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Schock nach Kölner Übergriffen

Konkrete Spur fehlt Schock nach Kölner Übergriffen

Massenhafte sexuelle Übergriffe auf Frauen in Köln in der Silvesternacht haben in Deutschland Fassungslosigkeit ausgelöst. Kanzlerin Angela Merkel forderte eine harte Antwort des Rechtsstaats und drückte Oberbürgermeisterin Henriette Reker ihre Empörung über „diese widerwärtigen Übergriffe und sexuellen Attacken“ aus.

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Kritik und Fassungslosigkeit nach Übergriffen von Köln

Massenhafte sexuelle Übergriffe auf Frauen in Köln in der Silvesternacht haben in Deutschland Fassungslosigkeit ausgelöst.

Quelle: Oliver Berg/dpa

Köln/Kiel. Die Polizei erklärte am Dienstagabend, noch immer keine Verdächtigen zu haben. Es gebe „derzeit keine Erkenntnisse über Täter“, sagte Kölns Polizeipräsident Wolfgang Albers.

 Laut Polizei hatten sich am Silvesterabend vor dem Hauptbahnhof etwa 1000 Männern versammelt, aus der Menge wurde mit Feuerwerkskörpern geworfen. Als die Polizei einschritt, zersplitterte sich die Gruppe in viele kleinere. Dann kam es zu den Übergriffen auf Frauen. Sie wurden demnach von Männergruppen umzingelt, bedrängt und ausgeraubt. Polizeipräsident Albers sprach von Sexualdelikten in sehr massiver Form und auch von Vergewaltigung.

 Zeugen beschrieben die Angreifer nach Polizeiangaben als Männer, die dem Aussehen nach aus dem arabischen und nordafrikanischen Raum stammen. „Es gibt keinen Hinweis, dass es sich hier um Menschen handelt, die in Köln Unterkunft als Flüchtlinge bezogen haben“, betonte aber Oberbürgermeisterin Reker. Albers erklärte, es sei auch falsch, von 1000 Tätern zu sprechen.

"Das Gegenteil von Integration"

 Bundesfrauenministerin Manuela Schwesig (SPD) bezeichnete die Attacken als abscheulich. „Frauen sind kein Freiwild. Übergriffe auf Frauen (…) nehmen wir nicht hin.“ Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) verurteilte die Angriffe, warnte aber davor, nun Flüchtlinge unter Generalverdacht zu stellen. „Übergriffe in so massiver Form – das hat eine neue Qualität“, sagte Schleswig-Holsteins Frauenministerin Kristin Alheit (SPD). „Das kann unsere Gesellschaft auf keinen Fall hinnehmen, denn es schafft ein Klima der Verängstigung und ist das Gegenteil von Integration.“

 Bis Dienstagabend stieg die Zahl der Anzeigen auf 90. Zum Teil gehe es um sexuelle Übergriffe, zum Teil um Diebstähle, zum Teil um beides, so Albers. Die Polizei steht in der Kritik: Am Neujahrsmorgen hatte sie die Silvesternacht noch als entspannt beschrieben. Nun werten die Beamten mühsam das Videomaterial aus.

Reker sagte, so etwas dürfe es „nie wieder“ geben. Künftig soll es eine stärkere Polizeipräsenz bei Großveranstaltungen wie dem Karneval und mehr Videoüberwachung geben. Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger (SPD) betonte: „Wir nehmen es nicht hin, dass sich nordafrikanische Männergruppen organisieren, um wehrlose Frauen mit dreisten sexuellen Attacken zu erniedrigen.“ Tobias Loose, Chef der Jungen Union Schleswig-Holstein, erklärte: „Wenn es sich bestätigen sollte, dass sich der Großteil der beteiligten Täter in einem Asylverfahren befindet, ist eine sofortige Abschiebung als Konsequenz unabdingbar.“

 Zugleich wurde bekannt, dass auch auf der Hamburger Reeperbahn in der Silvesternacht mehrere junge Frauen sexuell belästigt und bestohlen wurden. Bis Dienstagabend gab es 27 Anzeigen.

  Von Jonas-Erik Schmidt und Jürgen Küppers

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Kölner Dom
Foto: Aus Protest gegen die Übergriffe in der Silvesternacht haben am Dienstagabend in Köln mehrere Hundert Menschen gegen Gewalt gegen Frauen demonstriert.

Aus Protest gegen die Übergriffe in der Silvesternacht haben am Dienstagabend in Köln mehrere Hundert Menschen gegen Gewalt gegen Frauen demonstriert. Nach Angaben der Polizei kamen etwa 250 bis 300 Frauen und Männer zu der Kundgebung vor dem Dom.

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