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Energieprojekt: Forscher machen Gras zu Geld

Wissenschaft Energieprojekt: Forscher machen Gras zu Geld

Aus Grashalmen Geld machen - einen Ansatz dafür haben Wissenschaftler der Uni Kassel gefunden. Kernstück des Energie-Projekts "Prograss" ist eine Maschine, die sich in zwei Containern auf einem Sattelschlepper transportieren lässt.

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Zufrieden mit dem Ergebnis: Prograss-Projekt der Uni Kassel.

Quelle: Marc Tirl/Archiv

Kassel/Lauterbach. Mit der Anlage werden aus Silage - gärendem Grünfutter - Strom, Wärme und vor allem Pellets als vermarktbarer Festbrennstoff gewonnen.

Das Grün aus Mittelgebirgslandschaften wie dem Vogelsberg in Hessen oder überfluteten Grünlandflächen an Flüssen hat demnach das Potenzial zum wertwollen Rohstoff. Die Forscher wollen noch einen weiteren Nebeneffekt erzielen: Artenreiche Kulturlandschaften sollen erhalten, Wiesen und Weiden vor dem Zuwuchern bewahrt, der anfallende Grünschnitt sinnvoll genutzt werden.

"Unsere Erwartungen wurden absolut erfüllt, die Technik funktioniert, und die Anlage arbeitet wirtschaftlich", bilanziert Michael Wachendorf bei der Präsentation erster Ergebnisse am Mittwoch in Lauterbach. Die Brennstoffqualität der Pellets sei gut und liege auf dem Niveau von Holzhackschnitzeln. "Wir machen mit Naturschutz Geld und erzeugen alternative Energien."

In der Anlage wird das zu Ballen gebundene Gras zu Biogas verarbeitet. Dieses erzeugt in einem Blockheizkraftwerk Wärme und Strom. Die bei der Gaserzeugung anfallende Wärme wird verwendet, um Pellets zu trocknen. Diese können als Festbrennstoff gelagert, verwendet und verkauft werden.

Nach mehr als drei Jahren Forschung - unter anderem in Wales und Estland - sei die Anlage nun marktreif. "Jetzt müssen wir sie als nächstes einem realwirtschaftlichen Belastungstest unterziehen. Wir müssen schauen, wie sich der Betrieb in größerem Maßstab rechnet", erklärt Lorenz Kock, Projektpartner im Amt für den ländlichen Raum im Vogelsbergkreis. Geeignete Standorte würden bereits gesucht, erste Interessenten seien vorhanden.

Projektleiter Wachendorf erklärt, dass man die Anlage auch an ein Klärwerk "andocken" könne. "Futter" für solche Biomasse-Anlagen wäre reichlich vorhanden: Die europäischen Grünlandflächen umfassen etwa 90 Millionen Hektar, sie stellen mindestens ein Drittel der gesamten Landwirtschaftsfläche, wie aus dem Projekt-Bericht hervorgeht. Grünland bedürfe Pflege, es gebe aber immer weniger Landwirte, argumentieren die Forscher. Und die Energiebilanz der Anlage sei deutlich besser als bei herkömmlichen Biogasanlagen.

dpa

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