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Anschubhilfe für deutsche Modedesigner

Mode Anschubhilfe für deutsche Modedesigner

Die Hoffnung der deutschen Mode sitzt in einer kleinen Wohnung im Trubel von Berlin-Neukölln. Annelie Augustin (29) und Odély Teboul (27) bereiten ihre Kollektion für die Berliner Modewoche (3.-8. Juli) vor: handgearbeitete Kleiderwunder in Schwarz.

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Christiane Arp (m.) mit den beiden Modedesignerinnen Annelie Augustin (l) und Odely Teboul

Quelle: Trevor Good/Conde Nast

Berlin. Nicht nur der große öffentliche Auftritt steht beiden bevor. Sie nehmen auch an einer besonderen Art der Mode-Förderung teil: an einem "Salon" der deutschen "Vogue" im vornehmen "Hotel de Rome" - am 6. Juli. Eine handverlesene Zahl junger Designer trifft dabei auf eine Elite von Einzelhändlern. Das persönliche Gespräch und Händeschütteln sollen ihnen Türen öffnen. Bisher wurden junge Modemacher eher durch Preise bei Wettbewerben unterstützt wie beim "New Faces Award Fashion" vom Burda-Verlag oder durch das Sponsoring der Schauen.

Im vergangenen Sommer startete das Modemagazin den Salon mit vier Namen: Neben dem Label Augustin Teboul waren der Frankfurter René Storck und die Berliner Vladimir Karaleev und Michael Sontag dabei. Im Winter kam Dawid Tomaszewski hinzu.

Nun wird die Teilnehmerzahl noch mal erhöht, unter den Newcomern sind die Macher des Berliner Labels Achtland sowie die Designerin Isabell de Hillerin. "Es ist ein großes Kompliment, wenn man hier ausgewählt wird", sagt Odély Teboul. "Die "Vogue" gilt einfach als Modebibel", fügt Annelie Augustin hinzu.

Christiane Arp, Chefredakteurin der deutschen Ausgabe, zählt zu den mächtigsten Frauen der hiesigen Szene. Vor zwei Saisons rief sie den Salon ins Leben. Oft habe sie sich geärgert, erzählt sie, "über die ganzen Schlaumeier, die den Erfolg der Berliner Modewoche im Vergleich mit Paris oder Mailand diskutieren, aber nicht die Einzigartigkeit des Berliner Konzepts erkennen". An sie werde oft die Frage gerichtet, ob es überhaupt gutes Design in Deutschland gebe. "Ich sehe in meinem Beruf vieles. Darum kann ich sagen, dass ich an Berlin glaube, weil es dieses Potenzial an gutem Design gibt. Es sind Pflänzchen, die man pflegen muss."

Bei den Überlegungen, wie sie diese Pflege selbst betreiben könne, verschmolz Arp die Idee eines Treffens im "Salon" mit der eines Forums für talentierte Modemacher. Die Kreativen wählte sie subjektiv aus. "Ich glaube, dass ich nach den vielen Jahren in der Mode sehen kann, wo sich ein besonderes Talent verbirgt", erzählt sie. Und die deutschen Einzelhändler sind aus ihrer Sicht eine für den Erfolg maßgebliche Schnittstelle im Geschäft.

Wenn einer Leserin ein im Heft vorgestelltes Teil gefalle, dann wolle sie es auch kaufen. Somit brauche man für den Erfolg der jungen Modemacher den Handel. "Den musste und muss ich noch überzeugen", sagt Arp. "Die deutschen Einzelhändeler suchen international. Ich wollte, dass sie in Berlin finden, was sie Deutschland bis dato nicht zugetraut haben. Dass man den Salon betritt und sagt: "Wow! Das gibt es hier."" Bei der Veranstaltung sehen die Einkäufer die Entwürfe jedes Designers in Form einer Installationen. Zudem erklären die Modemacher ihre Kollektionen.

Dass die Top-Händler oft nicht auf Talentsuche im eigenen Land gehen, hat auch mit Terminproblemen zu tun. Zwischen Orderwochen in den klassischen Mode-Städten Mailand, Paris oder New York bleibt kaum Zeit, sich mit unbekannteren Namen zu beschäftigen. Zudem gelten internationale Marken wie Prada als "sichere Bank" für gute Verkäufe.

Oft halten Händler es zudem für unwahrscheinlich, dass ihre Kundin für die avantgardistischen Entwürfe eines Vladimir Karaleev viel Geld ausgeben würde. "Ich glaube, dass wir Frauen modisch schon weiter sind, als das, was wir meist in deutschen Schaufenstern sehen", widerspricht dem Christiane Arp.

Doch was passiert, wenn so geförderte Designer abwandern und lieber im Ausland ihre Schauen zeigen? Nach Arps Meinung ist das zweitrangig. Ihr geht es zwar auch um die Stärkung der Berliner Fashion Week, doch zuerst um die Modemacher. "Wenn ein deutscher Designer das Gefühl hat, er sei besser aufgehoben in Paris oder Mailand, werde ich die Letzte sein, die sagt, das sei falsch."

dpa

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