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Prokon gibt wieder Anleihe aus

Windkraft Prokon gibt wieder Anleihe aus

Es geht um einen Riesenbatzen Geld, um einen Neuanfang und den Weg in unternehmerische Normalität: Der nach einer Mega-Pleite neu aufgestellte Windparkbetreiber Prokon hat mit der Ausgabe einer 15-jährigen Unternehmensanleihe an seine ehemaligen Genussrechteinhaber begonnen.

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Die Firmenpleite von Prokon 2014 war eine der größten der deutschen Unternehmensgeschichte.

Quelle: Julian Stratenschulte/dpa

Itzehoe. Die mit 3,5 Prozent pro Jahr verzinste Anleihe mit einem Gesamtvolumen von 500 Millionen Euro dient dazu, Verluste der früheren Genussrechteinhaber zu kompensieren, die sich nach der Insolvenz nicht zur Umwandlung ihrer Ansprüche in Anteile an der neu gegründeten Genossenschaft entschieden haben. Das betrifft 63.000 Gläubiger. Die Erwerbsfrist läuft bis zum 21. Juni, teilte das Unternehmen am Donnerstag in Itzehoe mit.

Die Betroffenen können innerhalb der Frist entscheiden, ob sie die Anleihe als Gegenleistung für ihre Forderungen erhalten wollen. Bezahlen müssen sie nichts. Als Sicherheit dienen große Teile der Prokon-Windparks. Die Teile der Anleihe, die nicht von ehemaligen Genussrechteinhabern übernommen werden, will Prokon über Börsen etwa an institutionelle Anleger verkaufen.

Prokon war Anfang 2014 in die Insolvenz gerutscht. Weil das Unternehmen sich durch den Verkauf von Genussrechten im Wert von 1,4 Milliarden Euro auf dem grauen Kapitalmarkt finanziert hatte, gerieten rund 75.000 private Anleger in den Strudel der Pleite. Als Reaktion auf den viel beachteten Fall wurden sogar die Anlegerschutzgesetze verschärft.

Nach rund eineinhalbjährigem Insolvenzverfahren stellte sich Prokon im Juli vorigen Jahres mit dem Segen der Gläubiger als Genossenschaft neu auf. Die Ausgabe der Anleihe an die Gläubiger, die sich nicht in die neue Gesellschaft einbringen wollten, gehörte ebenfalls zu dem im Zuge dieser grundlegenden Neuaufstellung beschlossenen Maßnahmen.

„Wir haben in den vergangenen Monaten wichtige Schritte in der operativen und finanziellen Restrukturierung erfolgreich umgesetzt, und das Unternehmen hat eine solide Eigenkapitalbasis“, erklärte Prokon-Vorstandsmitglied Henning von Stechow. Für das laufende Jahr erwartet Prokon einen Umsatz von 105 bis 115 Millionen Euro und ein positives Vorsteuerergebnis. Die neue Prokon ist in drei Geschäftsfeldern tätig: Dem Betrieb bestehender und der Projektierung neuer Windparks sowie dem Stromhandel.

Heute hat Prokon knapp 40.000 Mitglieder, betreibt 57 kleinere Windparks mit 328 Windkraftwerken und beliefert rund 34.000 Endkunden mit Strom. Für das Kalenderjahr 2015 meldete Prokon einen Vorsteuergewinn von rund 66 Millionen Euro. „Unsere Produktpipeline ist gut gefüllt“, so der Vorstand. Bereits im Bau sei das bislang größte Prokon-Projekt, der Windpark Gagel in Sachsen-Anhalt mit 16 Windkraftanlagen und einer Leistung von 48 Megawatt.

Von Ulrich Metschies und Sebastian Bronst

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Ulrich Metschies
Wirtschaftsredaktion

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Die Mehrheit der Anleger entschied sich im Juli 2015 für die Umwandlung des Unternehmens in eine Genossenschaft.

Die spektakuläre Insolvenz des Windenergie-Unternehmens Prokon hat Hunderte von Millionen Euro gekostet. In einem bescheideneren Rahmen setzt das Unternehmen als Genossenschaft nun nach eigenen Angaben auf solide und werthaltige Geschäfte.

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