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Bandleader-Legende James Last ist tot

Von „Biscaya“ bis „Kill Bill“ Bandleader-Legende James Last ist tot

Der schon zu Lebzeiten legendäre deutsche Bandleader und Komponist James Last ist tot. Last starb am Dienstag im Alter von 86 Jahren in Florida (USA), wie sein langjähriger Konzertveranstalter Semmel Concerts am Mittwoch in Berlin mitteilte. Eine öffentliche Trauerfeier sei in Hamburg geplant, der Termin ist noch offen.

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James Last wurde 86 Jahre alt.

Quelle: Christian Charisius/dpa

Berlin/Hamburg. Last starb im Kreis seiner Familie nach kurzer, schwerer Krankheit. Er lebte seit mehr als 30 Jahren in den USA.

Last war als Erfinder des „Happy Party Sound“ der erfolgreichste deutsche Bandleader nach dem Zweiten Weltkrieg. Der 1929 in Bremen als Hans Last geborene Künstler tourte mit seinem Orchester weltweit. Mit seiner lässigen Art und den Pop-Klängen im Big-Band-Format traf er den Nerv der Nachkriegsgeneration. Er startete eine beispiellose Weltkarriere.

Mit weit mehr als 80 Millionen verkauften Tonträgern, 17 Platin-Schallplatten und 208 Goldenen gilt Last als einer der erfolgreichsten Musiker überhaupt. Mit 110 Alben ist er einsamer Rekordhalter in den deutschen Charts.

Lasts Plattenfirma Universal Music würdigte seine Persönlichkeit als ebenso beeindruckend wie sein musikalisches Werk: „Denn trotz des überragenden Erfolgs blieb er stets durch und durch Hanseat: niemals abgehoben, sondern immer authentisch, warmherzig, bescheiden und von einer Großzügigkeit geprägt, die nur wenige Menschen auszeichnet.“

Am 26. April hatte Last in Köln seine offizielle Abschiedstournee „Non Stop Music“ beendet. Die Band-Leader-Legende stand weit über 60 Jahre auf der Bühne. Das sei aber kein Grund zum Aufhören, hatte James Last immer wieder verkündet. „Musik ist einfach mein Leben.“

Im Herbst 2014 musste er nach einer verschleppten Darmentzündung notoperiert werden. Die Krankheit habe ihn nachdenklich gemacht, bekannte der Musiker mit den Wahlheimaten Hamburg und Florida.

Schon als Sechsjähriger lernte Last Klavierspielen. Ab 1943 besuchte er die Heeresmusikschule Bückeburg. 1946 kam Last zum Tanz- und Unterhaltungsorchester von Radio Bremen. Zwei Jahre später gründete er das Last-Becker-Ensemble. 1955 wechselte er zum NWDR-Tanzorchester nach Hamburg und begann 1956 mit ersten Orchesterbearbeitungen für den Rundfunk. Er war Arrangeur für Freddy Quinn, Caterina Valente und Helmut Zacharias und viele andere. Für Elvis Presley komponierte er das Stück „Fool“ und schrieb die Melodie zum „Traumschiff“.

Der Durchbruch gelang ihm 1965 mit seiner ersten LP. Die Band spielte aktuelle Hits nach, dazu wurden Partygeräusche gemischt — Singen, Tanzen, Lachen. Für die internationale Karriere änderte die Plattenfirma seinen Vornamen, aus Hans wurde James.

1967 erreichten vier LPs die vorderen Plätze der englischen Hitparade und 1968 folgte die Auszeichnung „Orchester des Jahres“. Tourneen in die UdSSR, nach Ostasien, Australien, Neuseeland, Skandinavien und wiederholt durch England, Irland, die Benelux- und deutschsprachigen Länder machten Last zum „erfolgreichsten Bandleader aller Zeiten“.

Im elektronischen Kondolenzbuch hatten sich schon kurz nach dem Bekanntwerden seines Todes hunderte James-Last-Fans eingetragen. Der Schauspieler Till Schweiger twitterte: „Mein Gott, was war das für ein toller Mann!!!“ Der Trompeter Til Brönner sagte, Last habe einen unverwechselbaren Klang geschaffen. „Als Jazzkünstler verliere ich mit „Hansi“ ein großes Idol und Vorbild“, erklärte der Musiker.

Auch in Großbritannien wurde sein Tod mit großer Trauer aufgenommen. Britische Medien verbreiteten die Nachricht mit Eilmeldungen. Last war jahrzehntelang Gast auf britischen Bühnen. Mehr als 90 Konzerte gab er mit seinem Orchester in der Londoner Royal Albert Hall.

Der NDR änderte sein Fernsehprogramm: Neben einem „NDR aktuell extra“ am Mittwochabend kündigte der Sender für Donnerstagnacht die Sendung „Tschüss Hansi — Ein Abend für den Partysound“ (23.30 Uhr) an. Das WDR Fernsehen wiederholt am Samstag, 13. Juni, um 23.30 Uhr die Sendung „Zimmer frei!“ mit dem erfolgreichen Bandleader.

Nach einer kurzen Flaute in den 1980er Jahren kam der „Party-König“ in den 1990ern wieder zu Popularität. Immer zeigte sich der Jazz-Fan offen für neue Musikstile. Die Bandbreite reichte von Abba bis Zappa, von Bach bis Lady Gaga.

Zu seinem 75. Geburtstag erschien die CD „They call me Hansi“ in Zusammenarbeit mit Musikern wie Jan Delay, Herbert Grönemeyer, Tom Jones und Luciano Pavarotti. Sein Lied „Der einsame Hirte“ wurde 1977 von Gheorghe Zamfir auf der Panflöte interpretiert und erreichte 25 Jahre später als Filmmelodie von „Kill Bill: Vol. 1“ Kultstatus. Der Titel „Biscaya“ erreichte Platz 16 der Charts.

Last, der vor allem in Florida lebte, war seit 1954 mit Waltraud Wiese verheiratet, die 1997 starb. 1999 ging der Musiker eine zweite Ehe mit der Münchner Vermögensberaterin Christine Grundner ein.

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