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Aus dem Bauch heraus

Netzdebatte „dad bod“ Aus dem Bauch heraus

Eine Debatte spaltet das Netz: Der „dad bod“, der Papakörper mit leichtem Bauch, könnte das Männer-Schönheitsideal radikal verändern oder zumindest entspannen. Experten sind unsicher, ob der Trend von Dauer ist.

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Bart, Outdoor, jetzt auch Bauch: Mann kommt jetzt selbstbewusst als Papa daher.

Quelle: Imago

Kiel/Clemson. Sie spürte dieses Kribbeln im Bauch: „Falls ihr es nicht längst mitbekommen habt, Frauen stehen alle auf den dad bod.“ Mackenzie Pearson von der Clemson University (USA) hat mit ihrem Beitrag „ Why Girls Love The Dad Bod“ (Warum Frauen den Papakörper lieben) eine üppige Diskussion im Netz losgetreten: Ist der Sixpack out und der leichte Bauch das neue Schönheitsideal für Männer?

Ja, sie habe es zunächst selbst nicht glauben können, beschreibt Pearson, aber dann schnell begriffen. Es geht nicht um eine überbordende Bierplauze, sondern das gesunde Verhältnis eines Mannes zu seinem Körper und dem Leben, das er mit ihm führt. Ein „dad bod“ – dessen Träger gar kein Vater sein muss – besticht durch Schmusefaktor und macht seinen Träger sympathisch, weil natürlich. Er ist durchaus fit, liebt Sport, aber schlägt auch bei Pizza zu und trinkt gerne das eine oder andere Bier.

Der Bauch passt voll in den Zeitgeist der Muße

„Mit einem leichten Bauch kann ein Mann absoluter Sympathieträger sein“, bekräftigt Nilüfer Olesch, Modeberaterin aus Altenholz, die auch schon mit der „Cosmopolitan“ arbeitete, jenes Magazin, auf dem die Siegerinnen von Heidi Klums „Germany’s Next Topmodel“ posieren. „Die Debatten um Plus-Size-Models gingen in die gleiche Richtung“, erinnert sich Olesch. Löst sich das Schönheitsideal also vom perfektionistischen Fitness-, Muskel- und Schlankheitswahn? „Das passt zu der neuen Welle des In-sich-Kehrens, der Ruhe, der Muße – die Zeit, aus der wir kommen, ist ja die der Burn-Outs und Krisen“, so Olesch. Schließlich begann der Selbstoptimierungswahn im Fitnessstudio vor der Wirtschaftskrise.

Das bestätigt auch Felix Willimzig, seit 1999 Trainer im Fitnessstudio „Kiels City“. Der „dad bod“ bedrohe aber seine Branche nicht: „Fitness ist kein Trend“, sagt der Coach überzeugt, „sondern es gehört zum Lifestyle.“ Es gehe um gesunde Lebensweise, nicht um aggressives Training.

Nicht nur Frauen kämpfen mit dem Schlankheitswahn

Männer würden immer noch in erster Linie fragen, wie sie sich einen Sixpack antrainieren können. „Der Druck ist schon immens geworden“, räumt Willimzig aber ein, „da gibt es auch Grenzen.“ Die Sucht nach dem Gewichtepumpen gerade bei jungen Männern zu entlarven, das gehöre auch zur Aufgabe des professionellen Trainers.

Das herausfordernde Männerideal bestätigen auch Paarberaterinnen: „Die landläufige Meinung, es komme nur auf den Charakter an, stimmt nur bedingt“, weiß Maiken Osenegg, seit zehn Jahren Paartherapeutin in Kiel. „Warum trainiert man sich?“, fragt Maria Aschoff, Geschäftsführerin des Instituts für psychologische Beratung und Bildung in Kiel. „Um auf das andere Geschlecht attraktiv zu wirken“, antwortet sie.

Obwohl der „dad bod“ von einer Frau begehrt wurde, bezweifeln die Expertinnen seine Allgemeingültigkeit: „Ich glaube kaum, dass der ‚dad bod’ entspannt – das Schönheitsideal ist einfach zu massiv“, sagt Aschoff resignierend. „Die Mode diktiert“, so Osenegg. Das ändern könnten wohl nur prominente „dad bods“ wie die US-Schauspieler Leonardo DiCaprio, Adam Sandler oder der kanadische Comedian Seth Rogen, die ihre Bäuche auf Paparazzi-Fotos stolz vor sich hertragen.

Man(n) muss dennoch nicht unbedingt resignieren: Nach dem Kennenlernen sei der Körper weniger entscheidend, sagt Maria Aschoff. Doch Maiken Osenegg widerspricht: „Warum haben Paare in Beziehungen häufig weniger Sex? Weil die Attraktivität fehlt.“

Für Osenegg kann der „dad bod“ allerdings langfristig wichtig sein: „Es ist dringend notwendig, das Schlankheitsideal zu entspannen. Ich kann den Männern raten, mutiger zu sein und die Frauen einfach zu fragen, was sie mögen.“ Vielleicht stellt sich die Frage nach der „dad bod“-Debatte leichter.

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Ein Artikel von
Niklas Wieczorek
Lokalredaktion Kiel/SH

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