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Frauen kommen diplomatisch zum Ziel

Auf einen Kaffee mit ... Frauen kommen diplomatisch zum Ziel

Kaffee und Kommunikation – das gehört irgendwie zusammen. Die SZ lädt lokale Persönlichkeiten auf einen Kaffee ein, um einen kurzen Plausch über dies und jenes zu halten. Dieses Mal: Hitzhusens Bürgermeisterin Claudia Peschel.

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Bürgermeisterin Claudia Peschel im Gespräch mit der SZ-Redakteurin Sylvana Lublow

Quelle: Einar Behn

Hitzhusen. Zwar nicht auf einen Kaffee, sondern auf einen Roibuschtee Orange traf sich Claudia Peschel zum Gespräch mit der SZ an einem denkwürdigen Tag: Donald Trump wurde zum amerikanischen Präsidenten gewählt. Doch das allein sollte nicht Thema des Gesprächs werden, denn Politik wird bekanntlich auch im Kleinen gemacht. Dabei hält die 57-jährige Bürgermeisterin sich selbst nicht für politisch und sitzt deshalb als parteiloses Mitglied der CDU-Fraktion in der Gemeindevertretung Hitzhusen. Das Miteinander mit den Bürgern und ein gemeinsames Verfolgen von Zielen sind der dreifachen Mutter wichtiger.

Frage:  Frau Peschel, wir kommen heute an dieser Frage nicht vorbei: Was halten Sie vom Ausgang der amerikanischen Präsidentschaftswahl?

Claudia Peschel: Ich kann da gar nicht so viel zu sagen. Ich habe ein komisches Bauchgefühl. Man braucht jetzt viel Fingerspitzengefühl, um einzuordnen, wie dieser Mann tickt und handeln wird. Wie er mit seinen politischen Partnern umgehen wird, bleibt abzuwarten.

Haben Sie mit diesem Ergebnis gerechnet?

Gerechnet ist nicht das richtige Wort. Gehofft hatte ich auf die andere Kandidatin, obwohl Hillary Clinton auch nicht meine Lieblingskandidatin war. Das, was die Welt hatte, war gut. Was jetzt kommt, wissen wir nicht.

Sind Sie gerne Bürgermeisterin?

Ja, ich bin gerne Bürgermeisterin. Mir macht es Spaß mit den Menschen in Kontakt zu sein, mit ihnen umzugehen, zu hören, was ihnen auf der Seele brennt, und immer gemeinsam zu gestalten. Miteinander leben und voneinander lernen, das gefällt mir in meinem Amt als Bürgermeisterin. Aber nicht nur in der eigenen Kommune, sondern auch im Amt Bad Bramstedt-Land. Wir sind 14 Bürgermeisterinnen und Bürgermeister und treffen uns regelmäßig zum Klönschnack auf neutraler Ebene und tauschen uns aus.

Sie haben noch weitere drei Bürgermeisterkolleginnen, sonst sind es Männer. Gibt es Unterschiede?

Ja, auf jeden Fall. Das haben meine Kolleginnen und ich schon feststellen müssen. Wir Frauen reden mehr drumherum und die Männer sagen „So wird es jetzt gemacht“ und Punkt. Wir Frauen kommen zwar auch zum Ziel, aber eben anders, diplomatischer. Wir haben eben eine andere Herangehensweise als unsere männlichen Kollegen.

Können Sie ein Beispiel für ihr Handeln in Hitzhusen nennen?
Ja. Wir hatten seit Jahren immer zwei Weihnachtsfeiern im Dorf, eine vom Senioren-Club und die andere wird von der Gemeinde für alle Senioren über 60 Jahre veranstaltet. Also gab es im Abstand von einer Woche zwei Feiern für das gleiche Publikum. Das hatte ich im Ausschuss angesprochen und angeregt, daraus ein Feier für alle Senioren zu machen und eine zweite Feier vielleicht im Frühling. Da gab es erst viel Gegenwind vom Senioren-Club. Die wollten ihre Weihnachtsfeier beibehalten und unter sich bleiben. Doch am Ende haben wir dieses Jahr ein Frühlingsfest gemeinsam mit den Senioren veranstaltet, und es hat allen sehr gut gefallen. Im Januar wollen wir das Fest auswerten und beschließen, ob wir es wiederholen und dafür auf eine der Weihnachtsfeiern verzichten.

Was mögen Sie am wenigsten an ihrem Amt?

Die Finanzen. Aber zum Glück habe ich da einen tollen Finanzausschussvorsitzenden, der sich darum kümmert. Aber ich bin ja trotzdem bei den Sitzungen dabei.

Wofür würden Sie sich mehr Geld in der Gemeinde wünschen?

Für Jugend, Schule und Kindergarten auf jeden Fall. Und ich möchte gerne etwas Generationsübergreifendes finanzieren. Zum Beispiel eine Begegnungsstätte. Wir haben zwar das Dorfhaus, wo auch der Kindergarten und die Krippe untergebracht sind, aber aus heutiger Sicht ist das nicht das, was mir vorschwebt. Bildung, Kinder und Senioren zusammenzuführen, so stelle ich mir eine generationsübergreifende Begegnungsstätte vor.

Was macht aus Ihrer Sicht ihr Dorf besonders? Gibt es Dinge, die heute eher nicht mehr so typisch sind in Dörfern?

Wir veranstalten schon seit Jahren unser Kinderfest, so richtig mit Festumzug und allem drum und dran. Das gibt es zwar in anderen Dörfern auch, aber in vielen eben nicht mehr, weil es einfach keine Helfer mehr gibt. Wir gehen noch von Haus zu Haus und sammeln Spenden für die Geschenke, die die Kinder bekommen. Außerdem bringen wir wieder einen Kalender raus mit neuen und alten Fotomotiven des Dorfs. In Farbe und zeitgemäß, wie ich finde. Den verkaufen wir beim „Tag im Advent“, das ist eine Veranstaltung, die wir schon zum achten Mal machen. Eigentlich gab es immer Gruppen, die irgendetwas auf die Beine gestellt haben. Dann macht man das vielleicht zehn Mal, und dann kommt etwas anderes. Ich bin auch eher der Typ, der gerne etwas Neues ausprobiert und kreativ ist.
Gerne zu organisieren und zu veranstalten: War das der Grund dafür, dass Sie Bürgermeisterin geworden sind?
Nein, der Grund war ein anderer. Ich habe gemerkt, dass viele Menschen um mich herum gerne meckern und sich dann wieder verstecken. Das will ich nicht. Ich habe auch Dinge, die mir nicht gefallen, aber ich ändere sie dann lieber und gestalte mit. Lieber ist es mir, mitzumachen als nur zu meckern und abzuwarten, was andere tun."

Was tun Sie, wenn Ihnen mal die Bude auf den Kopf fällt, Ihnen einfach alles zu viel wird?

Heulen (lacht). Ich bin dann wütend, und natürlich haben alle anderen Schuld. Und wenn ich dann geheult habe, sage ich mir „wird schon wieder“. Mein Mann ist da eine große Hilfe. Den heule ich natürlich an. Er baut mich dann wieder auf.

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