8 ° / 1 ° wolkig

Navigation:
Papst spricht Mutter Teresa heilig

Hunderttausende in Rom Papst spricht Mutter Teresa heilig

Für viele war sie schon zu Lebzeiten eine Heilige, nun ist sie es offiziell: Papst Franziskus hat die Friedensnobelpreisträgerin Mutter Teresa heiliggesprochen. Ein nicht unumstrittener Schritt.

Voriger Artikel
Spätsommerliches Wetter kehrt zurück
Nächster Artikel
"Hermine" verdirbt Millionen Amerikanern den Sommerausklang

Papst Franziskus hat die Ordensfrau Mutter Teresa heiliggesprochen.

Quelle: Vincenzo Pinto/AFP

Rom. Papst Franziskus hat die Ordensfrau Mutter Teresa heiliggesprochen und damit ein Zeichen für eine barmherzige Kirche der Nächstenliebe gesetzt. Rund 19 Jahre nach dem Tod der Friedensnobelpreisträgerin verlas der Pontifex am Sonntag vor Hunderttausenden Pilgern auf dem Petersplatz in Rom in einer feierlichen Zeremonie die entsprechende Formel. Die als „Engel der Armen“ berühmt gewordene Nonne darf damit in der katholischen Kirche weltweit als Heilige verehrt werden. Die Messe auf dem Petersplatz war eines der größten Ereignisse in der bisherigen Amtszeit von Papst Franziskus.

„Mutter Teresa war in ihrem ganzen Leben eine großherzige Ausspenderin der göttlichen Barmherzigkeit, indem sie durch die Aufnahme und den Schutz des menschlichen Lebens ... für alle da war“, würdigte der Papst Mutter Teresa in seiner Predigt. „Ihre Mission in den Randzonen der Städte und den Randzonen des Lebens bleibt in unserer Zeit ein beredtes Zeugnis für die Nähe Gottes zu den Ärmsten der Armen.“ Im Angelus-Gebet beklagte Franziskus, dass Menschen, die sich für andere aufopferten, verfolgt und sogar getötet würden.

Für Papst Franziskus dürfte die Heiligsprechung als ein Höhepunkt des Heiligen Jahres der Barmherzigkeit auch ein starkes Zeichen sein. Der Argentinier wünscht sich eine „arme Kirche für die Armen“, wie auch Mutter Teresa steht er für Nächstenliebe und Barmherzigkeit. So lud er 1500 Obdachlose und Bedürftige zum Mittagessen ein. Die Menschen aus ganz Italien sollten nach der Messe gemeinsam Pizza essen, wie das päpstliche Almosenamt berichtete.

Die 1910 als Tochter albanischer Katholiken geborene Agnes Gonxha Bojaxhiu war durch ihren Einsatz für die Armen weltbekannt geworden. Mit ihrem Orden „Missionarinnen der Nächstenliebe“ kümmerte sie sich im indischen Kolkata um Bedürftige. Vielen galt sie daher schon zu Lebzeiten als Heilige, in Indien, wo sie auch als „Heilige der Gosse“ verehrt wird, ist ihre Beliebtheit immer noch ungebrochen.

Mit Gebeten und Veranstaltungen begleitete der Orden in Indien die Heiligsprechung der Nonne. Allein im Haupthaus in Kolkata versammelten sich Hunderte Nonnen und Besucher, um die Heiligsprechung auf Großbildschirmen zu verfolgen. Der indische Präsident Pranab Mukherjee nannte Mutter Teresa in einer Mitteilung einen „Messias der Armen“.

Stolze Balkanländer

Mit Stolz reagierten Balkanländer auf die Heiligsprechung „ihrer“ Mutter Teresa. „Kleine Nation - Große Heilige“, schrieb Albaniens Außenminister Ditmir Bushati auf Facebook. Der Staatschef Mazedoniens, Djordje Ivanov, verfolgte die Heiligsprechung auf dem Petersplatz. Mutter Teresa war in der heutigen mazedonischen Hauptstadt Skopje geboren worden. „Unser Volk hat der Welt eine liebenswerte Mutter für alle Menschen geschenkt“, sagte Kosovo-Staatspräsident Hashim Thaci. Die Mutter der Nonne stammt aus dem Kosovo.

Doch viele sehen ihre Heiligsprechung auch kritisch. Mutter Teresa wird vorgeworfen, nur die Symptome der Armut statt die Ursachen bekämpft zu haben, auch ihre Einstellung zu Abtreibung und Verhütung gefiel Kritikern nicht. Zudem tauchten nach ihrem Tod Briefe auf, aus denen hervorgeht, dass Mutter Teresa oft an Gott zweifelte. Eine Dokumentation prangerte Missstände in Mutter Teresas Heimen an.

Das Interesse an der Heiligsprechung in Rom war dennoch enorm. Neben Hunderttausenden Menschen vor Ort wurde das Ereignis im Fernsehen in mehr als 100 Länder übertragen. Zahlreiche internationale Delegationen, darunter auch aus Indien, waren auf dem Petersplatz dabei. Tausende Sicherheitskräfte waren im Einsatz, über dem Vatikan war am Vormittag eine Flugverbotszone eingerichtet worden.

Die Heiligsprechung nur etwa 19 Jahre nach ihrem Tod ist eine der schnellsten in der Geschichte der katholische Kirche. Nur sechs Jahre nach ihrem Tod war Mutter Teresa 2003 bereits von Papst Johannes Paul II. seliggesprochen worden. Im vergangenen Jahr erkannte Papst Franziskus dann das für die Heiligsprechung nötige zweite Wunder an und machte den Weg frei. Dass ihr erstes Wunder, die Heilung einer Frau in Indien von Krebs, umstritten ist, hielt den Prozess nicht auf.

Mit Hilfe von Mutter Teresa soll ein schwer kranker Brasilianer im Jahr 2008 von mehreren Infektionen im Gehirn geheilt worden sein. Vorher hatten er und seine Frau zu der Nonne gebetet. „Ich bin sehr dankbar, mein größtes Wort ist Dankbarkeit“, sagte Marcílio Haddad Andrino, der mittlerweile gegen jede medizinische Wahrscheinlichkeit mit seiner Frau Kinder hat.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten: Aus der Welt 2/3