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Boom in Deutschland?

Kiel Economics Boom in Deutschland?

Die deutsche Wirtschaft wächst. Darüber sind sich Ökonomen einig. Doch das Wachstum ist sehr viel stärker als Bundesregierung, Forschungsinstitute und Statistisches Bundesamt behaupten, sagen die Experten von Kiel Economics. Die Leistung der Wirtschaft werde seit Jahren systematisch unterschätzt.

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Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hellt sich weiter auf: Bauarbeiter bei Schweißarbeiten in der Hamburger S-Bahn.

Quelle: dpa

Kiel. Die Konjunktur „zieht wieder“ an, teilte beispielsweise das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) vergangene Woche mit. Die IfW-Prognose-Spezialisten um Stefan Kooths gehen von Wachstumsraten von 1,7 Prozent im kommenden Jahr und 1,9 Prozent im Jahr 2016 aus. Für 2014 sagen sie 1,5 Prozent voraus.

Doch damit liegen sie für Carsten-Patrick Meier kräftig daneben. Der Geschäftsführer und Inhaber von Kiel Economics, der von 1998 bis 2008 selbst Forschungsgruppenleiter am IfW gewesen ist, spricht von einem „Boom“ in Deutschland, mit Wachstumsraten von 3,0 Prozent in diesem, 2,5 Prozent im kommenden Jahr und sogar 3,8 Prozent im Jahr 2016. „Die deutsche Wirtschaft befindet sich zum Jahresende 2014 mitten in einem äußerst kraftvollen Aufschwung“, schreiben Meier und sein Kollege Peter Hennecke in ihrer aktuellen Prognose.

 Die Schwächephase des Sommers sei überwunden, die Konjunktur in Deutschland, aber auch im übrigen Euroraum dürfte nun merklich an Schwung gewinnen. Und das hat, wenn es so kommt, Folgen – unter anderem auf dem Arbeitsmarkt: „Die Beschäftigung wird weiter deutlich zunehmen und die Arbeitslosigkeit erstmals seit 1980 wieder unter die Marke von fünf Prozent fallen“, sagen Meier und sein Team voraus. Parallel dazu werde sich der Lohnanstieg, begünstigt durch die Einführung des flächendeckenden Mindestlohns, deutlich beschleunigen.

 Die Experten von Kiel Economics, die zusammen mit dem Forschungsinstitut in Halle an der Gemeinschaftsdiagnose für die Bundesregierung beteiligt sind, weisen schon seit längerer Zeit darauf hin, dass die offizielle Statistik ihrer Meinung nach zu niedrige Wachstumswerte ermittelt. Und, so schreiben sie in der aktuellen Prognose: „Das Ausmaß der Unterschätzung hat merklich zugenommen.“ Sie verweisen darauf, dass die vorläufigen amtlichen Daten der Statistiker „die Dynamik unterzeichnen“ und dass daher das Bundesamt regelmäßig Wachstumswerte nach oben korrigiert. So habe das Statistische Bundesamt die Anstiegsraten des Bruttoinlandsprodukts (BIP) für 2010 und 2011 („wie von uns vorhergesagt“) spürbar nach oben revidiert. Für 2012 und 2013 sei die Problematik grundsätzlich ähnlich gelagert. Nach Berechnungen von Kiel Economics hat das BIP in beiden Jahren nämlich nicht – wie amtlich ausgewiesen – stagniert, sondern ist um immerhin rund zwei Prozent angestiegen.

 Hinter der Frage nach den BIP-Wachstumsraten steht nicht nur ein akademischer Streit um Zahlen: Das BIP ist eine wichtige Planungsgröße für die Politik. Und in einer Boomphase müsste die Bundesregierung eigentlich auf die Konjunkturbremse treten.

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