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Flensburger will „Landshut“ aus Brasilien holen

Museum mit Ex-Lufthansa-Maschine Flensburger will „Landshut“ aus Brasilien holen

Die „Landshut“ war Schauplatz des „Deutschen Herbstes“ 1977 und rottet in Brasilien vor sich hin. Mehrere Initiativen wollen das ändern - und dem Flugzeug eine Heimat in Deutschland geben.

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Die frühere Lufthansa-Maschine "Landshut" steht flugunfähig auf dem Flughafen in Fortaleza, Brasilien.

Quelle: dpa

Flensburg/Griesheim. In der Diskussion um eine mögliche Rückholung der Lufthansa-Maschine „Landshut“ aus Brasilien haben mehrere Initiativen Interesse an dem historischen Flugzeug bekundet. Dem Auswärtigen Amt „habe ich geschrieben (...), dass ich mich auch finanziell engagieren und ein Museum in die Welt setzen würde“, sagte etwa der Unternehmer Thomas Liebelt, der die Boeing 737 an den seit 1911 bestehenden Flugplatz nach Flensburg lotsen will. Die Kosten für Hangar und Infrastruktur schätzt er auf 1 bis 1,75 Millionen Euro.

Ob das Flugzeug, das palästinensische Terroristen 1977 auf dem Weg von Mallorca nach Frankfurt gekapert hatten, überhaupt nach Deutschland kommt, ist laut Auswärtigem Amt noch offen. „Wir sind am Anfang von Projektideen“, sagte ein Sprecher. Flensburg sei einer der Orte, an denen solche Ideen entstanden sind. „Das begrüßen wir sehr und das freut uns.“ Er habe mit Flensburgs Oberbürgermeisterin Simone Lange (SPD) gesprochen, „aber weder gibt es konkrete Entscheidungen noch ist völlig klar, was jetzt damit wird“.

Unternehmer Thomas Liebelt möchte für die Ex-Lufthansamaschine «Landshut», die derzeit in Brasilien verrottet, am Flensburger Flughafen ein Museum bauen.

Quelle: Alexander Preker

Die 1970 in Dienst gestellte „Landshut“ steht seit 2008 auf dem Flugplatz der Stadt Fortaleza. Sie war zuletzt als Frachtflugzeug unterwegs und ist in einem sehr schlechten Zustand. Die Außenhaut ist verwittert, Kabinenfenster sind zugeklebt, die Reifen platt, die Turbinen beschädigt.

Die Bedrohung durch den Terror der Roten Armee Fraktion (RAF), die die vier Palästinenser mit der Entführung des Flugzeugs unterstützen wollten, hatte Kaufmann Liebelt damals hautnah mitbekommen. Etwa, so erzählte er es, als ihn mit Maschinenpistolen bewaffnete Polizisten als Autofahrer kontrollierten. Die Befreiung des nach Mogadischu entführten Flugzeugs durch die damals neue Spezialeinheit GSG-9 „war der Anfang vom Ende der RAF und eine unglaubliche Erleichterung“, erinnert sich Liebelt. Diese Erinnerung möchte der heute 68 Jahre Vorsitzende des Flensburger Luftsportvereins erhalten.

In dem Wettlauf um das Flugzeug, über den zuvor bereits mehrere Medien berichtet hatten, ist Liebelt nicht der einzige Interessent. Auch Burkhard Fiebig aus dem hessischen Griesheim würde das Flugzeug gerne zeigen. „Bereits 2007 hatte ich Altkanzler Helmut Schmidt angeschrieben. (...) Damals war sie noch flugtauglich“, sagte der Vereinsvorsitzende eines geplanten Luftfahrtmuseums.

„Was ich schade fände, ist, wenn sie zu Cola-Dosen verarbeitet würde“, sagte Fiebig wie zuvor auch die frühere „Landshut“-Stewardess Gabriele von Lutzau der „Allgemeinen Zeitung“. Fiebigs Förderverein für ein Luftfahrtmuseum würde sich gern um das Flugzeug kümmern. Finanziell könne der Verein ein Museum aber nicht stemmen.

Beide Interessenten verweisen auf eine mögliche wissenschaftliche Anbindung an ihren Standorten - Liebelt auf das Wissenschaftsmuseum Phänomenta in Flensburg, in dem er auch Vorstand ist, und auf die für Lehrerausbildung bekannte Europa-Universität. Fiebig bringt die nahe Griesheim gelegene TU Darmstadt ins Spiel.

Der frühere Co-Pilot der „Landshut“, Jürgen Vietor, bevorzugt angesichts des tagelangen Leidens von etwa 90 Passagieren in der Maschine und der Ermordung von Pilot Jürgen Schumann einen ganz anderen Standort: Das Haus der Geschichte in Bonn. „Hier wurden in unmittelbarer Nachbarschaft Entscheidungen über Leben und Tod getroffen“, sagte der 74-Jährige mit Blick auf den Sitz des Bundeskanzleramts.

Dem Mainzer SWR-Journalisten und Zeithistoriker Martin Rupps, der bereits seit Jahren die Geschichte des „Deutschen Herbstes“ aufarbeitet, ist vor allem wichtig, dass die Maschine im Ganzen zurückkommt. Ausschlachten, das Leitwerk an die GSG9 und eine Tür fürs Museum, hält er der Bedeutung des Flugzeugs für nicht angemessen. Die Befreiung habe zahlreiche Weichen gestellt - vor allem für die Zukunft von Kanzler Helmut Schmidt und GSG-9. „In sieben Minuten wurde deutsche Geschichte geschrieben“, sagte er zur Erstürmung des Flugzeugs. Außer drei der vier Terroristen kam dabei niemand um.

Beim Auswärtigen Amt will man die Vorschläge und Ideen zur Zukunft des Flugzeugs sammeln. Das Ministerium verstehe sich als „Institution, die kreative Ideen und Vorschläge zusammenbringt“. Experten sollten dann ermitteln, „ob man ein Gesamtkunstwerk zusammenbekommt. Daran wollen wir uns gerne beteiligen“, sagte der Sprecher. Im Haus der Geschichte zeigt man sich allerdings zugeknöpft: „Für uns ist das kein Thema“, sagte ein Sprecher. „Wir können in unserem Museum kein ganzes Flugzeug ausstellen.“

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