11 ° / -3 ° wolkig

Navigation:
Wetten, bald sind Frauen im Gildevorstand?

Auf einen Kaffee mit ... Wetten, bald sind Frauen im Gildevorstand?

Kaffee und Kommunikation – das gehört irgendwie zusammen. Die SZ lädt lokale Persönlichkeiten auf einen Kaffee ein, um ein kurzes, aber knackiges Pläuschchen über dies und jenes zu halten. Dieses Mal: Thomas Uellendahl, Anwalt, Notar und Vorstandsmitglied der Fleckensgilde."

Voriger Artikel
„Geschäfte gehören in die Innenstadt“
Nächster Artikel
"Ich wollte schon früh in eine Partei"

Thomas Uellendahl im Gespräch mit der SZ-Redakteurin Sylvana Lublow

Quelle: Einar Behn

Bad Bramstedt. In Anzug und Krawatte erscheint der 51-Jährige im Café am Landweg. Wie es sich gehört für einen Anwalt. Obwohl vielbeschäftigt, nimmt sich der sympathische Bad Bramstedter Zeit für ein kleines Kaffeepäuschen mit der SZ-Redakteurin. Der Jurist bestellt einen Cappuccino und erzählt, dass er die Interviews „99 Fragen an...“ im Zeit-Magazin gerne liest, bei denen der Interviewer zwischendrin schreibt, was er gerade von seinem Gegenüber denkt und wo er ihn mit seinen Fragen hinführen will. Für 99 Fragen haben wir in der SZ zwar nicht genug Platz – und so viel Kaffee würde uns auch nicht gut tun – aber ein paar Dinge möchten wir trotzdem gerne wissen.

Frage: Herr Uellendahl, mir ist zu Ohren gekommen, dass Sie fließend Russisch sprechen.

Thomas Uellendahl: Ja, das stimmt. Das war auch eine Überraschung in meinem Leben. Ich bin damals nach dem Abi zur Bundeswehr gegangen und in eine Kompanie gekommen, in der man entweder Tastfunk lernte oder Russisch. Damals noch zur Verwendung an der innerdeutschen Grenze. Ich habe mich für Russisch entschieden. Das wurde uns auf militärische Art und Weise beigebracht. Das heißt erst mal mit militärischen Inhalten und auch mit dem nötigen Druck, so will ich es mal ausdrücken. Also wir bekamen an einem Tag das kyrillische Alphabet vorgelegt und am nächsten Tag wurde schon ein Test geschrieben. Anderthalb Jahre hatten wir täglich Russischunterricht.
(Cappuccino und Latte macchiato werden gebracht. Uellendahl nimmt keinen Zucker.)
Und konnten Sie außer beim Bund sonst noch mit ihren Russischkenntnissen punkten?
Auf jeden Fall. In der Kanzlei empfinden das viele russischsprachige Mandanten als extrem positiv, wenn da einer sitzt, der ihre Sprache spricht. Und außerdem gebe ich seit vielen Jahren Rechtskurse in St. Petersburg. Das entstand durch eine frühere Zusammenarbeit mit der Jürgen-Fuhlendorf-Schule. Damals kam jährlich eine Gruppe von Jurastudenten nach Bad Bramstedt, die sich hier verschiedene Einrichtungen angeguckt hat. Da kam die Idee auf, dass ich den Studenten doch mal etwas über das deutsche Recht erzählen könnte.
Und das haben Sie dann auf Russisch gemacht.
Ja. Aber niemand wusste, dass ich Russisch spreche. Und als die Studenten dann morgens bei mir in der Kanzlei saßen, war die Überraschung natürlich groß. Wir haben dann deutsches Recht auf Russisch besprochen. Das hat riesigen Spaß gemacht.
Und dann?
Kam es, wie es kommen musste. Ich bekam eine Spontaneinladung nach St. Petersburg, um auch dort den Studenten die Struktur des deutschen Rechts zu erklären. Das habe ich dann über viele Jahre hinweg getan. Das hat viel Spaß gemacht. Ich habe viel gelernt über das Land und die Menschen und ein hohes Maß an Gastfreundschaft, eine traumhafte Stadt und viele nette Menschen kennengelernt. Im Zuge der politischen Entwicklung hat sich das leider in den letzten zwei, drei Jahren reduziert, aber das ist nichts, was in Stein gemeißelt ist.
Anderes Thema: Sie sind seit Jahren im Vorstand der Fleckensgilde. Was gefällt Ihnen an der Gildegemeinschaft?
Was mir von Anfang an richtig gut gefallen hat, ist der geschichtliche Hintergrund, also die Idee über die Befreiung des Fleckens vor der Regentschaft der Dänen. Dass Menschen es in einer Gemeinschaft schaffen, ein Ziel zu erreichen und dabei auch deutlich über die Schmerzgrenze des Einzelnen gehen, fand ich von Anfang an bewundernswert. Da kann man sich auch hunderte Jahre danach noch dran erinnern. Deshalb habe ich nach meiner normalen Amtszeit in der Gilde auch noch die Jahre als Schreiber im Vorstand dran gehängt. Wir haben in all den Jahren viel für die Stadt erreicht und viele Projekte unterstützt. Der Eintritt in die Gilde hat mir damals sehr geholfen, mich hier in Bad Bramstedt einzuleben.
(Über die Gilde könnte er noch ewig weiter reden, aber uns interessiert etwas anderes.)
Herr Uellendahl, warum gibt es keine Frauen in der Fleckensgilde?
Das ist nicht richtig. Es gibt weibliche Mitglieder in der Fleckensgilde.
Auch im Vorstand?
Nein.
Warum nicht?
Weil das bisher so gehalten worden ist, dass es nur Männer gibt.
(Er lächelt, windet sich etwas, man merkt, dass das nicht seine Lieblingsfrage ist.)
Ist das nicht ein bisschen altmodisch?
Im Vorstand werden ja die neuen Jüngsten vorgeschlagen. Und ich sage mal voraus, es wird nicht mehr lange dauern, bis auch eine Frau zur Jüngsten gewählt wird.
Wurden denn schon Frauen vorgeschlagen?
Ja, das hat es schon gegeben und ich finde das auch gut. Aber es ist Einstimmigkeit gefordert für diesen Beschluss und die hat es bisher nicht gegeben. Aber ich würde mal fast drauf wetten, dass es in den nächsten Jahren passiert.
Zum Schluss möchte ich gerne ihren Lieblingssatz auf Russisch hören und geschrieben sehen.
(Er schreibt erst in kyrillischer und dann in lateinischer Schrift:) Ja tebja ljublju.
Das kenne ich! Das heißt „Ich liebe dich“.
Stimmt.
Was nicht mehr ins Interview passte: Thomas Uellendahl lebt seit 20 Jahren in Bad Bramstedt. Er ist in Osnabrück geboren, in Wolfsburg aufgewachsen und hat seine Frau schon in der Schule kennengelernt. Mit dem Sold aus seinen vier Jahren Bundeswehr hat er sich sein Jurastudium in Göttingen und Hamburg finanziert. Ehrenamtlich hält er Jugendlichen an Schulen Vorträge über Fehlervermeidung. Er sagt, dass der Satz „Eltern haften für ihre Kinder“ ein großer juristischer Irrtum ist.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Aktuelle Nachrichten aus der Segeberger Zeitung
ANZEIGE
Mehr aus Auf einen Kaffee mit... 2/3