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"Ich lebe im Hier und Heute"

Auf einen Kaffee mit ... "Ich lebe im Hier und Heute"

Kaffee und Kommunikation – das gehört irgendwie zusammen. Die SZ lädt lokale Persönlichkeiten auf einen Kaffee ein, um einen kurzen Plausch über dies und jenes zu halten. Dieses Mal: Bad Bramstedts Bürgervorsteherin Annegret Mißfeldt.

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Bad Bramstedts Bürgervorsteherin Annegret Mißfeldt

Quelle: Sylvana Lublow

Bad Bramstedt. Es gibt wohl kaum eine Frau, die in Bad Bramstedt so bekannt ist wie Annegret Mißfeldt. Das liegt natürlich auch daran, dass sie seit 13 Jahren als Bürgervorsteherin die Stadt präsentiert. Aber vor allem ist es ihre Art, mit der sie die Herzen der Bad Bramstedter erobert hat: immer fröhlich, aufgeschlossen und herzlich, egal wo man sie trifft. Außerdem hat sie bis zu ihrer Pension vor vier Jahren die Grundschule am Storchennest geleitet. Ihre 68 Jahre sieht man der zierlichen Person mit dem modischen Blondschopf nicht an. Auch im Café am Landweg nicht, wo sie schon gut gelaunt sitzt und eine Rhabarber-Schorle trinkt. Einen Kaffee bekommt sie trotzdem (sie trinkt ihn schwarz), schließlich sind wir ja zum Kaffeeklatsch verabredet.

Frau Mißfeldt, wie haben Sie den Sommer verbracht?

Den Sommer habe ich hier in Bad Bramstedt verbracht. Und zwar in der Roland Oase, das ist ein tolles Freibad! Ich gehe gerne Schwimmen und sonntagmorgens in den Kurpark zum Nordic Walking. Eine Stunde allein mit mir und der Natur, das mag ich. Dann habe ich eine Woche meinen Enkelsohn gehabt. Das tat mir sehr gut, nachdem ich im Juli meine Mutter verloren hatte. Das hat mich sehr nachdenklich gestimmt. Sie war zwar schon hochbetagt mit 96 Jahren, aber sie war so wie mein zweites Kind. Ich hab sie betreut und wir hatten ein sehr inniges, liebes Verhältnis, sie war eine liebe Mutti. Diese Aufgabe hat mir doch anfangs gefehlt und sie mir auch. Es war die Nähe, die Heimat, die mir jetzt fehlt. Ich brauchte eine gewisse Zeit, um wieder stabil zu werden und meine Mitte zu finden. Aber im Mai war ich mit der VHS noch auf Studienfahrt in Cornwall. Das war sehr schön.

Sie sind in der Volkshochschule auch sehr engagiert.

Ja, da bin ich seit 2002 Vorstandsvorsitzende. Es ist ein toller Verein, der immer mehr wächst. Und seit ich im Ruhestand bin, begleite ich die Studienfahrten. Cornwall war schon meine fünfte Reise, die ich begleitet habe. Und am Sonntag fliege ich mit 25 Leute ins Baltikum. Das macht sehr viel Spaß, man ist unter Menschen und wir sind eine tolle Gruppe.

Vorstand der Volkshochschule Bad Bramstedt, Bürgervorsteherin und Vorsitzende des CDU-Ortsvereins: Bleibt Ihnen da eigentlich noch Zeit für sich?

Man muss lernen, das Wichtige vom Unwichtigen zu unterscheiden und sich auch mal sagen: Nö, heute geht’s nicht, heute denke ich mal an mich. Ich merke schon, dass im Alter alles ein bisschen langsamer wird. Es läuft nicht mehr alles so spontan, ich habe auch nachdenkliche Phasen, dann brauche ich auch mal einen Nachmittag für mich.

Haben Sie denn neben Ihren ehrenamtlichen Verpflichtungen noch Hobbys?

Also eigentlich die Musik. Die begleitet mich schon mein ganzes Leben. Ich habe früher gerne gesungen, ich habe auch eine Gesangsausbildung gemacht im Studium, habe Cello gespielt und habe auch eine Klavierausbildung. Aber das habe ich alles ein bisschen vernachlässigt. Ich wollte auch gerne auf die Bühne. Das hat aber nicht geklappt und insofern war die Schule nachher meine Bühne (lacht). Also, das wäre noch mal eine Option für mich, hier in den Frauenchor oder in den Seniorenchor einzutreten. Und ich tanze auch leidenschaftlich gerne.

Wie ist es überhaupt dazu gekommen, dass Sie Bürgervorsteherin geworden sind? War das Ihre eigene Idee?

Nein, das ist an mich herangetragen worden. 2003 war Kommunalwahl und ich war in der CDU und man fragte mich, ob ich mich als Stadtverordnete zur Wahl stellen wollte. Und dann wurde ich Stadtverordnete. Und da die stärkste Partei den Bürgervorsteher stellt, fragte mich der damalige Bürgervorsteher dann, ob sie mich nominieren dürfen. Da musste ich erst mal drüber schlafen und überlegen: Kannst du das, traust du dir das zu? Die Nominierung war eine Ehre für mich und am Ende hab ich mir gesagt: Mach es! Obwohl ich nicht wusste, was auf mich zukommt. Und dann bin es geworden.

Was kam dann auf Sie zu?

Erst mal musste ich lernen, mit den Menschen, also den Kommunalpolitikern, umzugehen. Ich bin ja Vorsitzende der Stadtverordnetenversammlung. Ich habe Repräsentationspflichten und bin Bürgervorsteherin für alle Bürger. Mit der Zeit habe ich einen tollen Kontakt zu den Menschen hier aufbauen können. Ich bin offen, höre zu und gehe auf die Menschen ein und das bekomme ich auch zurück. Politisch musste ich noch einiges lernen, aber ich habe mir die Butter nicht vom Brot nehmen lassen. Ich habe auch gefragt, wenn ich nicht weiter wusste.

Ist Kommunalpolitik aus Ihrer Sicht heute immer noch hauptsächlich eine Männerdomäne?

Ja, die Männer sind sehr stark vertreten, sie sind eine starke Gemeinschaft. Aber bei uns ist es so, dass die Frauen auch was sagen dürfen (lacht). Sie treten immer stärker in den Vordergrund. Die Akzeptanz mir und den anderen Frauen in der Stadtverordnetenversammlung gegenüber ist da.

Braucht die Kommunalpolitik mehr Frauen?

Ja, es wäre nicht schlecht, wenn die Frauen sich mehr einbringen würden.

Was machen Frauen denn anders?

Sie sind stärker sensibilisiert für Themen. Sie schaffen auch manchmal den Ausgleich. Ausgewogenheit ist ganz wichtig. Lieber einmal drüber schlafen, als loszupoltern. Aber das klappt in Bad Bramstedt gut. Jeder darf seine Meinung vertreten.

Sind Sie emanzipiert erzogen worden?

Ich wurde viel gefördert, Mutti hat viel getan für mich und meinen Bruder, und mein Vater eigentlich auch. Ich durfte mich frei entwickeln.

Wollen Sie auch in der nächsten Wahlperiode ab 2018 wieder Bürgervorsteherin sein?

Das ist eine tolle Frage. Was hat die Kanzlerin daraufhin geantwortet, ob sie weiter machen will? (lacht) Also ich lebe ja im Hier und Heute, was morgen ist, weiß ich nicht. Heute geht es mir als Bürgervorsteherin gut, ich finde es toll. Was in zwei Jahren ist, weiß ich noch nicht.

Sie sind eine selbstbewusste und erfolgreiche Frau. Was würden Sie jungen Frauen heute mit auf den Weg geben?

Frauen sollten einen Beruf haben und eigenständig sein, das ist ganz wichtig. Durch den Beruf bekommt man Selbstsicherheit. Und junge Frauen sollten sich interessieren und einbringen, egal ob es die Gleichstellung ist, in sozialen oder künstlerischen Bereichen. Sie sollten sich selbst behaupten. Es gibt überall kluge Frauen, und die sollten in den Vordergrund treten.

(Nach dem Gespräch kam eine ältere Dame an den Tisch und überreichte der Bürgervorsteherin einen kleinen Blumentopf. Sie hätte sich so gefreut, Annegret Mißfeldt in dem Café wiederzusehen und die Chance nutzen zu können, sich endlich für deren Beistand zu bedanken. „Das ist schon zwei Jahre her und ich möchte darüber auch nicht sprechen, aber mich bedanken“, sagte sie und drückte ganz fest die Hand der Bürgervorsteherin. Besser konnte die Rolle von Annegret Mißfeldt für die Menschen in der Stadt nicht demonstriert werden.)

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Ein Artikel von
Sylvana Lublow

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