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"Panzerkreuzer Protzki" hat ausgedient: Berliner ICC schließt

Architektur "Panzerkreuzer Protzki" hat ausgedient: Berliner ICC schließt

Eines der Wahrzeichen des alten West-Berlin stellt den Betrieb ein: Eine Firmenveranstaltung setzt den Schlusspunkt für das traditionsreiche Congress Centrum am Funkturm.

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Der Bau kostete damals umgerechnet 500 Millionen Euro.

Quelle: Bernd von Jutrczenka

Berlin. Es könnte für immer sein.

Es war eine kleine, aber symptomatische Panne: An einem Ballabend sprang 2005 im Internationalen Congress Centrum (ICC) die Sprinkleranlage an. Die Gäste erwischte es nasskalt. Auch wegen früherer Asbestfunde und ausufernder Betriebskosten mussten sich selbst Nostalgiker eingestehen: Das riesige Messegebäude mit der bekannten Aluminium-Fassade ist in die Jahre gekommen.

Mehrere hundert Millionen Euro würde die Sanierung kosten, ein privater Investor ist bis heute nicht in Sicht. Und so schickt Berlin sein einstiges Vorzeige-Messegebäude 35 Jahre nach der Eröffnung nun in den Dornröschenschlaf: Am Mittwoch hielt der Daimler-Konzern noch eine Aktionärsversammlung ab, danach ist Schluss.

Glanzvolle Zeiten hat das ICC seit seiner Eröffnung am 2. April 1979 zweifelsfrei hinter sich: Mehrere tausend Konzerte und Kongresse lockten insgesamt fast elf Millionen Besucher an. Ob Neil Young auf der Bühne stand oder Roland Kaiser: Berliner und Touristen strömten in den Bau, der zwischen wichtigen Verkehrsadern im alten West-Berlin liegt.

Nicht umsonst nennen die Berliner ihr ICC liebevoll "Raumschiff" oder "Panzerkreuzer Protzki". Erbaut zu Zeiten des Kalten Kriegs für eine bis dahin kaum vorstellbare Summe von umgerechnet 500 Millionen Euro, wollte man auf der Insel West-Berlin mit dem Bau ein Zeichen setzen. Lange, etwas düstere Flure, Teppiche mit 70er-Jahre-Muster und dunkle Möbel versprühen noch heute Retro-Charme.

Mit rund 80 Sälen und weitläufigen Foyers konzipierte das Architekten-Ehepaar Ralf Schüler und Ursulina Schüler-Witte einen der wenigen Großbauten der sogenannten High Tech Architektur, wie die Architektur-Expertin Kerstin Wittmann-Englert von der TU Berlin der Nachrichtenagentur dpa sagte. Die einst futuristische Ästhetik ist nur ein Grund, weshalb sie sich für eine Aufnahme des Baus in die Denkmalliste ausspricht. "Das ICC ist ein Unikat." Die Zukunft des Baus sieht Wittmann-Englert weiter in Kongressen, Kunst und Kultur - für sie eine authentische Lösung.

Ein Kasino, ja selbst die Abrissbirne wurden in den vergangenen Jahren diskutiert. Nach der Schließung will man sich im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf weiter beraten: Soll das Wahrzeichen des alten Westens zur Shopping-Meile mit Flächen für Kultur und Ausstellungen werden? Das wäre die wirtschaftlichste Lösung, hieß es kürzlich in einer Untersuchung.

Für die Kongressstadt Berlin könnte die Schließung ein herber Schlag werden: Um in der Top-Liga der internationalen Kongressstädte wettbewerbsfähig zu bleiben, benötige man weitere Kapazitäten, betont der Geschäftsführer von Visit Berlin, Burkhard Kieker. Im ICC seien die absoluten Großkongresse zu Hause gewesen. Sollte dessen Sanierung nicht möglich sein, brauche Berlin ein weiteres großes Kongressgebäude. Der Neubau City Cube am Standort der abgerissenen Deutschlandhalle sei womöglich nicht ausreichend.

dpa

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