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China-Krise trifft deutsche Reeder

Wirtschaft China-Krise trifft deutsche Reeder

Die Folgen der Finanzkrise trafen die Schifffahrt ganz besonders. Und die Branche steckt auch nach sieben Jahren weiter tief in der Krise. Nach den Containerreedern trifft es nun offenbar die sogenannten Bulker, also das Segment Massengut (Kohle, Erz, Getreide, Düngemittel).

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Der sogenannte Bulkmarkt (Bulk=Massengut) bricht ein. Besonders für große Massengutfrachter gibt es keine lukrativen Frachtraten mehr.

Quelle: Frank Behling

Niebüll/Hamburg. Die Reeder leiden massiv unter dem Einbruch der Konjunktur in China, es gibt bereits erste Insolvenzen. So wurde jetzt gleich über acht sogenannte Ein-Schiff-Gesellschaften mit Sitz in Niebüll wegen Zahlungsunfähigkeit das Insolvenzverfahren eröffnet: die „Frederike Selmer“, die „Klara Selmer“, die „Anni Selmer“ und fünf weitere Selmer-Schiffe, jeweils 292 Meter oder 190 Meter lang, alle gebaut und in Dienst gestellt in den Jahren 2009 bis 2012. Und auch die Wehr Bulkcarriers GmbH in Niebüll, die vier Schiffe betreibt, befindet sich in der Insolvenz. Als persönlich haftende Gesellschafterin für alle neun Unternehmen ist die EWB Verwaltungs GmbH (Niebüll) eingetragen. Die Schiffe sind allesamt im Dienst der Hamburger Reederei Oskar Wehr, die insgesamt 13 Bulker und 13 Containerschiffe im Einsatz hat. Es handelt sich in allen Fällen um sogenannte Insolvenzen in Eigenverwaltung. Das heißt, das Unternehmen darf die Geschäfte weiterführen, steht allerdings unter der Aufsicht eines „Sachwalters“. Gerichte lassen diese Form der Insolvenz zu, wenn gute Chancen auf eine Sanierung von Unternehmen bestehen.

Ein Konzept läge schon vor

„Das anhaltend niedrige Preisniveau auf dem globalen Chartermarkt verlangt nach unternehmerischen Lösungen, die den Bestand unserer Flotte dauerhaft sichern“, erklärte Thomas Wehr, Geschäftsführer der Reederei Oskar Wehr, auf Anfrage. Daher habe man für die neun Gesellschaften das entsprechende Schutzschirmverfahren beantragt. Ziel sei es, die Schiffe künftig in einem neuen gesellschaftsrechtlichen Rahmen zu betreiben. „Wichtig dabei ist, dass die technische Bereederung und die kaufmännische Vermarktung der Schiffe unverändert durch die Reederei Wehr erfolgen wird“, so der Geschäftsführer. Detaillierte Konzepte dafür lägen bei Gericht schon vor. Die Reederei sei überzeugt, die Bulkflotte wieder „auf solide Beine“ stellen zu können, um das anhaltend niedrige Niveau im Chartermarkt abfedern zu können“. Die Zukunft der Schiffe sei „solide finanziert“ und ihr Betrieb werde ohne Einschränkung oder Unterbrechung fortgesetzt. Die Schiffe sind in Asien im Einsatz. „Wir sind optimistisch, im weltweit umkämpften Bulkcarrier-Markt nicht nur bestehen, sondern auch wachsen zu können.“

Die 1945 gegründete Reederei Wehr ist kein Einzelfall. „Die Bulk-Schiffahrt liegt am Boden“, stellen Experten der HSH Nordbank fest. Angesichts eines Überangebots an Schiffen und niedriger Transportpreise sei es den Reedereien „kaum möglich, Verluste zu vermeiden“. Die Hauptursache dafür sei „die sich verlangsamende Nachfrage Chinas nach Eisenerz und Kohle durch das abnehmende Wirtschaftswachstum und die Reduzierung industrieller Überkapazitäten wie in der Stahlindustrie“. Zudem greife China stärker auf heimische Erz- und Kohlevorkommen zurück.

Lage bleibt angespannt

Die Frachtraten (Preise für den Gütertransport) und die Charterraten (die Miete, die der Reeder an den Eigentümer des Schiffes zahlt) sind „weiterhin nicht auskömmlich“, so fasst es Alfred Hartmann, Präsident des Verbandes Deutscher Reeder (Hamburg) zusammen. Hartmann spricht von einem „brutalen Wettbewerb und Kostendruck“, unter dem die deutschen Reeder stehen. Und trotz dieser mehr als angespannten Lage wächst die Welthandelsflotte weiter, der Druck dürfte sich also weiter verstärken. Und Hartmann stellt nüchtern fest: „Die Lage der deutschen Seeschifffahrt bleibt angespannt.“ Das gilt ganz besonders für Containerschiffe und Massengutfrachter, aber auch bei den Tankern sieht es nur unwesentlich besser aus.

Die Krise trifft nicht nur die Reedereien. Sie trifft auch Tausende Anleger. Typischerweise sind die in Deutschland weit verbreiteten Ein-Schiff-Gesellschaften jeweils als Geldanlagemodell konzipiert. Nicht selten verlieren Anleger dabei ihr gesamtes Kapital.

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