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Kieler Kino-Spezialist insolvent

Kiel Kieler Kino-Spezialist insolvent

Eine kleine Firma mit großem Namen: Ernemann. Das Kieler Unternehmen, 1889 in Dresden gegründet, ist in der Film- und Kinobranche weltweit ein Begriff. Jetzt musste es einen Insolvenzantrag stellen. Ernemann stellt analoge Filmprojektoren für Kinos her, doch die haben inzwischen komplett auf digitale Technik umgestellt. Dennoch sieht die Firmenleitung noch eine Perspektive.

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Der Blick ins Innenleben des Ernemann VIII B.

Quelle: Hans-Jürgen Jensen

Kiel. Der Name Ernemann ist bei Kinobetreibern und Regisseuren in der ganzen Welt eine Legende – ähnlich wie die Leica bei Fotografen. Filmvorführer kriegen glänzende Augen, wenn vom ab 1934 gebauten Ernemann VII mit Tonabtastung oder dem in den 50er Jahren in Kiel gebauten Ernemann VIII B die Rede ist. Erste Projektoren stellte der Kamerahersteller ab 1903 her; der von 1909 bis 1933 gefertigte „Imperator“ begründete dann wegen seiner extrem hohen Zuverlässigkeit den legendären Ruf der Firma. Bis in die 70er Jahre waren Imperator-Apparate in einigen Kinos noch im Einsatz.

 Doch im digitalen Zeitalter haben es Legenden aus der analogen Zeit schwer. Dafür stehen Namen wie Kodak, Leica oder, um ein weiteres Kieler Beispiel zu nennen, Rudolf Hell. Die Ernemann Cine Tec Kinoprojektionsgeräte GmbH hat versucht, neue Geschäftsfelder aufzubauen. Und sie hatte damit auch ein paar Jahre lang Erfolg. Doch zur Entwicklung eines langfristig tragfähigen Geschäftsmodells haben nun Zeit und Geld nicht mehr gereicht. Die Geschäftsführung des Unternehmens, das noch zehn Mitarbeiter beschäftigt, musste daher den Gang zum Insolvenzgericht antreten.

 „Die Nische kann eine Chance sein“, sagt der vorläufige Insolvenzverwalter, der Hamburger Anwalt Hagen Freiherr von Diepenbroick. Mit einigen potenziellen Interessenten habe er auch schon Gespräche geführt. Standortleiter Jürgen Perkams hofft, dass schon in vier bis sechs Wochen eine Lösung gefunden werden kann. Das Kieler Unternehmen gehört zur Cine Project GmbH (Landshut), ein Unternehmen, das Kinos mit Projektions- und Tontechnik ausstattet.

 Ernemann hat auf den Trend zur digitalen Filmvorführung schon vor sechs bis sieben Jahren reagiert und versucht, auf neuen Feldern Fuß zu fassen. Damals wurde das neueste Produkt aus Kiel, der Ernemann 18, zwar noch stark nachgefragt, allerdings fast ausschließlich aus dem Ausland. In Deutschland hatten schon fast alle Kinos die digitale Wende vollzogen. Die Kieler hatten daher auf die Entwicklung von Steuerungstechnik gesetzt. Sie boten ein System an, mit dem sämtliche Technik im Kino – von Licht, Ton, Türschlösser bis hin zum Vorhang – elektronisch bedient und mit der digitalen Vorführtechnik synchronisiert werden konnte. „Das war sehr erfolgreich, wir erreichten mehr als 60 Prozent Marktanteil“, berichtet Jürgen Perkams. Doch inzwischen sind fast alle Kinos mit dieser Steuerungstechnik ausgestattet.

 Vor rund zwei Jahren wurde zudem die KEM Studiotechnik GmbH (Norderstedt) übernommen. Die Firma entwickelt und baut Studio-Schneidetische für analoge Filme und bietet digitale Systeme zur Filmarchivierung an. Außerdem hat Ernemann zusammen mit einer Forschungsgruppe der Uni Kiel eine neuartige 3D-Aufnahmetechnik entwickelt. Das in dieser Zusammenarbeit entstandene Gerät könne „ein Bein für die Zukunft sein“, zeigte sich Jürgen Perkams optimistisch.

 Ernemann war 1926 von der Zeiss Ikon AG (Stuttgart) übernommen worden. Die verlegte nach Kriegsende die Produktion der Projektoren von Dresden nach Kiel, auf das Gelände der ebenfalls zur Carl-Zeiss-Stifung gehörenden Firma Anschütz. 1975 übernahm Anschütz dann Zeiss Ikon; 20 Jahre später wiederum ging Anschütz an den US-Rüstungskonzern Raytheon. Und der verkaufte schließlich 1999 Ernemann.

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