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Grong Prieh Öhrovisijohn

ESC-Tagebuch Grong Prieh Öhrovisijohn

Es wird der Tag kommen, vielleicht so im Jahr 2080, da wird selbst England merken, dass es kein Weltreich mehr ist. Die Queen regiert bei bester Gesundheit im 128. Jahr. Baby George ist so alt wie Prinz Charles jetzt. Vieles wird anders sein, nur eines nicht: Frankreich spricht beim Eurovision Song Contest immer noch Französisch. Die sind da eisenhart.

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Die Teilnehmer des ersten ESC-Halbfinales proben ihren Auftritt in Wien.

Quelle: Georg Hochmuth/dpa

Wien. Jahr für Jahr befleißigen sich tapfere TV-Moderatoren von Aserbaidschan bis Kopenhagen beim "Grong Prieh Öhrovisjon Döllaschongsong" dieses seltsamen Idioms. Und das nur, weil ein paar stolze Ex-Revolutionäre linksseits des Rheins vor 1000 Jahren kurz mal wichtig waren.
 
 Ja, ESC-Traditionalisten und Trash-Freunde (Dänisch! Albanisch!) sehen den Vormarsch des Englischen mit Schmerzen. Dass Frankreich aber in ESC-Pressekonferenzen traditionell ausschließlich in heimischer Zunge parliert, ist kein putziger Anachronismus mehr, sondern unfein. 45 Jahre lang kam ausschließlich Landessprachliches aus Frankreich - gern auch mal auf Kreolisch, Bretonisch, Korsisch, Patois. Das hat Folgen:  Der letzte französische ESC-Sieg stammt aus einer Zeit, als man in Talkshows noch soff und rauchte (1977). Motto: "Bevor wir ein Wort Englisch sprechen, sind wir lieber wieder Letzter." Erst 2001 sang Natasha St-Pier einen ganzen Refrain auf einer Art Englisch. Die Verräterin hatte Glück, dass die Guillotine abgeschafft ist.
 
 Natürlich kann nicht jeder so gut Englisch sprechen wie der deutsche Entwicklungshilfeminister Gerd Müller. Wie rätselhaft aber vielen Zuschauern dieses Französisch inzwischen ist, zeigt uns "Mike-Marie" aus dem Familienforum "Urbia". Er hat da mal "'ne kurze blöde Frage" zum ESC. "Englisch ist ja soweit ok“, schreibt er, „ist ja international - aber warum werden die Punkte noch mal auf Französisch wiederholt? (Ist doch Französisch oder?)" Ja Mike, ist Französisch. Und die Antwort lautet: Weil wir sonst alle ganz schön in der Bretagne stecken.

Von Imre Grimm

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Ein Artikel von
KN-online (Kieler Nachrichten)

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