16 ° / 10 ° wolkig

Navigation:
Fingerabdrücke überführen Täter seit 125 Jahren

Wer ist der Mörder? Fingerabdrücke überführen Täter seit 125 Jahren

Sie vergleichen winzige Linien und finden Einzigartiges: Fingerabdruck-Experten der Polizei helfen beim Lösen selbst kniffligster Fälle. Gelingt ihnen das auch im Fall des mutmaßlichen Serienmörders Manfred S.?

Voriger Artikel
Avocado-Boom führt zu illegaler Abholzung in Mexiko
Nächster Artikel
Im Wald und auf der Wiese: Draußen-Sport ist angesagt

Kriminalhauptkommissar Felix Moser erläutert beim Bundeskriminalamt (BKA) in Wiesbaden (Hessen) Fingerabdrücke.

Quelle: Isabell Scheuplein/dpa

Wiesbaden. Felix Moser lehnt sich etwas nach vorne. „Hier ist eine Linie unterbrochen, hier laufen zwei zusammen.“ Der Kriminalhauptkommissar zeigt im Hessischen Landeskriminalamt auf einen großen Bildschirm mit zwei stark vergrößerten Fingerabdrücken. Der Laie blickt verständnislos auf eine Ansammlung dünner Striche. Für den Experten dagegen steht in wenigen Minuten fest, wer den Abdruck am Tatort hinterlassen hat: Ein Mann, der in der zentralen Fingerabdruck-Datenbank der Polizei erfasst ist.

Rund 4,2 Millionen Menschen sind darin mit allen zehn Fingern gespeichert. AFIS heißt die Datenbank - automatisiertes Fingerabdruck-Identifizierungs-System. Die Datenbank startete 1993 und wird beim Bundeskriminalamt (BKA) geführt. Auch Handflächen sind hier erfasst. Werden Abdrücke an einem Tatort sichergestellt, suchen die Landeskriminalämter nach Übereinstimmungen, auch international tauscht sich die Polizei aus.

In der Wiesbadener Landesbehörde können Moser und seine Kollegen zudem Abdrücke auch von schwierigen Untergründen sichern, wie etwa Banknoten oder Klebebänder. Momentan liegt ihnen ein potenziell wichtiges Beweisstück im Fall des mutmaßlichen Serienmörders Manfred S. vor, eine Klarinette. Der 2014 verstorbene Hobbymusiker steht im Verdacht, in den vergangenen Jahrzehnten in Frankfurt bis zu zehn Menschen aus sadistischen Motiven ermordet und grausam verstümmelt zu haben.

Die Ermittler hoffen, auf dem Instrument Abdrücke von ihm sicherzustellen und S. so weitere Morde nachweisen zu können, wie an dem Frankfurter Schüler Tristan. Bisher kennen sie nur den Abdruck von sechs seiner Finger.

Die Geschichte des polizeilichen Einsatzes der Daktyloskopie, wie die Identifizierungsmethode heißt, begann in Deutschland im Jahr 1903 in Dresden. Polizeipräsident Paul Köttig schuf im Königreich Sachsen die erste mit sogenannten daktyloskopischen Formeln arbeitende Sammlung. Weltweit jährt sich die Verwendung bei der Verbrecherjagd nun zum 125. Mal. Denn seit dem 1. September 1891 wendete der gebürtige Kroate Juan Vucetich im argentinischen La Plata Fingerabdrücke in der polizeilichen Arbeit an, ein Jahr später gelang es ihm, damit eine Frau als Mörderin ihrer beiden Kinder zu überführen.

Zuvor musste sich die Polizei mit anderen Körpermerkmalen abmühen, mit der Länge von Unterarmen oder dem Abstand der Augen etwa. Keines davon sei so individuell wie der Fingerabdruck, sagt Moser, der im Laufe seiner Tätigkeit schon Zehntausende Abdrücke gesichtet hat. Selbst bei eineiigen Zwillingen unterscheiden sich die feinen Linien, die dem Menschen Grifffestigkeit an den Händen und Füßen verschaffen. Sie bilden sich noch im Mutterleib aus - nach einem Zufallsprinzip - und bleiben das ganze Leben lang gleich.

Das Bundeskriminalamt (BKA) schreibt der Methode, Fingerabdrücke zu erfassen und zu vergleichen, nach wie vor eine „sehr große Bedeutung“ zu. Sie sei schnell, sicher und kostengünstig, und habe damit mehrere große Vorteile gegenüber anderen Methoden, sagt eine Sprecherin.

Hauptkommissar Moser sagt, der Vergleich von Fingerabdrücken sei auch dem von DNA in bestimmten Aspekten überlegen: „Eine Zigarette mit einer DNA-Spur kann zufällig oder absichtlich an einen Tatort gebracht worden sein, ein Fingerabdruck nicht.“ Im letzteren Fall sei eine „absolut sichere Aussage“ möglich, dass eine bestimmte Person die Spur verursacht hat. Gerichtlich sei seit einem Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) von 1952 klargestellt, dass ein Fingerabdruck als Beweis ausreiche, um einen Täter zu überführen (Az.: 3 StR 229/52).

Doch auch diese Methode hat ihre Grenzen: „Wann und unter welchen Umständen ein Mensch einen Fingerabdruck hinterlassen hat, das können wir nicht sagen“, sagt Moser. Es habe immer wieder Versuche gegeben, das Alter der Abdrücke zu bestimmen, sagt der Hauptkommissar. Bisher seien sie erfolglos geblieben. In vielen Kriminalfällen könnte genau dies den Durchbruch geben.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten: Aus der Welt 2/3