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ESC-Tagebuch Urban Gardening

Das hier ist also das Allerheiligste. Das Herz des Eurovision Song Contest (ESC). Oder wie mittelmäßige Makler bei der Hausführung im Schlafzimmer zu sagen pflegen: „This is where the magic happens“: die Sprecherkabine von „Mr. Eurovision“ Peter Urban - erreichbar nur nach endlosen Märschen durch die Katakomben der Stadthalle von Wien inklusive fünf Security-Checks. Von Imre Grimm

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Peter Urban ist schon seit vielen Jahren die Stimme Deutschlands beim ESC - ehemals Grand Prix d'Eurovision de la Chanson. Sagt man aber vermutlich nur noch in Frankreich.

Quelle: Julian Stratenschulte/dpa

Wien. Links neben Urbans Kommentatorenkabuff „wohnt“ England, rechts Finnland, leider schon rausgeflogen. Draußen in der Halle proben weitere Halbfinalisten zu Lichtgewitter, drinnen sieht's nach knapp einer Woche Noternährung und Schlafmangel aus wie in einer Kiffer-WG, in der zuletzt 1988 gelüftet wurde: eine wunderhübsche Plastikrosenkette überm Fenster zur Halle („Hat die Produktionsleitung aufgehängt“), eine gelbe Fliegenklatsche („Wofür auch immer“), unter der Decke ein grüner „PSSSST“-Anhänger, Kaffeebecher, O-Saft, Kuchen. Plastikblumen im Popzirkus. Ist ja auch so ein Hipstertrend: Urban Gardening.

46 Seiten umfasst die Faktensammlung für Kommentatoren. In den „Commentary Notes“ stehen tolle Sachen. Zum Beispiel, dass in den letzten 60 Jahren 1456 Songs am ESC teilnehmen, dass kein Land mehr „zero points“ hatte seit 2003 (England), dass Norwegen schon zehnmal Letzter war, dass der Abspann im zweiten Halbfinale eine Minute und fünfzig Sekunden dauert und dass „german composer Ralph Siegel“ als Rekordhalter schon insgesamt 23-mal … egal. Seit 1997 kommentiert Urban – der offiziell seit 2013 im Ruhestand ist – mit seiner kakaowarmen Nachtradiostimme den paneuropäischen Kindergeburtstag. Karrieren können explodieren, Weltreiche vergehen, Planeten aus den Angeln kippen – nichts ist schlimm, so lange Peter Urban spricht. Dass muss man auch erst mal schaffen: dass das schönste Organ in 17 Jahren Eurovision Song Contest (2009 musste er aus gesundheitlichen Gründen pausieren) Jahr für Jahr nicht von einer maltesischen Diva kommt oder von einem Tenor aus dem Kaukasus, sondern von einem Hamburger Popnarren und NDR-Urgestein von inzwischen 67 Jahren. Zwölf Punkte für Peter Urban.

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