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Flensburgs Flieger heben ab

Wasserflugzeug Flensburgs Flieger heben ab

Wenn Wasserflugzeuge in Deutschland zur Landung ansetzen, hat das Seltenheitswert. Nur gut eine Handvoll „Wasserpisten“ sind dafür zugelassen. Auf der Flensburger Förde gehören die Flugmanöver zur Gewohnheit: Zwei Firmen nutzen die weiß-blau-gelbe Wasserflug-Cessna für Rundflüge und die Flugausbildung.

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Kann zu Lande und zu Wasser landen: die weiß-blau-gelbe Wasserflug-Cessna, mit der gleich zwei Firmen arbeiten.

Quelle: Joachim Welding

Flensburg. Man kennt die tollkühnen Piloten von Wasserflugzeugen aus amerikanischen Spielfilmen, wie sie in einsamen Gegenden zwischen bewaldeten Berghängen auf einem tiefblauen See zum Wassern ansetzen. Die Gischt spritzt dann hinterm Flieger auf, und die Sonne spiegelt sich auf den Tragflächen. „Die Wasserfliegerei ist der Inbegriff der fliegerischen Freiheit und Unabhängigkeit – für viele Flieger ein Traum“, sagt Luis Pitacas, Fluglehrer und Mitinhaber der Flugschule Baltic Seaplane. „Der Pilot kann im Prinzip überall landen, wo er will, denn er ist ja nicht auf einen Flugplatz angewiesen.“

 Dass die Freiheit über den Wolken und auf dem Wasser praktisch grenzenlos sei, gilt zwar in vielen Regionen der Erde – etwa in Dänemark – nicht jedoch in Deutschland. Hierzulande sind nur wenige Landeplätze auf dem Wasser zugelassen, und dazu gehört neben der Mecklenburger Seenplatte die Flensburger Förde. Für einen Liebhaber dieser besonderen Fliegerei war es ein Glücksfall, dass Pitacas mit drei anderen Fluglehrern im vergangenen Jahr die wohl einzige Wasserflugschule Deutschlands in Flensburg gründen konnte.

 Dazu haben sie sich für einen sechsstelligen Euro-Betrag eine Cessna 172 in Irland gekauft, die beide Welten vereint: Sie verfügt über Schwimmer, so dass sie wassern kann. „Gleichzeitig versteckt sich darin ein hydraulisch versenkbares Fahrwerk, so dass wir auch auf Flugplätzen wie in Flensburg-Schäferhof landen können“, berichtet der 53-Jährige. Das sei gut, wenn es zu stark stürmt und natürlich für die Überwinterung in einem Hangar. „Wir haben die Flugschule mit viel Enthusiasmus aufgebaut, denn nicht nur deutsche Piloten wollen die spezielle Lizenz SEP-Sea erwerben, sondern auch Flieger aus Dänemark, England, Holland und vielen anderen Ländern – sogar aus Island kommen sie.“

Wasserrundflüge und besondere Arrangements

 Und weil sich auch viele Nichtflieger begeistern lassen, kooperiert die Flugschule mit einem zweiten Flensburger Start-up-Unternehmen: Fly & Sail. „Wir bieten Wasserrundflüge und besondere Arrangements an“, erzählt Malte Schmidt, der seine Flugzeugstation in Sichtweite zur Wasserhäusersiedlung Flensburg-Sonwik betreibt. Hier macht nicht nur die Cessna fest: Auch ein Bootsverleih gehört zum Unternehmen des Hobby-Surfers und -Fliegers.

 Brautleute, Konfirmanden und Geburtstagskinder gehören zu den flugbegeisterten Kunden, aber auch der Junggesellenabschied dient oft als Anlass für einen Wasserflug, berichtet Schmidt. „Kürzlich haben wir ein frisch verheiratetes Ehepaar direkt am Strand von Aero mit der Cessna abgeholt und nach Flensburg geflogen, wo die Eltern des Paares schon gewartet haben. Die anderen Gäste kamen mit dem Landflieger nach – das haben wir alles nach Wunsch so arrangiert.“ Der Klassiker ist allerdings ein halbstündiger Rundflug über Förde und Geltinger Bucht ab 159 Euro (zwei Passagiere 295 Euro). „So mancher möchte außerdem mal über sein Haus fliegen, was wir natürlich gerne einrichten“, sagt Schmidt.

 Für die älteren Flensburger gehört die Wasserfliegerei zur Geschichte der Stadt dazu: Schon ab 1917 startete die erste Flugschule auf der Förde. Der berühmte Flugzeugkonstrukteur Claude Dornier empfahl der Kaiserlichen Marine, diesen Standort wegen der idealen Lage: Piloten können hier bis heute unter allen Wind- und Wetterbedingungen optimal geschult werden. In den 1930er Jahren landeten die mächtigsten Maschinen auf der Förde wie die legendäre, zwölfmotorige Do X. Erst nach 1945 endete die Wasserflug-Ära in Flensburg. 2006 nahm die Clipper Aviation die Tradition mit einer Flugschule und Rundflügen für einige Jahre wieder auf.

 Einer ihrer Piloten, Luis Pitacas, gehört nun zum Geschäftsführerteam der neu gegründeten Baltic Seaplane. Was ihn besonders reizt? „Fliegerische Freiheit in Verbindung zum Wassersport, Inselhopping in der dänischen Südsee, Beobachtungen der Natur wie Schweinswale in der Förde – da sind schon einige unvergessliche Erlebnisse dabei.“

 Von Joachim Welding

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