22 ° / 8 ° wolkig

Navigation:
"Akte Ötzi": Mord an Ötzi war heimtückisch

Archäologie "Akte Ötzi": Mord an Ötzi war heimtückisch

War es Neid, Kränkung oder Zurückweisung? Warum Ötzi vor über 5000 Jahren umgebracht wurde, untersucht einer der bekanntesten Profiler Deutschlands. Der nennt neue Details aus der "Akte Ötzi".

Voriger Artikel
Fruchtfliegen liefern neue Erkenntnisse über Tumoren
Nächster Artikel
Stammzellforschung verspricht neue Erkenntnisse über Krebs

Mordopfer: Gletschermann Ötzi wurde vermutlich aus «heimtückischen» Motiven umgebracht.

Quelle: Südtiroler Archäologiemuseum / Ochsenreiter / Archiv

Bozen. Ötzi wurde vermutlich aus "heimtückischen" Motiven umgebracht. Grund sei eine "persönliche Konfliktsituation" gewesen, sagte der Münchner Profiler und Hauptkommissar Alexander Horn der Deutschen Presse-Agentur in Bozen zum 25. Jahrestag der Entdeckung der Gletschermumie.

Ötzi habe nicht mit seinem Tod gerechnet, er sei wohl auch nicht auf der Flucht gewesen, da er noch vor seinem Tod gut gegessen habe. Er sei aus der Distanz mit einem Pfeil angeschossen worden. "Es entspricht dem heutigen Mordmerkmal Heimtücke."

"Es ist wahrscheinlich, dass er (der Mord an Ötzi) ähnlich banal ablief wie andere Morde heutzutage auch", so Horn weiter. Neid, Zurückweisung oder Kränkung könnten ein Motiv der Tat gewesen sein. Ob eine Beziehungstat, ein Auftragsmord oder gar eine Frau hinter der Tötung steckt, sei nicht zu sagen. "Dazu müsste man das Opferumfeld befragen, und das gibt es ja in diesem Fall nicht." Der Fall könne vermutlich nie komplett aufgeklärt werden.

Der Mann aus dem Eis wurde am 19. September vor 25 Jahren in der italienisch-österreichischen Grenzregion in den Alpen gefunden. Er ist etwa 5300 Jahre alt. Zum Jubiläum läuft in Bozen, wo die Mumie im Archäologiemuseum ausgestellt ist, bis Mittwoch ein Wissenschaftskongress am Eurac-Institute for Mummies and the Iceman.

Der "Mordfall Ötzi" ist eines von vielen Themen, die bei dem Kongress besprochen werden. Raubmord könne ausgeschlossen werden, da Ötzis Kupferbeil noch am Fundort gelegen sei, sagte Horn, der schon an Fällen wie den Morden des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) oder des "Maskenmanns", der kleine Jungen getötet hatte, gearbeitet hat. Eine Verletzung an Ötzis Hand deute darauf hin, dass er Tage vor seinem Tod noch in einen Kampf verwickelt war. Weil es keine weiteren Verletzungen gegeben habe, gehe man davon aus, dass er in dem Kampf nicht unterlegen gewesen sei.

Eine weitere Erkenntnis des Wissenschaftler-Treffens: Ötzi könnte aus der Toskana stammen. Anders als bisher vermutet, stammt das Kupfer der Klinge nicht aus dem Alpenraum (Ost- oder Nordtirol schienen Experten die wahrscheinlichsten Herkunftsorte), sondern aus Mittelitalien, heißt es in einer Mitteilung von dem Kongress. Die Forschungsgruppe um Gilberto Artioli von der Universität Padua fand heraus, dass das Metall aus südtoskanischem Erz gewonnen wurde.

"Mit diesem Befund hatte niemand gerechnet. Wir werden weitere Analysen in Auftrag geben um diese ersten Ergebnisse abzusichern", sagte die Direktorin des Südtiroler Archäologiemuseums Angelika Fleckinger. Daraus leiteten sich neue Fragen ab, wie zum Beispiel ob Ötzi als Händler womöglich bis in die Gegend des heutigen Florenz gekommen war.

dpa

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten aus der Welt: Panorama 2/3