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Konsumverhalten trägt massiv zu Artenschwund bei

Wissenschaft Konsumverhalten trägt massiv zu Artenschwund bei

Verbraucher in den Industrieländern tragen durch ihr Konsumverhalten massiv zum weltweiten Artenschwund bei. Fast jedes dritte Tier von der Roten Liste gefährdeter Arten wird durch den globalen Handel bedroht, wie ein internationales Forscherteam in der Fachzeitschrift "Nature" berichtet.

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Brasilien, Indonesien und weitere Länder werden oft wegen ihrer Waldzerstörung kritisiert. Doch verantwortlich dafür sind auch die Käufer von Kaffee, Rattan oder anderen Produkten.

Quelle: Weimer Carvalho

London. Demnach sind am Rückgang der Artenvielfalt gerade in Entwicklungsländern nicht nur die Produzenten beteiligt, die etwa Wälder zugunsten von Plantagen zerstören, sondern auch die Verbraucher in Europa, Japan und Nordamerika, die die dort produzierten Güter kaufen.

Zehntausende Tier- und Pflanzenarten sind weltweit gefährdet oder sogar akut vom Aussterben bedroht. Betroffen sind vor allem Entwicklungsländer in Asien, Afrika und Amerika. Umweltforscher und Wirtschaftswissenschaftler aus Australien, Japan und Italien prüften nun erstmals umfassend, welche Rolle der globale Handel für den Artenschwund spielt. Dazu glichen sie 25 000 Tierspezies von der Roten Liste gefährdeter Arten mit dem Verkehr von 15 000 Waren aus aller Welt ab. Ergebnis: Lässt man den Einfluss invasiver Arten außer Acht, so werden 30 Prozent dieser Arten durch den internationalen Handel bedroht.

Frühere Studien hatten bereits gezeigt, wie etwa Kaffeeanbau in Mittelamerika, Sojaproduktion in Brasilien oder Palmölplantagen in Indonesien und Malaysia den Artenschwund beschleunigen. So schränkt etwa der Anbau von Kaffee und Kakao in Mittelamerika zunehmend den Lebensraum des Geoffroy-Klammeraffen (Ateles geoffroyi) ein. Verantwortlich dafür seien aber nicht nur die Produzenten vor Ort, sondern auch die Verbraucher in den Industrieländern, betonen die Forscher nun. In etlichen Entwicklungsländern wie Madagaskar, Papua-Neuguinea, Malaysia, Sri Lanka oder Honduras werden demnach mehr als die Hälfte der gefährdeten Tierarten durch die Produktion von Waren bedroht, die für den Export bestimmt sind. Abnehmer sind vor allem die USA, Japan und die Europäische Union.

So verbinden die Forscher etwa Importe nach Deutschland mit 395 bedrohten Tierarten. Allein die Einfuhr aus Madagaskar etwa von Rattan, Sisal, Kakao oder Vanille stehe in Verbindung mit 18 bedrohten Arten. Der Abbau von Rohstoffen aus Ghana und der Demokratischen Republik Kongo, die für die deutsche Pkw-Produktion wichtig sind, gefährdet weitere 8 Spezies. Importe aus Sri Lanka, Kolumbien und Kamerun stehen in Zusammenhang mit 23 bedrohten Arten.

"Unsere Resultate zeigen eindeutig, dass örtliche Bedrohungen für Arten durch ökonomische Aktivitäten und die Verbrauchernachfrage aus aller Welt angetrieben werden", schreiben die Wissenschaftler. Sie rufen dazu auf, den Artenschutz stärker aus einer globalen Perspektive zu planen. Man müsse nicht nur die örtlichen Produzenten berücksichtigen, die Lebensräume zerstören, sondern auch die Verbraucher, die von diesen Aktivitäten profitieren. Außerdem reiche es nicht aus, nur den Handel mit bedrohten Arten zu verbieten. Stattdessen solle man den Handel auch mit jenen Produkten regulieren, die zu diesen Bedrohungen beitragen. Zudem gelte es, das Bewusstsein der Verbraucher für diese Zusammenhänge zu stärken. So könne man etwa auf den Verpackungen die Auswirkungen der Herstellung auf die Artenvielfalt nennen.

dpa

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