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Die Geschichten der Opfer von Las Vegas

Tod vor der Bühne Die Geschichten der Opfer von Las Vegas

Sie wollten ein Konzert besuchen, Spaß haben: Doch dann fielen die Schüsse: 59 Menschen starben bei dem Massaker von Las Vegas. Nach und nach werden immer mehr Einzelheiten ihrer Geschichten bekannt.

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Trauer um die Opfer von Las Vegas.

Quelle: imago

Las Vegas. Sie waren Schullehrer und Jugend-Footballtrainer, Makler und Geschäftsinhaber. Sie waren Eltern, Geschwister, Ehemänner, Ehefrauen, Nachbarn und Freunde. Viele kamen eigens nach Las Vegas, um ihre Lieblingsstars bei einem Country-Music-Festival auf der Bühne zu sehen, ließen Angehörige und Freunde mit Videos und Fotos in den sozialen Medien an ihrer Begeisterung und Freude teilhaben.

Dann eröffnete der 64-jährige Stephen Paddock aus einem Fenster im 32. Stock eines Hotels das Feuer. Und nun werden mindestens 59 der Konzertbesucher nie wieder nach Hause zurückkehren, andere für den Rest ihres Lebens von ihren Verletzungen gezeichnet sein – von den unsichtbaren Wunden gar nicht zu reden.

Während die Polizei nach dem Motiv für den Massenmord forschte, wurden immer mehr Einzelheiten über die Opfer bekannt, jene, die starben, und die Hunderten Verletzten.

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Es passierte während eines Konzerts des Countrysängers Jason Aldean am weltberühmten Strip in Las Vegas (Nevada): Plötzlich peitschten Salven aus einem Sturmgewehr durch die Nacht. Die Menschen rannten um ihr Leben.

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Zum Beispiel Jack Beaton, der mit seiner Frau Laurie auf dem Festival den 23. Hochzeitstag feierte. Als die Schüsse fielen, rief er nur „Runter, runter“ und legte sich zum Schutz auf sie, wie Laurie Beaton schilderte. „Es sagte mir ,Ich liebe dich’, er hatte seine Arme um mich und plötzlich wurde sein Körper einfach nur schwer.“ Unter ihm liegend habe sie verzweifelt seinen Namen geschrien, während sein Blut auf sie hinab strömte, sagte Beaton. Ein anderer Mann habe ihr dann geholfen, sie sei im Kugelhagel weggerannt und habe ihren blutenden Mann zurücklassen müssen. Sie fand ihn später in der Leichenhalle wieder.

Unter den Toten war auch Jenny Parks, eine Kindergärtnerin aus Kalifornien. Sie war mit ihrem Mann Bobby angereist, plante in der nächsten Woche eine Party für ihn: Da wird er 40 Jahre alt. Beide waren seit High-School-Tagen unzertrennlich, haben zwei Kinder, wie eine Freundin, Jessica Maddin, erzählte. Jenny wurde tödlich getroffen, Bobby erlitt Schussverletzungen an Arm und Hand und muss operiert werden. Maddin startete für ihn jetzt auf einer Crowdfunding-Seite im Internet eine Geldsammelaktion. „Es bricht mir das Herz“, sagte sie. „Menschen gehen zu einem Konzert, um Spaß und Kontakt mit anderen zu haben, den Tragödien dieser Welt zu entfliehen.“ Und nun das.

Andrea Castilla wurde blutend aus dem Schussfeld getragen

Andrea Castilla feierte in Las Vegas ihren 28. Geburtstag. Sie hielt die Hand ihrer Schwester, als sie während des Konzerts von einer Kugel getroffen wurde. Die Schwester und der Freund der jungen Frau trugen die blutende Castilla aus dem Schussfeld, hievten sie über einen Absperrzaun, stoppten ein vorbeifahrendes Auto und brachten sie so ins Krankenhaus, wie Castillas Tante erzählte. Stunden später wurde ihnen mitgeteilt, sie sei gestorben, doch im Computersystem des Krankenhauses wurde sie immer noch als lebend aufgeführt. War sie verwechselt worden? Die Familie schöpfte kurz Hoffnung. Aber dann wurde sie doch als eine der Toten identifiziert.

Christopher Roybal ist einer der 54 Opfer

Christopher Roybal ist einer der 54 Opfer. Erst vor wenigen Wochen schrieb der Soldat auf Facebook darüber, wie es ist, wenn man angeschossen wird. Jetzt traf ihn eine Kugel tödlich.

Quelle: Robert Alexander

Der 28-jährige Christopher Roybal war ein Soldat und vier Mal in Konfliktzonen im Nahen Osten eingesetzt. Schwierige Zeiten, in denen er selbst bei Kämpfen eine Schusswunde erlitt und einen guten Freund verlor. Aber wie Bekannte schildern, bewahrte Roybal seine positive Lebenseinstellung, ja ausgesprochene Lebensfreude. „Er konnte immer ein Lächeln auf dein Gesicht zaubern, trotz all der Dinge, die er (bei seinen Einsätzen als Soldat) durchgemacht hat“, erzählt David Harman, dessen Unternehmen das Fitness-Zentrum in Colorado betreibt, in dem Roybal arbeitete.

Erst im Juli hatte Roybal auf Facebook über den Kampfeinsatz geschrieben. „Wie es ist, wenn auf einen geschossen wird? Es ist ein Albtraum, keine Arznei, keine Therapie und keine betrunkenen Gespräche mit deinen ehemaligen Kriegsgefährten werden jemals helfen, (der Erinnerung) zu entkommen“, schrieb er.

Stacee Etcheber war mit ihrem Ehemann zu dem Konzert gekommen

Stacee Etcheber war mit ihrem Ehemann zu dem Konzert gekommen. Erst am Dienstag erhielt er die Nachricht, dass seine Frau bei dem Massaker ums Leben kam.

Quelle: AP

Stacee Etcheber aus Kalifornien kam mit ihrem Ehemann Vincent zum Konzert, einem Polizisten in San Francisco. Nach der ersten Schusssalve rief er ihr und drei gemeinsamen Freunden zu, sich zunächst hinter einer Absperrung zu verstecken und dann so schnell wie möglich wegzurennen, während er einem verletzten Konzertbesucher in seiner Nähe Hilfe leistete. Bis zum Dienstag wurde sie vermisst, doch dann wurde klar, dass auch sie tot war. Ihr Schwager Al Etcheber, der über Facebook ihren Tod bestätigte, beschrieb die 50-jährige Friseurin als eine „liebevolle Ehefrau und großartige Mutter“. Und als ausgesprochen zäh und widerstandsfähig: „Sie ist einfach das Salz der Erde.“

Charleston Hartfield war Polizist in Las Vegas, hatte am Sonntag frei und ging zum Konzert. Der 34-jährige trainierte ein Jugend-Footballteam. Er lässt einen Sohn und eine Tochter zurück.

Das Foto zeigt Karessa Royce und ihre Freundin Pam Rios

Das Foto zeigt Karessa Royce und ihre Freundin Pam Rios. Sie blieb an der Seite von Karessa, die schwer verletzt überlebte.

Quelle: AP

Studentin Karessa Royce wurde in der Schulter getroffen und operiert, aber sie wird überleben. Zu verdanken hatte das die 22-jährige Studentin aus Las Vegas einer Freundin, die die Verletzte schnell zu einem Krankenwagen brachte. „Sie hat ihr definitiv das Leben gerettet“, sagt Karessas Cousine Marissa Nino. Demnach dauerte es aber einige Zeit, bis die Familie Klarheit über das Schicksal der jungen Frau hatte: Denn Karessa trug keinen Ausweis bei sich. Sie befand sich nach der Operation auf der Intensivstation und konnte nicht sprechen, aber ihre Freundin erzählte der Familie, was geschah – und wich Nino zufolge im Krankenhaus nicht von der Seite der Verletzten.

Von dpa/RND

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