitet.

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Die SH-Netz AG macht Sicherheitsüberprüfung der Leitungstrassen via Helikopter: Hochkonzentriert geht Hubschrauberpilot Oliver Schubert (links) auf die Wünsche des Elektronikers Daniel Janke ein.

Quelle: Ulf Dahl

Hartenholm/Kiel. Hochspannung, gleich über mehrere Stunden. Oliver Schubert gönnt sich bei der Zwischenlandung in Kiel eine kurze Zigarettenpause. Dann hebt der 47-Jährige mit dem frisch aufgetankten Hubschrauber wieder ab, dieses Mal in Richtung Rendsburg. Schuberts Auftraggeber, die Schleswig-Holstein Netz (SH Netz), kontrolliert eine Woche lang 309 Kilometer Hochspannungsleitungen auf Schäden – für den langjährigen Berufspiloten und Kieler Stationsleiter des bundesweit agierenden Unternehmens Rotorflug ein herausfordernder Job.

 Schiebewind, Anflugrichtung, Notlandeplätze immer im Blick: Mit 20 Stundenkilometern steuert Schubert den Hubschrauber vom Typ Bell 206 Jet Ranger, der in der Stunde etwa 100 Liter Sprit schluckt, an die 110000-Volt-Leitungen heran. Sechs Meter Abstand, am Leitungsmast dann Schwebeflug. „Maschine und Pilot müssen sich dann kurz ausschütteln, bei diesem Tempo geht das an die Leistungsgrenzen“, sagt Schubert. Normalerweise, sagt Schubert, seien Strommasten für Piloten „natürliche Feinde“. Kaum Zeit bleibt jetzt, etwas zu trinken. Auch deshalb, weil seine Gäste Sonderwünsche haben, was die Perspektive auf die Leitungen angeht.

 Daniel Janke (29) und Marc Wiekhorst (45) sind Elektroniker für Betriebstechnik bei der Schleswig-Holstein Netz. Janke sitzt links neben dem Piloten, dirigiert die Position, um mögliche Schäden gemeinsam mit Kollege Wiekhorst erkennen zu können. „Für uns ist heute gutes Wetter, kaum Wind, milchig weißer Himmel. So lassen sich Schäden gut erkennen“, sagt Wiekhorst. Jeder Mast ist auf einem Din-A4-Blatt verzeichnet. Unregelmäßigkeiten, die beim Sichtflug auffallen, werden dort genau protokolliert. Etwa 120 Masten nehmen sie auf dem Flug zwischen Harksheide und Bad Bramstedt im Süden Schleswig-Holsteins in Augenschein, knapp zweieinhalb Stunden dauert der Flug. Später am Tag geht es erneut weiter, dieses Mal in Richtung Rendsburg.

 Seit fünf Jahren geht Elektroniker Janke einmal im Jahr für eine Woche in die Luft, um per Sichtkontrolle den Zustand der Leitungen und Strommasten zu dokumentieren. „Das prägt sich ein und wirkt sich auf die Sicht der Dinge auch im Privatleben aus“, sagt er. Auf der Fahrt im Urlaub beispielsweise schaut er nicht nur auf die Straße: „Die Masten habe ich immer im Blick.“ Bis auf ein Vogelnest, ein paar defekte Isolatoren und einen kleinen Seilschaden bei Norderstedt ist auf dem Kontrollflug heute alles in Ordnung. Auch der Abstand von Bäumen und Büschen zu den Leitungen ist fast überall gewahrt, beobachtet er. Anstrengend sei es zwar schon, über Stunden den Blick nur auf Stromleitungen und die bis zu 80 Meter hohen Masten zu richten. „Es gibt aber schlimmere Tätigkeiten“, sagt Janke mit einem Augenzwinkern. Auch, weil immer wieder Rehe die Flugstrecke säumen.

 Als Grund für die Kontrollflüge – alle Hochspannungsleitungen werden in einem Turnus von vier Jahren so überprüft – gibt Schleswig-Holstein Netz die hohe Effektivität dieser Methode an, mit der die Versorgungssicherheit gewährleistet werden soll. „Es müssen keine Leitungen abgeschaltet werden, der Zeitaufwand einer Einzelbesteigung der Masten wäre viel höher“, sagt SH-Netz-Pressereferentin Christine Pinnow, ohne allerdings die Kosten für die Miete des Hubschraubers zu beziffern. Günstiger ist jedenfalls der Einsatz von Fotodrohnen, die seit diesem Jahr mögliche Schäden bei Umspannwerken dokumentieren sollen.

 Bis zum Einbruch der Dunkelheit fliegt Schubert an diesem Tag noch die Hochspannungsstrecke zwischen Kiel in Richtung Rendsburg ab. Nach der Landung gegen frühen Abend gönnt er sich dann noch auf dem Parkplatz vor dem Flughafen Kiel eine Zigarette. Verdiente Entspannung nach einem langen Tag unter Hochspannung, auch für einen Piloten mit 5500 Flugstunden.

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Ein Artikel von
Jan von Schmidt-Phiseldeck
Wirtschaftsredaktion

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