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Windbranche fühlt sich wohl in Kiel

Wind Energy Hamburg Windbranche fühlt sich wohl in Kiel

Die Wind Energy Hamburg ist für Unternehmen der Branche ein absolutes Muss. Vier Kieler Unternehmen haben jetzt Bilanz gezogen: Trotz mancher Unsicherheit, die die Branche speziell in Schleswig Holstein belastet, ist die Zufriedenheit groß.

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Der Kostendruck auf die Anlagenbauer wächst.

Quelle: Carsten Rehder/dpa

Kiel. Mehr als 1200 Aussteller, neun Messehallen mit über 65000 Quadratmetern Ausstellungsfläche: Mehr als 80 Anbieter aus Schleswig Holstein waren in diesem Jahr dabei, ein Viertel davon auf dem SH-Gemeinschaftsstand. „Diese Messe ist Pflicht für uns“, sagt Steffen Müller. Dabei sind es weniger konkrete Geschäftsabschlüsse, die der Geschäftsführer der Knierim Tooling GmbH zum Maßstab des Erfolges macht. Entscheidender sind die vielen Gespräche über Richtungen und Trends in der Branche: „Da geht es auch mal um ungelegte Eier.“ Als Hersteller sogenannter Ur-Modelle für die Rotorblattfertigung verzeichnet Knierim seit Jahren ein stetig leicht wachsendes Geschäft. Bis zu 30 der insgesamt 52 Mitarbeiter der Gruppe werden in der Windkraftsparte eingesetzt. Während mancher Projekt-Entwickler unter dem Kostendruck des novellierten Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) leidet, erwartet Müller dadurch eine Belebung des Geschäftes: „Das Innovationstempo wird sich erhöhen, und davon werden wir profitieren.“

IT-Entwicklungen werden wichtiger

Mehr als zufrieden ist auch Rolf Richter, Geschäftsführer des Kieler IT-Unternehmens Aurelo: „Bislang ging es in der Branche vor allem um technische Entwicklungen. Nun wird das Thema Software immer wichtiger.“ Das im Kieler Wissenschaftspark ansässige Unternehmen ist nach eigenen Angaben bundesweit einziger Anbieter einer von Microsoft zertifizierten Software für das komplette kaufmännische Windparkmanagement – von der ersten Planung bis zum Betrieb. Weil das neue EEG alle Projektentwickler und Betreiber zu einer deutlichen Effizienzsteigerung zwingt, erwartet auch Aurelo einen Wachstumsschub. Bislang gab es bei der Software einen Flickenteppich. Richter: „Eine Software aus einem Guss, speziell auf die Belange der Erneuerbaren zugeschnitten, sorgt für mehr Transparenz und Wirtschaftlichkeit.“ Aktuell beschäftigt Aurelo zehn Mitarbeiter, weitere Einstellungen sind geplant.

Bereits zum zweiten Mal zeigte sich der Projektentwickler Ebert Erneuerbare Energien auf der Hamburger Messe. „Das Ergebnis war außerordentlich positiv“, sagt Geschäftsführer Tim Ebert. Seit 2004 steht die Umsetzung von Windenergieprojekten im Fokus der Unternehmensgruppe. Mehr als 100 Anlagen mit einer Gesamtleistung von 260 Megawatt produzieren jährlich bis zu 500 Millionen Kilowattstunden Strom. Doch die Situation in Schleswig-Holstein mit dem von der Landesregierung verhängten Genehmigungsmoratorium bereitet Ebert Kopfschmerzen: „Wir können derzeit keine Anlagen in Schleswig-Holstein errichten, sondern müssen uns leider auf andere Bundesländer konzentrieren.“ Auch Florian Dethloff, kaufmännischer Leiter des Kieler Projektentwicklers Getproject, sieht die Zukunft der Branche nicht ungetrübt: „Das neue EEG mit der Verpflichtung zur Ausschreibung könnte in Teilen zu einer Remonopolisierung der Energieerzeugung führen.“

Standort Kiel ist gefragt

Um den Standort Kiel ist der Branche jedoch nicht bange. Wie seine Kollegen lobt Thomas Hein vom Technik-Spezialisten Schneider Electric neben der Marktnähe vor allem den Austausch mit den Hochschulen vor Ort. Aus Sicht von Werner Kässens, Geschäftsführer der Kieler Wirtschafts- und Strukurentwicklungsgesellschaft KiWi sind die Erneuerbaren für Kiel eine Zukunftsbranche. Mit insgesamt 8500 Beschäftigten ist ihr Anteil an den Industriearbeitsplätzen (7,2 Prozent) höher als im Bundes- und auch im Landesschnitt. Und: Mit rund 3,1 Milliarden Euro erwirtschaftet die Branche rund 17 Prozent des Kieler Industrieumsatzes. Kässens: „Das ist schon längst keine Nische mehr.“

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Ein Artikel von
Ulrich Metschies
Wirtschaftsredaktion

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