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Gute Perspektiven für Brunsbüttel

Großinvestitionen Gute Perspektiven für Brunsbüttel

Am Wirtschaftsstandort Brunsbüttel läuft es derzeit richtig rund: Die vier Kanal-Schleusen funktionieren wieder, seit dem Sommer gibt es eine Fährverbindung nach Cuxhaven, der Hafen wird möglicherweise ein Terminal für Flüssiggas (LNG) erhalten, und die Firmen im größten Industriegebiet Schleswig-Holsteins investieren kräftig.

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Der größte Öltank im Land: 45 Millionen Liter Rohöl fasst der Tank, den der Mineralölkonzern Total jetzt in Betrieb genommen hat.

Quelle: hfr

Brunsbüttel. Weltweit tätige Unternehmen bauen ihre Standorte an der Elbe aus. Gerade hat der französische Mineralölkonzern Total eine – auch im wörtlichen Sinne – Großinvestition abgeschlossen. Total nahm den mit 45000 Kubikmetern (45 Millionen Liter) Fassungsvermögen größten Öltank Schleswig-Holsteins in Betrieb. Das 22 Meter hohe Bauwerk mit einem Durchmesser von 53 Metern steht auf 438 Betonpfählen. Mit dem Tank will der Konzern die Rohölversorgung des Bitumen-Werkes künftig flexibler gestalten. „Dies ist ein wichtiger Baustein für die Absicherung unseres Betriebs in den kommenden Jahrzehnten“, sagt Geschäftsführer Rainer Keiemburg. Der Neubau ist Teil eines 40 Millionen Euro schweren Investitionspaketes, mit dem Total den Standort bis 2018 erweitert und modernisiert. Das Werk in Brunsbüttel ist mit einer Verarbeitungskapazität von 950000 Tonnen Rohöl pro Jahr das größte seiner Art in Deutschland. Rund 130 Mitarbeiter sind mit der Produktion von jährlich rund 450000 Tonnen Bitumen beschäftigt.

Eine deutlich größere Investition könnte demnächst das Chemieunternehmen Covestro (700 Mitarbeiter), früher Bayer, in Angriff nehmen. Bayer hatte den geplanten Aus- und Umbau des Werkes vor rund zwei Jahren auf Eis gelegt. Doch nach der Umbenennung der Kunststoffsparte Material Science in Covestro und dem Börsengang könnte das 120-Millionen-Projekt nun bald umgesetzt werden, hatte der neue Standortleiter Steffen Kühling vor vier Wochen angedeutet. Das Werk soll ausschließlich auf die Produktion von MDI, einem Vorprodukt für Hartschaum, der als Dämmmaterial bei Häusern und in Elektrogeräten verwendet wird, umgestellt werden. Zurzeit kalkuliert der Konzern die Investition noch einmal durch.

Sasol (knapp 600 Mitarbeiter), auf der nördlichen Seite des Nord-Ostsee-Kanals gelegen, hat hingegen sein 100-Millionen-Programm zur Modernisierung und zum Ausbau des Standortes schon fast beendet. Das südafrikanische Unternehmen, dessen Produkte unter anderem von Waschmittel- und Farbherstellern verwendet werden, ist seit Jahren auf Expansionskurs und hat mit der Erweiterung der Anlagen schon vor drei Jahren begonnen; Anfang 2018 soll das Programm abgeschlossen sein.

Erwähnt werden muss auch der Düngemittelhersteller Yara, der gerade erst 34 Millionen in sein Werk investiert hat. Mit Schülke&Mayr wird sich demnächst ein neues Unternehmen in Brunsbüttel ansiedeln. Die Norderstedter Firma wird für 20 Millionen Euro ein Werk errichten. Dort sollen künftig technische Konservierungsstoffe hergestellt werden. Das Logistikunternehmen F.A. Kruse will einen „höheren Millionenbetrag“ investieren, um neue Logistikflächen für die Windenergie-Branche zu schaffen. Und Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD) ist optimistisch, dass es gelingt, das nationale LNG-Terminal in Brunsbüttel aufzubauen, eine Milliardeninvestition, für die das niederländische Energieunternehmen Gasunie als Investor bereit steht. Noch allerdings fehlt die Zustimmung der Bundesregierung zu diesem Projekt. Die EU-Kommission hingegen unterstützt es.

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„Die Unterelbe-Region zählte noch stets zu den Armenhäusern der Nation. In Dithmarschen etwa, wo es nicht viel mehr als Kohl und Kühe gibt, liegen die Löhne um ein Drittel unter dem schleswig-holsteinischen Landesdurchschnitt.“ Das schrieb „Der Spiegel“ im Oktober 1974 in einem langen Bericht über den Aufbau des Industriegebiets in Brunsbüttel.

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