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Jetzt kommt das dicke Ende

Schiffsfonds Jetzt kommt das dicke Ende

Sicheres Investment, stolze Rendite und auch steuerlich ein Geldbringer: Viele Jahre galten Schiffsfonds als äußerst lukrative Geldanlage - auch für Ottonormalverdiener.

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Eine durchgreifende Erholung der Schifffahrtsmärkte ist noch immer nicht in Sicht. Für Anleger, die sich mit viel Geld an Containerfrachtern beteiligt haben, kommt jetzt das böse Erwachen.

Quelle: imago/Hans Blossey

Kiel. Heiß gemacht von optimistischen Auszahlungsprognosen der Emmissionshäuser und zeitweise paradisischen Steuervorteilen investierten Anleger bundesweit rund 30 Milliarden Euro in Containerfrachter – Schiffe, die es seit Jahren kaum noch jemand braucht, weil der weltweite Warenhandel längst nicht mehr boomt und gigantische Überkapazitäten die Fachraten am Boden halten. Die Folge: Eine Fonds-Pleitewelle, die noch lange nicht vorüber ist. Im Gegenteil: „Für viele Anleger auch im Norden kommt nun das dicke Ende," sagt Michael Herte, Jurist und Finanzexperte der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein.

Neu ist es zwar nicht, dass Investoren beunruhigende Post erhalten, in denen von schlechter Geschäftsentwicklung, Schiffsverkäufen oder der Notwendigkeit von Nachschusszahlungen die Rede ist. „Jetzt aber kommen immer mehr ratlose Anleger mit Briefen zu uns, in denen steht, dass ihr Fonds pleite ist", sagt Herte. Etwa jeder zehnte von bundesweit bis zu 3000 Schiffsfonds hat nach Schätzung der Deutschen Fondsresearch (DFR/Hamburg) bereits Insolvenz angemeldet. Ein Ende der Entwicklung ist nicht abzusehen: „Annähernd zwei von drei Schiffsgesellschaften fahren nicht wirtschaftlich", so DFR-Experte Nils Lorentzen.

Jeder zehnte Schiffsfonds meldet Insolvenz an

Dramatisch ist eine Insolvenznachricht auch deshalb, weil den Anlegern nicht nur der Totalverlust ihres Vermögens droht, sondern auch die Rückforderung bereits geleisteter Auszahlungen. Und genau an diesem Punkt offenbart sich aus Sicht von Herte ein entscheidendes Manko der Schiffsfonds: „Viele Anleger wissen überhaupt nicht, was sie da vor Jahren für ein Produkt erworben haben."

Summen zwischen 15000 und 100000 Euro stehen für die meisten Privatanleger auf dem Spiel. Besonders tückisch: Nicht selten erwecken Emmissionshäuser in ihren Schreiben den Eindruck, Anleger seien dazu verpflichtet, den Fonds durch Nachschüsse doch noch irgendwie vor dem Untergang zu retten. Doch diese Pflicht, so Herte, gibt es nicht.

Was können Anleger tun, um vielleicht doch noch an Geld zu kommen? Da die Verjährung von Ansprüchen droht, sollte man sich möglichst schnell fachkundig beraten lassen. Chancen auf Schadenersatz wegen möglicher Falschberatung haben allerdings nur Anleger, die den Fonds nach einer tatsächlichen Beratung, etwa bei ihrer Bank, erworben haben. Herte: „Wer die Beteiligung bei einem Finanzvermittler ohne vorherige Anlageberatung gekauft hat, kann diesen Weg nicht gehen."

Fehlvorstellungen wurden vermittelt

Zwar unterstellt Herte den Banken keineswegs, Kunden systematische über den Tisch gezogen zu haben, dennoch sieht er die Rolle vieler Institute kritisch. Nach Erkenntnis des Verbraucherschützers haben sowohl Bankberater als auch freie Fondsverkäufer den Kunden immer wieder fatale Fehlvorstellungen vermittelt – etwa, dass es sich bei Schiffsfonds um eine sichere Anlage handele mit vollständiger Rückzahlung nach zehn Jahren oder dass der Auszahlungsplan im Fondsprospekt verbindlich sei - und nicht nur eine unverbindliche Prognose. Schiffsfonds seien eben keine Anleihen mit verbindlichem Rückzahlungsanspruch, sondern eine hochriskante unternehmerische Beteiligung. Und die in den ersten Jahren geleisteten Ausschüttungen seien, anders als viele Anleger glauben, keine Zinsen, sondern Teilrückzahlungen des eingezahlten Eigenkapitals – das jedoch im Fall einer Schieflage in der vollen ursprünglichen Höhe in der Haftung steht.

Statt gleich auf dem Rechtsweg gegen Banken vorzugehen, rät Herte Kunden eher dazu, Aufklärung und Transparenz einzufordern. So stellt sich etwa die Frage, ob die Bank ordnungsgemäß über Risiken informiert hat - und über ihre Provision, die sie von der Fondsgesellschaft quasi hinter dem Rücken des Anlegers erhalten hat, in der Regel zehn bis 15 Prozent des Investitionsbetrages. Sollte des nicht der Fall sein, habe der Verbraucher „zumindest ein starkes Argument in der Hand, um im Rahmen einer vorerst gütlichen Auseinandersetzung zumindest eines Teil ihres Geldes wiederzusehen. "

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Ein Artikel von
Ulrich Metschies
Wirtschaftsredaktion

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