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Wo genau verläuft die Stromautobahn?

Dialogverfahren startet Wo genau verläuft die Stromautobahn?

Die „Vorzugskorridore“ stehen fest. Doch die sind 500 Meter breit. Wo genau die neue Stromautobahn namens Ostküstenleitung entstehen soll – darüber dürfte in den kommenden Monaten heftig gestritten werden. Um das Konfliktpotenzial zu minimieren, lädt Minister Robert Habeck (Grüne) die Bürger einmal mehr zum Dialog.

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Wo genau wird die Ostküstenleitung verlaufen?

Quelle: Roland Weihrauch/dpa

Kiel. Es geht um Ängste vor Elektrosmog, um Einschränkungen für Landwirte und um die Sorge von Hauseigentümern vor möglichen Wertverlusten. Und so dürfte es hoch hergehen beim Auftakt der Auftaktkonferenz heute Abend in der Mønhalle Ratekau.

 Dabei war das Dialogverfahren in der Region eigentlich ja schon 2014 gestartet. Doch es gibt Aktualisierungsbedarf, da seit Anfang des Jahres klar ist, dass zumindest Teilabschnitte der Leitung als Erdkabel verlegt werden können – ein Verfahren, mit dem es im Höchstspannungsbereich bislang kaum Erfahrungen gibt, und das zudem erheblich teurer ist als der Bau einer Freileitung. „Unser Ziel ist es nicht nur, eine Trassenplanung zu entwickeln, die im Einklang mit geltendem Planungsrecht steht, sondern die größtmögliche Akzeptanz schafft“, heißt es beim Netzbetreiber Tennet.

 Massiver Widerstand kommt aus Henstedt-Ulzburg im Kreis Segeberg. Kein Wunder: Die Ostküstenleitung soll nach derzeitigem Stand mitten durch das Gemeindegebiet führen. Stein des Anstoßes ist vor allem, dass die Trasse in unmittelbarer Umgebung zu einem Wohngebiet liegt und durch den Rantzauer Forst führt, in dem ein Waldkindergarten mit rund 60 Kindern betrieben wird. Zudem benötigt die 380-Kilovolt-Leitung laut Tennet ein neues Umspannwerk und eine Konverterstation mit einem Flächenbedarf von zehn und sieben Hektar.

 Politik und Verwaltung haben sich daher zusammengeschlossen, um eine Korrektur des Trassenverlaufes zu erreichen. Die fünf Fraktionen der Gemeindevertretung hatten im Mai 2015 eine Resolution verabschiedet, in der sie sich gegen den Bau aussprechen. Die Verwaltung mit Bürgermeister Stefan Bauer (parteilos) an der Spitze unterstützt das Bündnis. Auch in der Bevölkerung herrscht Unmut. Vor allem die Eltern von Kindern aus der betroffenen Wald-Kita äußerten bei mehreren Informationsveranstaltungen ihre Ablehnung.

 Mit einer Kampfansage an die Ostküstenleitung unterstrich die 28000-Einwohner-Gemeinde ihre Bereitschaft zum Protest: Die Gemeindevertretung beauftragte die Verwaltung, einen unabhängigen Sachverständigen zu suchen, der „zur Überprüfung der technischen Möglichkeiten und Alternativen zur derzeitigen Planung der Ostküstenleitung“ eine eigene Expertise erstellen soll. Professor Harald Weber vom Institut für Elektrische Energietechnik an der Universität Rostock hat den Auftrag übernommen und erstellt das Gutachten, das die Argumentation Henstedt-Ulzburgs stützen soll. In dem Interessenkonflikt hatten Verwaltung und Politik dem Netzbetreiber vorgeworfen, mit falschen Argumenten zu arbeiten und das „Schutzgut Mensch“ bei den Planungen nicht ausreichend berücksichtigt zu haben. Bürgermeister Stefan Bauer überreichte zudem eine Protestnote mit 3600 Unterschriften an Minister Habeck. Dass in Henstedt-Ulzburg eine der bundesweit ersten Teststrecken für Erdkabel verlegt werden könnte, sei für die Gemeinde nicht der ausschlaggebende Punkt, erklärte der Sprecher der Verwaltung, Malte Pohlmann. „Wir sind gespannt, aber es herrscht eine gewisse Skepsis.“ Man werde sich die Pläne in Ruhe erläutern lassen. Letztendlich sei die Belastung sowohl durch die Erdverkabelung als auch durch die Freileitungen hoch. Falls das Verfahren wie geplant weiter gehe, behält sich Henstedt-Ulzburg eine Klage gegen das Millionenprojekt vor.

 Von Ulrich Metschies und Lutz Timm

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KN-online (Kieler Nachrichten)

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