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Voith baut keine Loks mehr in Kiel

90 Stellen fallen weg Voith baut keine Loks mehr in Kiel

Nun ist es sicher: Der Voith-Konzern wird den Bau von Diesellokomotiven in Kiel einstellen und das Werk am Nord-Ostsee-Kanal nur noch als Service-Standort betreiben. Das teilte das Unternehmen am Montag mit. Von den derzeit 210 fest angestellten Mitarbeitern können damit höchstens noch 120 weiter beschäftigt werden.

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210 Mitarbeiter sind hier noch beschäftigt: das Voith-Lokomotivenwerk im Kieler Nordhafen.

Quelle: FB (Archiv)

Kiel. In der Hochphase waren in dem Werk inklusive Leihkräften knapp 400 Mitarbeiter beschäftigt worden. Doch der Auftrag der Deutschen Bahn, die 130 Loks in Kiel bestellt hatte, ist inzwischen weitgehend abgearbeitet. Und neue Aufträge gibt es nicht, auch weil die Kieler Lokbauer sich schon seit Monaten nicht mehr um Neuaufträge bemühen dürfen.

Die Geschäftsführung des Familienkonzerns (43000 Mitarbeiter) informierte am Montag den Voith-Wirtschaftsausschuss über den Beschluss, „die Gespräche mit Interessenten für die Übernahme der Lokfertigung nicht fortzusetzen“, wie es in einer Mitteilung heißt. Die Verhandlungen hätten „nicht zu einem befriedigenden Fortführungsszenario, insbesondere im Hinblick auf die Sicherstellung bestehender Kundenverpflichtungen geführt“, begründete Voith den Schritt. Der Kieler Betriebsrat wurde nach der Sitzung über die Entscheidung informiert. Vor fast zwei Jahren hatte Voith erstmals angekündigt, dass in Kiel einschneidende Veränderungen geplant sind. Seither wurden die Optionen Verkauf, Schließung oder Umbau als Service-Standort geprüft. Bei Voith hatten sich mehrere ernsthafte Kaufinteressenten gemeldet. Auch über eine Kooperation mit Vossloh Locomotives (Kiel-Friedrichsort) war spekuliert worden. Voith war erst vor rund zehn Jahren durch den Aufbau des Kieler Werkes in den Lokbau eingestiegen.

Zuletzt war nach Informationen von KN-online nur noch ein Interessent im Rennen: der US-Finanzinvestor One Equity Partners (OEP), der frühere Eigentümer der Kieler Werft HDW. OEP soll sehr großes Interesse an einer Übernahme des Werkes haben. Zusammen mit einem russischen Partner, dem Metallbaukonzern ZMK, der auch Loks und Eisenbahnwaggons herstellt, wollten die Amerikaner in Kiel neue Loktypen entwickeln und zum Teil auch bauen lassen. OEP wollte in den kommenden Tagen ein verbindliches Angebot abgeben.

„Die Mitarbeiter sind vor den Kopf geschlagen und hochgradig enttäuscht“, berichtete Lena Lehmann von der IG Metall Kiel/Neumünster. Es stelle sich zudem die Frage nach der langfristigen Zukunftsperspektive des Standortes. Die Gewerkschaft werde nun zusammen mit dem Betriebsrat das Konzept von Voith bewerten. Für die Mitarbeiter, die das Unternehmen verlassen müssten, wolle man „die größtmögliche Absicherung erreichen“. Am Dienstag soll es eine Information der Belegschaft geben.

Lesen Sie hierzu auch den Kommentar von Jörn Genoux

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Fast zwei Jahre lang wussten die Voith-Mitarbeiter in Kiel nicht, wie es nach dem Auslaufen des Auftrags für die Deutsche Bahn weitergehen würde. Jetzt endlich, kurz bevor die letzte der 130 DB-Loks das Werk verlässt, herrscht zumindest ein wenig mehr Klarheit. Voith sieht Kiel nur noch als Service- und Wartungsstandort und will selbst keine neuen Diesellokomotiven mehr entwickeln und bauen.

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