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Ukraine wirbt im Norden um Kooperation

Wirtschaft Ukraine wirbt im Norden um Kooperation

Die Anlagen heißen „Jupiter“ oder „Mars“. Die Industriebackmaschinen der Walterwerke werden weltweit nachgefragt. Auch in der Ukraine belieferte der Kieler Eiswaffelmaschinenhersteller einen Kunden mit der Technologie.

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Andrij Melnyk, Botschafter der Ukraine im Gespräch

Quelle: sp

Kiel. Von einer dauerhaften Kooperation will Vorstandsmitglied Andreas Eule zwar nicht sprechen, aber die Geschäftsbeziehung sei bislang „gut und zuverlässig“, sagt er mit Blick auf das krisengeschüttelte Land. Dass sich in den kommenden Jahren der deutsch-ukrainische Handel verstärken könnte, hält Eule nicht für ausgeschlossen. „Das Land hat Potenzial“, sagt er.

 Doch im Kreis der schleswig-holsteinischen Unternehmen sind die Walterwerke eher eine Ausnahme. Insbesondere der Krieg im Osten des Landes schreckt die Firmen offenbar weiterhin ab. Wie aus Zahlen des Statistikamtes Nord hervorgeht, sank der Außenhandel zuletzt stark ab. Während Unternehmen im Norden 2013 beim Im- und Export noch Waren im Gesamtwert von 111,5 Millionen Euro mit der Ukraine austauschten, waren es im vergangenen Jahr nur noch Güter im Wert von 77,6 Millionen Euro. In der Liste der wichtigsten Handelspartner für Schleswig-Holstein nimmt die Ukraine damit nur den 51. Platz ein (2013: 44). Andere Bundesländer sind durchaus weiter. Im deutschen Ländervergleich belegt Schleswig-Holstein sowohl bei den Ein- wie auch bei den Ausfuhren mit Rang zwölf einen der hinteren Plätze.

 Die Ukraine will das ändern. „Geschäftliche Beziehungen sind da, aber wir wollen sie verstärken“, sagt der ukrainische Botschafter Andrij Melnyk im Gespräch mit dieser Zeitung. Gemessen an vielen anderen Regionen in Europa sei das schleswig-holsteinische Handelsvolumen zwar gar nicht so klein, aber es gebe darüber hinaus „ein sehr gutes Entwicklungspotenzial, dass wir nutzen möchten“, fügt er hinzu. Für den Ausbau der Geschäftsbeziehungen hat der Diplomat dabei vor allem den Landwirtschaftssektor ins Auge gefasst.

 Zwar beklagt die Ukraine insgesamt eine extrem wackelige Wirtschaftsentwicklung. So brach in Folge des bewaffneten Konflikts an der Ostgrenze das Bruttoinlandsprodukt um sieben Prozent ein. Doch in der Krise gibt es laut dem Botschafter auch hoffnungsfrohe Anzeichen für eine Kehrtwende: Sowohl im Bereich der Autozuliefererindustrie als auch im Bereich der Textil- und Landwirtschaft verzeichne man starke Zuwächse. Diese Branchen seien „robust“ und böten eine gute Möglichkeit für eine Zusammenarbeit, warb Melnyk. „Ob der Verkauf von Düngemittel oder von Erntemaschinen – die Deutschen können dabei an jeder Stelle der Produktionskette profitieren.“

 Die genauen Möglichkeiten für eine verbesserte Kooperation soll nach einem Wunsch Melnyks in naher Zukunft auf einer Konferenz mit Wirtschaftsvertretern beider Seiten ausgelotet werden. Einen großen Vorteil für Unternehmer sieht Melnyk in der logistischen Nähe zum Hamburger Hafen, an dem es eine Handelslinie nach Odessa gibt. Doch bei allen Vorteilen – der Botschafter weiß, dass es ohne Reformen in der Ukraine kein dauerhaftes Handelswachstum geben wird. „Natürlich müssen wir den Reformstau abbauen, die Korruption bekämpfen und die Infrastruktur stärken“, sagt Melnyk. „Klar, das Tempo könnte höher sein, aber wir tun, was wir können unter diesen Umständen.“

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Ein Artikel von
Jens Kiffmeier
Wirtschaftsredaktion

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