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Amoklauf München - Was wir wissen und was nicht

Bei einem Amoklauf in München tötete ein 18-jähriger Schüler am Freitagabend neun Menschen und dann sich selbst. Stundenlang herrschte in München Unsicherheit und Panik. Was zunächst von Behörden als „akute Terrorlage“ eingestuft wurde, stellte sich als Gewalttat eines wohl psychisch kranken Einzeltäters heraus.

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Der Amoklauf in München schockt die Nation.

Quelle: Sven Hoppe/dpa

WAS WIR WISSEN:

München. - Bei einem Amoklauf am Freitagabend am Münchner Olympia-Einkaufszentrum gab es mindestens zehn Tote - darunter der Täter. Der Polizei zufolge wurde in und vor dem Zentrum sowie einem Schnellrestaurant geschossen. Der Täter verletzte mindestens 35 weitere Menschen. Er tötete sich anschließend selbst.

- Bei dem Täter handelte es sich um einen 18-jährigen Schüler, der in München geboren und aufgewachsen war. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) bestätigte, dass es sich um einen Deutsch-Iraner handelte. Der Täter litt nach Angaben der Ermittler unter „sozialen Phobien“ und Depressionen.

- Nach bisherigen Erkenntnissen handelte der 18-Jährige alleine. Frühe Angaben zu drei weiteren Personen, die mit Langwaffen in München unterwegs gewesen sein sollen, bestätigten sich nicht.

- Viele Todesopfer waren minderjährig. Unter den neun Getöteten waren drei Frauen. Alle Toten stammten aus München oder Umgebung, mindestens sieben von ihnen hatten einen Migrationshintergrund. Allerdings suchte der Täter sich seine Opfer nach Angaben der Ermittler nicht gezielt aus.

- Einen politischen Hintergrund schließen die Behörden aus. Sie ermittelten bislang eine Verbindung zu anderen Gewalttaten: Der Täter stellte Recherchen zur Tat des norwegischen Massenmörders Anders Behring Breivik an, der im Jahr 2011 77 Menschen tötete - am Freitag war der fünfte Jahrestag des Massenmords. Zudem besuchte der Täter im vergangenen Sommer Winnenden, den Ort eines früheren Amoklaufs, und machte dort Fotos. In der Wohnung des Täters fanden die Ermittler auch Bücher über Amokläufe.

- Ein Jahr lang bereitete der Täter den Behörden zufolge den Amoklauf vor und verfasste dazu ein Manifest, ähnlich wie Breivik. Auch kreierte er im Mai einen Fake-Account bei Facebook, wodurch er Menschen aufrief, zum Schnellrestaurant am Olympia-Einkaufszentrum zu kommen. Für den Account nutzte er Daten einer existierenden Person.

- Der Täter führte eine illegale Pistole des Kalibers 9 Millimeter bei sich, die Seriennummer war ausgefräst. Die Waffe wurde einst zu einer Theaterwaffe umfunktioniert, dann aber wieder zu einer scharfen Waffe umgebaut. Er kaufte sie vermutlich im Darknet, einem Bereich des Internets, in dem sich Internetnutzer quasi anonym bewegen können. Der junge Mann hatte über 300 Schuss Munition bei sich, mindestens 57 Schüsse gab er ab.

WAS WIR NICHT WISSEN

- Das Motiv des Täters ist weiterhin unklar. Es ist unter anderem nicht bekannt, was in dem Manifest steht.

- Auch konnten die Ermittler zunächst nicht sagen, ob es sich um einen geübten Schützen handelte und wie genau er an die Tatwaffe gelangte.

- Zwar erklärten die Behörden, der Täter habe sich die Opfer nicht gezielt ausgesucht - unklar ist aber bislang, warum er sich diesen Ort und Zeitpunkt für die Tat aussuchte.

- Im Jahr 2012 sei der Täter von Mitschülern gemobbt worden, sagten Ermittler. Unklar ist aber, ob es einen Zusammenhang des Mobbings zur Tat gab. Mitschüler seien aber nach bisherigen Erkenntnissen nicht unter den Opfern.

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