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Jack White: Die Zukunft des Rock

Roskilde-Festival Jack White: Die Zukunft des Rock

Ein deutsch-englischer Fan beim dänischen Roskilde-Festival brachte es auf den Punkt: "Heute hab ich die Zukunft des Rock gesehen, und ihr Name ist Jack White."

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Ausnahme-Gitarrist aus Detroit: Jack White.

Quelle: dpa

Roskilde. Beeindruckt lauschte er als einer von 77 000 Besuchern bei Europas traditionsreichsten Rockfestival, was der 1975 geborene Ausnahme-Gitarrist aus Detroit an oft vertrackten und meist harten, aber immer verblüffend originellen Klängen über 90 Minuten zu bieten hatte.

The Cult auf der Bühne in Roskilde.

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Knapp 24 Stunden später gab sich die riesige Festivalgemeinde restlos hin, als Bruce Springsteen und seine Band ein wunderschönes dreistündiges Konzert ablieferten. Seine Fans wissen, dass das Zitat mit der Rock-Zukunft eigentlich auf Springsteen gemünzt ist und bei dessen Durchbruch 1974 als Reklameslogan die Runde machte. Da war noch ein Jahr hin bis Whites Geburt.

Der Veteran und der Erneurer eine Generation später passten jeder auf seine Art perfekt zu Roskilde. White trat auf dem "Dyrskueplads" ("Tierschauplatz") mit einer reinen Frauenband auf und schloss sein Konzert mit dem unvergleichlich eingängigen "Seven Nation Army", das Fußballfans gerne zusammen in Stadien singen. Springsteen donnerte als Rausschmeißer mit seiner Riesenband das uralte, unsterbliche "Twist And Shout" von der Bühne, und Zehntausende tanzten mit.

Der 62-jährige "Boss" schraubte mit seiner unglaublich mitreißenden Freundlichkeit die Werte bei dem ohnehin als besonders harmonisch geltenden Festival noch mal kräftig nach oben. Hier sieht man tagelang so gut wie nie ein unfreundliches Gesicht und hört praktisch kein unfreundliches Wort. Auch das Wetter spielte bei der 42. Ausgabe mit The Cure aus Großbritannien und der Isländerin Björk als weiteren Top-Namen auf dem Programm ziemlich perfekt mit.

Unfreiwillig komisch fiel Springsteens grinsende Erklärung aus, warum Ehefrau Patti Scialfa diesmal nicht mit auf der Bühne sein konnte: Sie lasse grüßen und müsse daheim aufpassen, dass die (Teenager-) Kinder des Paares "sich nicht betrinken". Interessante Worte vor zehntausenden Teenagern, deren Grundnahrungsmittel bei Festivals wie in Roskilde eine Woche lang Bier ist.

Bierselig und auch sonst selig machten die jungen und sehr viele grauhaarige Fans mit Eintages-Tickets bei Springsteens Anläufen zu Gospel-Predigten mit. Sie sangen komplette Texte seiner ewigen Hits wie "Born To Run" und "Badlands" und nahmen auch die Songs seiner letzten CD "Wrecking Ball" an, die von der E-Street-Band fast komplett gespielt wurde.

500 Meter Luftlinie entfernt lieferte Bon Iver (USA) zur gleichen Zeit ein ausgesprochen stilles Konzert ab und musste um die Gunst des Publikums kämpfen. Roskilde bot mit 175 Bands wie immer eine extrem breite Auswahl unterschiedlichster Musik. Wer würde schon erwarten, dass eine in Israel lebende Zuwandererfamilie aus Tadschikistan namens Alajew ein Rockfestival-Publikum mit ihrer eigenen Mischung aus Volksmusik beider Länder in völlige Ekstase bringt?

Aber es gab auch Schattenseiten bei der diesjährigen Ausgabe: Ein 20 Jahre alter Schwede starb vier Tage vor der Eröffnung auf dem Campingplatz an den Folgen von Drogen.

dpa

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