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Zeitarbeitsfirmen ringen um Fachkräfte

Schleswig-Holstein Zeitarbeitsfirmen ringen um Fachkräfte

Der Fachkräftemangel setzt vielen Arbeitgebern zu. Aber auch Zeitarbeitsfirmen haben mit der Suche nach qualifizierten Arbeitnehmern zu kämpfen. Neue Geschäftsfelder finden sich in Weiterbildungen und Personalmanagement, das Hauptgeschäft der Personaldienstleister bleibt aber die Arbeitnehmerüberlassung.

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Oliver Nazareth, Landesbeauftragter Schleswig-Holstein des Interessenverbandes Deutscher Zeitarbeitsunternehmen (iGZ), Geschäftsführer Nazareth Zeitarbeit GmbH.

Quelle: Sven Janssen

Kiel. Mit „einem lachenden und einem weinenden Auge“ sieht Oliver Nazareth, geschäftsführender Gesellschafter der Nazareth Zeitarbeit GmbH in Kiel, auf die Übernahmequote im vergangenen Geschäftsjahr: Etwa 25 Prozent seiner entliehenen Arbeitskräfte schafften den Sprung in eine Festanstellung. Der sogenannte „Klebeeffekt“ – für den einzelnen Arbeitnehmer ein Segen – treibt die Zeitarbeitsfirmen um.

 Wirtschaftlicher Aufschwung und ein schwacher Euro sorgen vor allem bei exportierenden Unternehmen für hohe Auftragsbestände. „Viele Industriefirmen, gerade Unternehmen, die nach Fernost liefern, übernehmen unsere Zeitarbeiter“, sagt Nazareth. Dazu komme der demographische Wandel. Gut ausgebildete Arbeitnehmer gehen jetzt in Rente, der entsprechende Nachwuchs aber fehlt. Vor allem die kleineren Zeitarbeitsfirmen, die 95 Prozent des Marktes abdecken, fehlen Mittel, um überregional oder gar im Ausland nach geeigneten Kräften zu suchen. Etwa 12000 Anbieter mit über 800000 Zeitarbeitern gibt es deutschlandweit, das entspricht knapp 2,5 Prozent aller Arbeitnehmer. In Schleswig-Holstein sind es etwa 17500. Zeitarbeiter sind hier vor allem in industriellen Berufen gefragt: Elektronikfachleute, Zerspanungsmechaniker, Dreher oder Schweißer werden gebraucht.

 „Wenn die Unternehmen wieder verstärkt einstellen, werden sich Arbeitnehmer kaum für die unsichere Alternative Leiharbeit entscheiden“, betont eine Sprecherin der Gewerkschaft IG Metall. Die Bundesregierung plant, gesetzlich festzulegen, dass Zeitarbeiter spätestens nach neun Monaten den gleichen Lohn erhalten wie die Stammbelegschaft. Das aber könnte zu einer veränderten Personalpolitik vieler Unternehmen führen: Fachkräfte werden weiter von den Unternehmen übernommen, während geringer qualifizierte Kräfte ersetzt würden.

 „Abstruse Anforderungsprofile“ entleihender Unternehmen erschwerten die Suche, erklärt Olaf Richter, geschäftsführender Gesellschafter der Richter Personalservice GmbH in Kiel. In Zeiten niedriger Arbeitslosenquoten suchten sich qualifizierte Kräfte eher für sich passende Stellen. Der Rekrutierungsprozess als solcher habe sich grundlegend verändert, sagt Richter. Die Illusion, dass die gut qualifizierten Arbeitnehmer auf ihn zukämen, habe er schon lange nicht mehr.

 Um am Markt erfolgreich zu bleiben, müssen sich gerade kleine Zeitarbeitsfirmen auf bestimmte Branchen spezialisieren oder nach zusätzlichen Geschäftsfeldern suchen. Dazu zählt vor allem die Weiterbildung der Arbeitskräfte. Der Interessenverband Zeitarbeit (IGZ) verweist außerdem auf Aufgaben im Personalmanagement: „Unsere Mitgliedsfirmen übernehmen quasi die Aufgaben von Personalabteilungen – von der Zeitungsanzeige bis hin zum Bewerbungsgespräch“, erklärt Sprecher Wolfram Linke.

 Große Zeitarbeitsfirmen wie Randstad decken dazu auch andere Geschäftsfelder ab: „Mit einem dichten Niederlassungsnetz und durch Nutzung von Synergieeffekten können viele Kräfte gleichzeitig gestellt werden“, sagt Jens Heyne, Leiter der Randstad-Niederlassung Kiel. Das aktuelle Marktvolumen aller Zeitarbeitsfirmen in Deutschland liegt bei etwa 22,3 Milliarden Euro Umsatz. Prognosen des Online-Portals Statista gehen bis 2018 von 28 Milliarden Euro aus.

Von Stephanie Degenhard

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