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"Ich wollte schon früh in eine Partei"

Auf einen Kaffee mit ... "Ich wollte schon früh in eine Partei"

Kaffee und Kommunikation – das gehört irgendwie zusammen. Die SZ lädt lokale Persönlichkeiten auf einen Kaffee ein, um einen kurzen Plausch über dies und jenes zu halten. Dieses Mal: Helmer Krane, Vorsitzender des FDP-Ortsverbands Bad Bramstedt.

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FDP-Ortsverbandsvorsitzender Helmer Krane traf sich mit SZ-Redakteurin Sylvana Lublow bei einem Latte Macchiato.

Quelle: Einar Behn

Bad Bramstedt. Mit seinen 26 Jahren ist Helmer Krane der jüngste Ortsvorsitzende einer Partei in Bad Bramstedt. In die FDP trat er mit 18 Jahren ein, 2013 übernahm er den Vorsitz. Gerade hat er sein erstes Staatsexamen in Jura in Hamburg abgelegt und beginnt im Oktober sein knapp zweijähriges Referendariat. Warum er sich auch weiterhin in der Bad Bramstedter Kommunalpolitik stark machen will und was er in seinem Heimatort gerne ändern würde, erzählt er bei einem Latte Macchiato.

Frage: Herr Krane, warum haben Sie sich als junger Mensch für den Eintritt in die FDP entschieden?

Ich wusste relativ früh, dass ich in eine Partei wollte. Ich komme aus einem sehr christlichen, sozialdemokratischen Haushalt und wollte am Anfang auch auf gar keinen Fall in die FDP. Dann haben ich aber alle Parteiprogramme durchgearbeitet und fand keine Partei gut. Dann hat es nochmal ein bisschen gedauert und ich habe mich von Vorurteilen frei gemacht und mich doch für die FDP entschieden. Das Thema Freiheit bedeutet mir sehr viel und die FDP kommt meinen liberalen Vorstellungen am nächsten. In meinem Leben waren immer Menschen für mich da und der Staat hatte eigentlich nie die passenden Antworten für mich. Das ist etwas, das mir diesen Beitritt am Ende dann doch sehr leicht gemacht hat. Dazu muss man wissen, dass ich bei meinen Großeltern aufgewachsen bin, meine Eltern haben sich früh scheiden lassen, meine Mutter konnte sich nicht um mich kümmern. Da hat sich mir gezeigt, dass die Zivilgesellschaft, wie man das heute so trocken nennt, unglaublich viel kann. Deswegen FDP.

Haben Sie Geschwister?

Ja, eine zehn Jahre ältere Schwester, die betreibt die „Eis-Lotte“ in Bad Segeberg. Sie ist gelernte Bankkauffrau und hatte irgendwann keine Lust mehr auf das Finanzwesen und hat sich dann in der Gastronomie selbstständig gemacht. Und ich bin auch Onkel, habe einen Neffen, Theo.

Sie wollten schon früh in eine Partei eintreten, warum?

Meine Großeltern waren sehr politisch interessierte Menschen. Gespräche über Politik waren fester Bestandteil beim Mittagessen und Abendbrot. Dadurch hatte ich auch ein positives Bild von Parteien und wusste dass es dazu gehört, wenn man sich irgendwie beteiligen will. Deshalb war für mich klar, ich will in eine Partei. Man nimmt Teil an der Diskussion.

Vor drei Jahren sind sie zum Ortsvorsitzenden gewählt worden, im Alter von 23. Wie kam es dazu?

Ich hatte Lust darauf und hab mich dann am Ende durchgesetzt gegen Günther Barth. Es war eine Kampfkandidatur.

In Bad Bramstedt sind hauptsächlich ältere Männer in der Kommunalpolitik vertreten. Fühlen Sie sich von denen genug ernst genommen?

Also ich hatte nie das Gefühl, dass ich nicht ernst genommen werde. Es gab und gibt immer noch Reibereien und auch Konflikte. Aber, und das ist ja das Gute an der Demokratie, jeder hat ein Stimmrecht. Und meine Stimme zählt genauso viel wie die eines Stadtabgeordneten der SPD oder CDU. Am Ende zählt, was man sagt.

Scheuen Sie Konflikte?

Ehrlich gesagt finde ich Konflikte und Reibereien gar nicht so schlecht. Das Schlimmste für mich ist eine dreistündige Sitzung, in der gar nichts passiert, in der alle Parteien immer gleich abstimmen, es keine Diskussionen gibt. Das hat dann mit Liebe zu unserer politischen Kultur sehr wenig zu tun.

Also hinsichtlich Ihres Alters ist noch nie irgendein doofer Spruch gekommen, bei Diskussionen zum Beispiel?

Hinsichtlich meines Alters nie, nein. Aber ich wurde mal als „schnöseliger Oberlehrer“ bezeichnet. Das habe ich zur Kenntnis genommen, aber das trifft mich nicht persönlich.

Muss man sich in der Kommunalpolitik eine Art Panzer zulegen?

Nein, das würde es entmenschlichen. Es gelten die gleichen Regeln wie in jeder guten Diskussion. Man darf sich durchaus ein bisschen anpacken und man soll auch Spaß daran haben. Das hat auch was mit Leidenschaft zu tun. Aber man sollte sich darüber im Klaren sein, dass es ein Meinungsstreit ist, der einen am Ende nicht davon abhalten sollte, danach mit dem Gegenüber etwas trinken zu gehen.

Können Sie als Kommunalpolitiker denn andere Meinungen akzeptieren?

Ich würde einen Unterschied zwischen akzeptieren und tolerieren machen. Ich toleriere andere Meinungen. Akzeptieren würde ja bedeuten, dass ich mit damit zufrieden gebe. Und so funktioniert Politik ja nicht. Ich möchte ja andere Leute überzeugen.

Nenne Sie drei Dinge, die Sie in Bad Bramstedt verbessern oder ändern würden.

Mir ist wichtig, dass wir uns in Bad Bramstedt auf den Weg zu einem ausgeglichenen Haushalt machen. Ich finde, das ist eine Frage von Generationen-Gerechtigkeit. Dass wir fast jedes Jahr Millionen neue Schulden machen, finde ich ungerecht. Zweitens sollten wir zur Kenntnis nehmen, dass Bad Bramstedt eine wachsende Stadt ist, in der auch das Angebot mitwachsen muss. Jedes Jahr ziehen hier neue junge Familien her und wir denken darüber nach, wie wir die Innenstadt vor weiteren ’Gefahren’ von Außen schützen sollen. Wir sollten lieber darüber nachdenken, wie wir das Angebot im Ort erweitern können, die Innenstadt zu stärken aber auch Wirtschaft anzusiedeln. Und das Dritte wäre der Mut, ein paar Sachen neu anzustoßen. Zum Beispiel WLAN in der Innenstadt. Wir sind zwar eine Kleinstadt, aber das bedeutet nicht, dass die einzige Diskussion, die wir führen müssen, ist, wie die Laternen geformt sind.

Ist der FDP-Ortsverband für Sie ein Sprungbrett in die große Politik?

Ich mache das hier aus Überzeugung. Aber natürlich wäre es falsch zu sagen, ich werde jetzt 60 oder 70 Jahre lang hier bleiben. Ich mache das im Moment, weil es mir Spaß macht. Ich werde erst mal zu Ende studieren, jetzt Referendariat, dann zweites Staatsexamen. Was danach kommt, wird man sehen. Ich kann mir schon vorstellen, irgendwann mal für ein Parlament auf Landes- oder Bundesebene zu kandidieren. Aber ich möchte vorher auf jeden Fall ein paar Jahre arbeiten.

Wo soll es denn hingehen beruflich?

Ich habe ein Faible für öffentliches Recht, für Wirtschaftsregulierung und möchte auf jeden Fall ein paar Jahre in einem Unternehmen arbeiten.

Was machen Sie in Ihrer Freizeit?

Ich mache Kraftsport, probiere auch viele Sportarten aus, von Kickboxen bis zu Stand-Up-Paddling und ich lese auch gerne Zeitungen und Magazine und ich bin ein bekennender Videospieler.

Sie leben in Hamburg, haben dort eine Zweitwohnung, und auch hier in Bad Bramstedt. Wie würden Sie ein freies Wochenende dort und hier verbringen?

In Bad Bramstedt würde ich sehr viel lesen, im Wald laufen und mich mit Freunden treffen. Und in Hamburg würde ich wahrscheinlich auf der Alster paddeln.

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