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Erste Dreier-Ehe geschlossen

Kolumbien Erste Dreier-Ehe geschlossen

Ehetrio statt Ehepaar: In Kolumbien wurde am Wochenende die erste Dreier-Ehe geschlossen. Die drei Männer ließen ihren Bund in Medellin notariell beglaubigen. Ursprünglich wollten sie sogar noch einen vierten in ihre Ehe aufnehmen.

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John Alejandro Rodriguez Ramirez, Manuel Jose Bermudez Andrade und Victor Hugo Prada (v.l.)

Quelle: dpa

Medellin. Während es in Deutschland um die Ehe zwischen Homosexuellen noch eine politische Debatte gibt, ist man in Kolumbien bereits einen Schritt weiter. In der Stadt Medellín feierten drei Männer ihren besonderen Dreierbund fürs Leben, der am vergangenen Wochenende notariell beglaubigt wurde. „Wir leben zusammen, teilen Haus, Bett, alles. Wir leben die Vielliebe (Polyamorie)“, sagte der Schauspieler Víctor Hugo Prada Ardila dem Radiosender Caracol mit Blick auf seine neuen Ehepartner Manuel José Bermúdez Andrade und John Alejandro Rodríguez Ramírez.

Eigentlich seien sie sogar vier Partner gewesen, die seit vier Jahren diese besondere Liebesbeziehung zueinander pflegen - aber der vierte Mann starb an Krebs. Bei der Feier des Dreier-Bundes wurde an ihn besonders erinnert. Gegen starken Widerstand der Kirche hatte das Verfassungsgericht 2016 die Homo-Ehe in Kolumbien zugelassen.

Prada berichtete, man habe drei Notare kontaktiert und die notwendigen Unterlagen eingereicht. Nach 15 Tagen sei er bei dem ersten Notariat vorbeigegangen und man habe ihn mit der Begründung abgewiesen, dass die Unterlagen noch nicht gelesen werden konnten. Beim zweiten hieß es, die verantwortliche Person sei verreist.

Erb- und Versorgungsregelungen im Todesfall werden einfacher

Beim dritten Notar, wo er am wenigsten Hoffnung gehabt habe, da dort eine Jesus-Figur im Büro hing, sei der Antrag problemlos akzeptiert worden. „Es gab eine offizielle Unterzeichnung des Dokuments und wir brachten vier Trauzeugen mit.“ Mit dem „Dreier-Bund“ („Trieja“) werde anerkannt, dass es auch andere Formen jenseits der klassischen Familie gebe. Mit der Legalisierung der „Dreier-Ehe“ werden Erb- und Versorgungsregelungen im Todesfall zwischen den Männern einfacher.

Weltweit gibt es bisher kaum solche eingetragenen Dreier-Ehen. In Rio de Janeiro heirateten 2015 drei Frauen, was in Brasilien zu einigen Debatten führte. Eine der Frauen betonte, jede Ehepartnerin habe zwar ihr eigenes Zimmer, aber man schlafe zu dritt im gleichen Bett.

Notare und Richter dürfen Homo-Ehe nicht mehr ablehnen

Nach der Entscheidung des kolumbianischen Verfassungsgerichts für die Homo-Ehe 2016 waren die Richter und Notare des Landes angewiesen worden, dass sie Eheschließungen zwischen zwei Männern oder Frauen nicht mehr ablehnen dürfen - zu Eheschließungen mit drei oder mehr Partnern gab es keine Regelung. Adoptionen von Kindern sind erlaubt.

In Südamerika gibt es neben Kolumbien bisher in Brasilien, Argentinien und Uruguay das Recht auf die gleichgeschlechtliche Ehe.

Die Legalität der Polygamie wird weltweit sehr unterschiedlich behandelt. Während die Vielehe im westeuropäischen Kulturkreis verboten ist, praktizieren sie in den USA zumindest fundamentalistische Gruppierungen der Mormonen, wenn auch illegal. Dagegen ist Polygamie in einigen Teilen Ozeaniens und Afrikas nicht ungewöhnlich.

Von RND/dpa/krö

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