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Neue Ära für den Lokbau in Kiel

Vossloh Neue Ära für den Lokbau in Kiel

Wenn für ein Unternehmen tiefgreifende Veränderungen anstehen, dann ist es gut, wenn die Basis stimmt und das Geschäft rund läuft. Und das ist beim Kieler Lokbauer Vossoloh Locomotives – der bereits einige Durststrecken erleben musste – ganz klar der Fall.

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Lokfabrik der Zukunft: Mehr als 30 Millionen Euro investiert das französische Immobilienunternehmen Stargime in das neue Werk in Kiel-Suchsdorf, das Ende November an den Mieter Vossloh übergeben werden soll. Der Kieler Lokbauer investiert noch einmal knapp zehn Millionen Euro in den neuen Standort. Bis zu 45 Lokomotiven sollen pro Jahr die Halle verlassen. Durch die Optimierung der Bauabläufe und ein neues Plattformkonzept soll die Bauzeit für eine Lok von heute 18 auf neun Monate reduziert werd

Quelle: Vossloh

Kiel. „Unsere Auftragsbücher sind erfreulich gut gefüllt. Jetzt haben wir das Polster, das wir uns so lange gewünscht haben“, sagt Geschäftsführer Thomas Schwichtenberg.

Zahl der Mitarbeiter und Auszubildenden wächst

Bis 2019 sei die Grundauslastung durch den im Sommer gemeldeten Großauftrag aus Frankreich gesichert. Seitdem sind noch eine ganze Reihe von Bestellungen mittelgroßer Kunden hereingekommen – von einem „positiven Sog-Effekt“ spricht Schwichtenberg. Die Branchenleitmesse Innotrans im September in Berlin sei für das Unternehmen ein „voller Erfolg“ gewesen. Entsprechend gut sind die Beschäftigungsperspektiven: Die Zahl der Mitarbeiter in Kiel soll im kommenden Jahr von rund 340 auf fast 360 erhöht, die Zahl der Auszubildenden nahezu verdoppelt werden.

Zwei Weichenstellungen sind es vor allem, die die Kieler Lokbauer vor sich haben. Da ist zum einen der Umzug vom traditionsreichen aber wenig effizienten historischen Firmensitz in Friedrichsort in das hochmoderne neue Werk im Kieler Stadtteil Suchsdorf, dessen Übergabe Ende November nach Angaben Schwichtenbergs nichts im Weges steht. Nach der Abnahme des Gebäudes wird Ende Januar mit dem Einbau von neuer Lackieranlage, Schweißroboter und automatisiertem Lager begonnen. Abgeschlossen sein soll der XXL-Umzug bis zum Sommer. Insgesamt gut 40 Millionen Euro kostet das neue Werk, mehr als 30 Millionen Euro investiert das französische Immobilienunternehmen Stargime, knapp zehn Millionen nimmt Vossloh selber in die Hand. Viel Geld, doch die Summe relativiert sich, wenn man bedenkt, dass das Unternehmen am neuen Standort alleine bis zu drei Millionen Euro Energiekosten im Jahr einspart.

Auch ein Verkauf steht an

Die andere Weichenstellung ist der im kommenden Jahr anstehende Verkauf des Kieler Lokomotivbaus. Wie berichtet, will sich die Muttergesellschaft Vossloh AG mit Sitz im westfälischen Werdohl ganz auf das Geschäft mit Bahninfrastruktur konzentrieren und den Bereich Transportation, zu dem auch der Lokbau gehört, bis Ende kommenden Jahres verkaufen. Schwichtenberg bereitet dieser Schritt keinerlei Sorge. Angesprochen auf die Sicherheit der Arbeitsplätze und die Perspektive für den Standort Kiel verweist der Geschäftsführer auf eine Aussage von Vossloh-Finanzchef Oliver Schuster, der in einem Interview der „Börsenzeitung“ versichert hatte: „Wir werden Kiel nicht an irgendeinen Finanzinvestor verkaufen, der das Unternehmen zerschlägt, die Produktion schließt und dann die Patente verkauft. Das ist mit uns nicht zu machen.“ Das ehemalige Kieler Schwesterwerk in Valencia hatte Vossloh Anfang des Jahres an Stadler Rail verkauft, einen familiengeführten Zugbauer mit Sitz in der Schweiz.

Insgesamt 44 dieselelektrische Loks des Typs „DE 18“ hatte die französische Leasinggesellschaft Akiem im Sommer bei Vossloh bestellt. Auftragsvolumen: rund 140 Millionen Euro. Die Fertigung soll im Herbst 2017 am neuen Standort starten. Zum Vergleich: Bezogen auf alle Loktypen kalkuliert Vossloh im neuen Werk mit einer Jahreskapazität von bis zu 45 Lokomotiven. „Wir werden uns aber auf keinen Fall auf dem Erfolg in Frankreich ausruhen“, betont Schwichtenberg. Vossloh werde sich mit Hochdruck auf allen europäischen Kernmärkten um Aufträge bemühen. Besonders intensiv betreibt das Unternehmen derzeit jedoch den Ausbau des am Standort Moers gebündelten Service-Geschäfts, das aktuell ein Drittel des Umsatzes erwirtschaftet, langfristig jedoch die Hälfte beisteuern soll. Auf dem derzeit dynamischsten Markt Frankreich ist Vossloh seit 2015 mit einer Servicegesellschaft vertreten, aktuell baut das Unternehmen eine Service-Tochter in Italien auf. Rechnet man alle Standorte zusammen, beschäftigt Vossloh aktuell rund 400 Mitarbeiter, bis Ende 2017 könnten es 480 sein.

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Ein Artikel von
Ulrich Metschies
Wirtschaftsredaktion

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