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Über 70 Tote bei Lastwagen-Attacke

Nizza Über 70 Tote bei Lastwagen-Attacke

Tote, Panik, rennende Menschen: Zum Nationalfeiertag ist in der südfranzösischen Stadt Nizza ein Lastwagen in eine feiernde Menschenmenge. Es gibt viele Opfer. Das von Anschlägen erschütterte Frankreich hatte die Sicherheitsmaßnahmen zuvor verstärkt.

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Ein Lastwagen ist in Nizza bei den Feiern zum französischen Nationalfeiertag in eine Menschenmenge gerast und hat mehrere Dutzend Menschen getötet.

Quelle: AFP

Nizza. Ein Lastwagen ist in Nizza bei den Feiern zum französischen Nationalfeiertag in eine Menschenmenge gerast und hat mehrere Dutzend Menschen getötet. Es gebe «vielleicht etwa 30» Todesopfer, sagte der Unterpräfekt des Verwaltungsbezirks Alpes-Maritimes, Sébastien Humbert zunächst. Mittlerweile ist die Rede von über 70 Menschen, die getötet wurden, bestätigte der Erste Beigeordnete des Bürgermeisters der Stadt.


Der französische Präsident François Hollande wollte in Paris an einer Sitzung des Krisenstab im Innenministerium teilnehmen. Wie die Nachrichtenagentur AFP in der Nacht zum Freitag weiter unter Berufung auf den Élysée-Palast berichtete, sprach Hollande zuvor bereits mit Premierminister Manuel Valls und Innenminister Bernard Cazeneuve.

Der Lastwagen sei an der bei Touristen beliebten Strandpromenade von Nizza in die Menschenmenge gerast - und zwar über eine lange Distanz. Deshalb sei die Zahl der Opfer auch so hoch. Die Bilanz sei allerdings noch unsicher und vorläufig. Er sprach von einem «kriminellen Angriff». Zur Frage, ob es sich um einen Terrorangriff handele, äußerte er sich nicht. Humbert rief dazu auf, das Stadtzentrum zu meiden.

Das Auswärtige Amt in Berlin riet dringend dazu, den Anweisungen der französischen Sicherheitskräfte Folge zu leisten und sich zur Lageentwicklung über die Medien informiert zu halten.

Facebook aktiviert Sicherheitscheck

Menschen in der Region können ihren Freunden auf Facebook mitteilen, ob sie in Sicherheit sind. Das Netzwerk aktivierte in der Nacht zum Freitag die entsprechende Funktion, die unter anderem bereits nach der Terrorserie von Paris im vergangenen November im Einsatz war. Zudem können Menschen über den Twitter-Account @RechercheNice nach Angehörigen suchen:


Auch die Zentrale für Opferhilfe im französischen Außenministerium hat nach der Lastwagen-Attacke auf eine Menschenmenge in Nizza eine Notrufnummer für Angehörige eingerichtet. Die Hotline sei unter der Nummer +33143175646 zu erreichen, berichtete Ministeriumssprecher Romain Nadal auf Twitter.

#PortesOuvertesNice

Internet-Nutzer können nach der Attacke in Nizza mit dem Schlagwort #PortesOuvertesNice (offene Türen Nizza) nach Zuflucht suchen. Unter anderem auf Twitter wurde der Hashtag in der Nacht zum Freitag tausendfach verbreitet. Einwohner von Nizza boten anderen eine Unterkunft an, damit diese nach der Attacke nicht auf der Straße bleiben mussten. Der Hashtag wurde von Dutzenden auch dazu genutzt, um tatsächlich oder vorgeblich vermisste Bekannte ausfindig zu machen. Nach den Terroranschlägen von Paris im November hatte bereits der Hashtag #porteouverte die Runde gemacht, um Auswärtigen einen Unterschlupf anzubieten.

Verwirrung und Panik

Die zuständige Präfektur habe die Bevölkerung aufgerufen, zuhause zu bleiben, berichtete die Nachrichtenagentur AFP. Zahlreiche Rettungsmannschaften waren am Abend im Einsatz.

Die Zeitung «Nice Matin» berichtete am Donnerstagabend auf ihrer Internetsetseite, auf der berühmten Promenade des Anglais habe Panik und Verwirrung geherrscht. In Sozialen Medien kursierten zunächst nicht verifizierte Aufnahmen, die zeigen, wie Menschen wegrennen.

Unter erhöhten Sicherheitsvorkehrungen hat Frankreich den Nationalfeiertag begangen. Für die traditionelle Militärparade auf den Champs-Élysées in Paris waren rund 11 500 Sicherheitskräfte mobilisiert wurden.

Französischer Nationalfeiertag

Am Nationalfeiertag wird jedes Jahr der Erstürmung des Pariser Bastille-Gefängnisses am 14. Juli 1789 gedacht, die als Beginn der Französischen Revolution gilt.

Frankreich war wiederholt Ziel von Anschlägen. Bei islamistischen Attentaten waren im vergangenen Jahr 149 Menschen gestorben, davon 130 bei der Pariser Terrorserie am 13. November 2015. Während der kürzlich zu Ende gegangenen Fußball-Europameisterschaft hatte ein Mann, der sich zur Terrormiliz Islamischer Staat (IS) bekannte, nahe Paris einen Polizisten und dessen Partnerin umgebracht. Das Turnier fand unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen statt.

Frankreichs Präsident François Hollande hatte am Donnerstag angekündigt, den seit November 2015 geltenden Ausnahmezustand in dem Land nicht über den 26. Juli hinaus verlängern. Man könne diese Maßnahme nicht ewig aufrechterhalten, sagte er in einem Fernsehinterview. Der Ausnahmezustand war mehrfach verlängert worden.

Keine Geiselnahme

Der Fahrer des Lastwagens ist tot. «Die Polizei hat ihn neutralisiert, er ist tot», sagte der Sprecher des französischen Innenministeriums, Pierre-Henry Brandet, der Nachrichtenagentur AFP. Er widersprach auch Gerüchten über eine Geiselnahme nach dem Lastwagen-Angriff in Nizza: «Es gibt keine Geiselnahme.» Der Premierminister habe den Krisenstab einberufen. Derzeit liefen Ermittlungen, um zu klären, ob der Lastwagenfahrer allein gehandelt oder Komplizen gehabt habe, die möglicherweise die Flucht ergriffen hätten.

Reaktionen nach der Attacke

Politiker aller Parteien sind entsetzt, auch in Deutschland.

  • Ehemaliger französischer Präsident Nicolas Sarkozy auf Twitter

«Tiefes Mitgefühl und unendliche Traurigkeit angesichts der Attacke in Nizza. Solidarität gegenüber den Bewohnern von Nizza und den Einwohner (des Departements) Alpes-Maritimes.»


  • Justizminister Heiko Maas auf Twitter


  • Grünen-Parteivorsitzende Simone Peter auf Twitter


  • FDP-Chef Christian Lindner auf Twitter


  • Sprecher der Regierung Steffen Seibert auf Twitter


dpa
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