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Menschliches Versagen: Zehn Tote bei Zugunglück

Bad Aibling Menschliches Versagen: Zehn Tote bei Zugunglück

Es traf die Pendler im morgendlichen Berufsverkehr: Bei einem Zugunglück in Oberbayern sind mindestens zehn Menschen ums Leben gekommen, rund 80 wurden zum Teil schwer verletzt. Dass es nicht noch mehr Opfer gab, liegt auch an den Schulferien. Menschliches Versagen im Stellwerk war wohl die Ursache.

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Einsatzkräfte auch aus Österreich im Einsatz: Bei einem schweren Zugunglück in Bayern sind am Dienstagmorgen mehrere Menschen ums Leben gekommen.

Quelle: Sven Hoppe/dpa

Bad Aibling. Zehn Menschen wurden bei dem Zusammenstoß zweier Nahverkehrszüge in der Nähe von Bad Aibling im Landkreis Rosenheim schwer verletzt, acht Reisende mittelschwer und 63 leicht. Ein Mensch wird noch vermisst. Die Vermutung liege nahe, dass sich das Opfer noch in einem der Zugwracks befinde, hieß es. Unter den Toten seien wahrscheinlich auch die beiden Lokführer, sagte ein Polizeisprecher am Dienstag. Es ist das schlimmste Zugunglück in Deutschland seit fünf Jahren.

Gegen 6.50 Uhr waren auf der eingleisigen Strecke zwischen Holzkirchen und Rosenheim zwei Züge frontal zusammengestoßen. Dabei verkeilten sich die Triebwagen. Ein Zug entgleiste, mehrere Waggons stürzten um.

Menschliches Versagen gilt als Unglücksursache

Die verhängnisvolle Fehlentscheidung eines Fahrdienstleiters im Stellwerk von Bad Aibling ist offenbar der Grund für das Zugunglück mit mindestens zehn Toten. Dies berichten die Zeitungen des RedaktionsNetzwerks Deutschland, dem mehr als 30 Tageszeitungen angehören, unter Berufung auf Ermittlerkreise.

Danach hat ein Bahnbediensteter das automatische Signalsystem ausnahmsweise außer Kraft gesetzt, um einen verspäteten Triebwagen noch „quasi von Hand durchzuwinken“.

Der Triebwagen hätte, um dem entgegenkommenden Zug auszuweichen, rechtzeitig einen sogenannten Begegnungspunkt erreichen müssen: Dort ist die ansonsten eingleisige Strecke zweigleisig ausgebaut. Doch der Triebwagen schaffte es nicht rechtzeitig bis zu diesem Punkt. Dennoch bekam der entgegenkommende Zug grünes Licht. „Der fuhr auf Ersatzsignal“, formulierte es ein Ermittler. Das bedeute: Auf Weisung aus dem Stellwerk habe der Lokführer weiter fahren dürfen, obwohl das reguläre Signalsystem auf Rot stand.

Nichtsahnend sei der Lokführer dann aus dem zwei- wieder in den eingleisigen Streckenabschnitt gefahren – und geradewegs in die Katastrophe gesteuert.

In den Zügen sitzen um diese Uhrzeit üblicherweise zahlreiche Pendler, von denen viele weiter nach München fahren. Zum Glück seien am Unglückstag keine Schüler in den Zügen gewesen, sagte ein Polizeisprecher — in Bayern sind derzeit Faschingsferien.

Hubschrauber brachten die Schwerverletzten in Krankenhäuser, während die zahlreichen Leichtverletzten zunächst in einer Sammelstelle versorgt wurden. Dabei half auch die Wasserwacht, die die Verletzten auf das gegenüberliegende Ufer brachte. Die Bergwacht war ebenfalls im Einsatz. Zum Teil wurden die Opfer auch in Bergungssäcken von den Hubschraubern hochgezogen und an das andere Ufer geflogen. Die Bevölkerung wurde zum Blutspenden aufgerufen.

„Der Unfall ist ein Riesenschock für uns“, sagte BOB-Geschäftsführer Bernd Rosenbusch. „Wir tun alles, um den Reisenden, Angehörigen und Mitarbeitern zu helfen.“ Auch Christian Schreyer vom Mutterkonzern Transdev sprach den Opfern und ihren Angehörigen sein Mitgefühl aus. „Wir sind zutiefst erschüttert und fassungslos, dass so etwas passieren konnte.“ Deutsche Bahn-Chef Rüdiger Grube schloss sich den Beileidsbekundungen an.

Hier sehen Sie Bilder vom Zugunglück in Oberbayern

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Die Strecke wurde komplett gesperrt

Die 37 Kilometer lange Strecke zwischen Holzkirchen und Rosenheim wurde nach dem Unglück komplett gesperrt. Die Züge waren in einer Kurve auf dem vier Kilometer langen Abschnitt zwischen den Bahnhöfen Kolbermoor und Bad Aibling-Kurpark in der Nähe des Klärwerks von Bad Aibling zusammengestoßen. Wann die Strecke wieder geöffnet wird, blieb zunächst unklar. Der Betreiber richtete einen Ersatzverkehr mit Bussen ein.

Wie genau es zu dem schweren Unglück gekommen ist, war zunächst unklar. Bislang habe es auf der Strecke keine Störungen gegeben, erläuterte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU). Zudem habe es in den vergangenen Jahrzehnten „massive Verbesserungen in der Zugsicherungstechnik“ gegeben, so dass mit Blick auf die Technik und die geltenden Vorschriften „ein solches Unglück, wo sich zwei gegenläufige Züge auf dem gleichen Gleis befinden, eigentlich nicht mehr vorkommen kann“.

Es ist das schlimmste Zugunglück in Deutschland seit Januar 2011. Damals starben zehn Menschen, als ein Nahverkehrszug bei Oschersleben in Sachsen-Anhalt mit einem Güterzug zusammenstieß. In Bayern liegt ein schlimmeres Unglück bis 1975 zurück, als bei Warngau zwei Eilzüge frontal zusammenstießen und 41 Menschen starben.

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Ein Artikel von
KN-online (Kieler Nachrichten)

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